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Ahnenforschung boomt – Münchner Experten zum richtigen Start und (digitalen) Helfern

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Von: Romy Ebert-Adeikis, Daniela Borsutzky

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Kirchenhistoriker Roland Götz bei der Arbeit.
Kirchenhistoriker Roland Götz bei der Arbeit. © Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising

Ahnenforschung in München boomt. Immer mehr wollen herausfinden, wer ihre Vorfahren waren. Experten geben Tipps, wie der Einstieg in die Forschung gelingen kann.

München - Ein Zettel voller Aktenvermerke und durchgestrichener Namen: Das reichte, um bei Winfried Müller eine Leidenschaft zu wecken. Seit 20 Jahren erforscht der Münchner nun seine Familienwurzeln. „Ich kann meine Ahnen etwa bis 1750 nachverfolgen“, sagt er stolz. „Es ist erstaunlich, was man alles über unsere Vorfahren herausfinden kann, wenn man nur weiß, wo man suchen muss.“

Mit seiner Faszination ist Müller, der zum Vorstand des vor 100 Jahren gegründeten Bayerischen Vereins für Familienkunde gehört, nicht allein. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen interessieren sich für ihre Wurzeln. „Vor drei Jahren hat der Verein die 1000-Mitglieder-Marke geknackt. Jetzt sind wir schon bei 1500.“ Neben einem bestehenden Mitgliederstammtisch in München hat sich darum im Dezember in Planegg ein weiterer gegründet.

„Durch die Digitalisierung vieler Archive kommt man heute viel leichter an Infos“, erklärt sich Müller den Boom. Zudem sterben derzeit viele derjenigen, die den Zweiten Weltkrieg noch selbst erlebt haben. „Deren Unterlagen landen jetzt bei der Nachfolgegeneration, die oft im Ruhestand ist und Zeit hat, nachzuforschen.“

Ahnenforschung boomt in München: So können auch Sie anfangen

Wer einsteigen will, dem rät Müller zuerst Material aus der Familie selbst – Stammbücher, Urkunden oder Fotos – zu sichten. „Das ist das Datengerüst, mit dem man gezielt weitersuchen kann“, sagt der 72-Jährige. Zudem geben Standesämter und kommunale Archive für Verwandte in direkter Linie Geburts-, Sterbe- oder Hochzeitsdaten heraus. Für andere Verwandten müssen hingegen Sperrfristen eingehalten werden.

Eine weitere wichtige Quelle sind laut Müller Kirchenbücher und Nachlassakten, in denen alle Erben angegeben werden müssen. Speziell in München gibt es zudem ausführliche Polizei-Meldebögen und Kriegsstammrollen für die Jahre 1914-1918. Um den Überblick zu behalten, rät Müller zudem zu Genealogieprogrammen für den PC. „Gerade für Einsteiger gibt es auch gute kostenfreie Angebote. Mit 30 Euro ist man bei einem Profi-Programm dabei.“

Hier kommen Forscher zusammen

Der Familienforscher-Stammtisch München trifft sich immer am vierten Donnerstag des Monats. Nächster Termin ist der 26. Januar 2023 ab 18 Uhr im Restaurant Abant, Ligsalzstraße 46. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Mehr Infos unter https://ffsm.jimdofree.com. In Planegg treffen sich Interessierte das nächste Mal am Freitag, 20. Januar 2023, von 18 bis 20 Uhr in der Volkshochschule Würmtal, Markplatz 10a. Weitere Termine werden noch bekanntgegeben.

Lebende befragen

Angela Stilwell vom Münchner Stadtarchiv betreibt seit 20 Jahren Personenforschung. Ihr wichtigster Tipp: „Befragen Sie die Menschen, bevor sie nicht mehr da sind.“ Denn durch das sogenannte Personenstandsgesetz gelten verschiedene Fristen, welche den Zugriff auf Dokumente beschränken können: für Geburten 100 Jahre, für Trauungen 75 Jahre und für Sterbeeinträge 30 Jahre.

Gratis Webinar

Die Bayerische Staatsbibliothek, Ludwigstraße 16, bietet seit 2020 regelmäßig die kostenlose Schulung „Wer hätte das ge-Ahnt“ zum Thema Familienforschung und Genealogie an. Das nächste Webinar findet am Donnerstag, 30. März 2023, um 15.30 Uhr statt. Infos: www.bsb-muenchen.de.

Diözese

Seit Sommer 2019 stehen die Archivarien der Erzdiözese München und Freising online. Für viele bedeute das eine große Erleichterung, da sie so zu späten Uhrzeiten oder am Wochenende forschen können, sagt Roland Götz, stellvertretender Leiter des Archivs und der Bibliothek an der Karmeliterstraße. „Wir haben pro Tag etwa 170 Zugriffe. Ich schätze, dass sich zwei Drittel davon auf Familienforschung beziehen.“

Zur Vorgehensweise rät Götz: „Bis zu den Urgroßeltern schafft man es in der Regel durchs familiäre Umfeld. Im nächsten Schritt geht es gegebenenfalls zu den Standesämtern oder direkt zu den kirchlichen Unterlagen, den Pfarrmatrikeln.“ Bei der Diözese reichen diese bis 1576 zurück. Um fündig zu werden muss man wissen, wo die vorherige Generation gelebt hat, damit man in der richtigen Gemeinde schauen kann. Und: „Kirchenbücher sind handschriftlich verfasst. Man kommt um die alte deutsche Schrift und gegebenenfalls Latein nicht herum.“ 

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