Glauben nicht an der Kirche messen

Anselm Grün: Pfarrer aus Lochham bei München berührt weltweit Menschen 

Über 300 Buchtitel sind von Pater Anselm Grün bereits erschienen. Der Lochhamer gilt als erfolgreichster Autor spiritueller Werke in Deutschland.
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Über 300 Buchtitel sind von Pater Anselm Grün bereits erschienen. Der Lochhamer gilt als erfolgreichster Autor spiritueller Werke in Deutschland.

Er stammt aus Lochham und berührt heute weltweit Menschen: der Redner und Autor Pater Anselm Grün. In Hallo spricht er über seine Herkunft und darüber, welche Rolle für ihn soziale Medien haben.

Lochham - Pater Anselm Grün ist Benediktinermönch in der Abtei Münsterschwarzach und der erfolgreichste Autor spiritueller Bücher im deutschsprachigen Raum.

Seine Gedanken bringt der 76-Jährige nicht nur in zahlreichen Vorträgen unter die Menschen. Sondern auch im Internet: Allein bei Instagram folgen rund 15 000 Personen dem Pater, der in Lochham aufgewachsen ist, mehr als 11 000 haben seinen Youtube-Kanal abonniert.

Sein goldenes Priesterjubiläum hat er in seiner Heimatkirche St. Johannes Evangelist gefeiert. Mit Hallo hat er zu dem Anlass über seine Wurzeln, sein Wirken und die Wichtigkeit der sozialen Medien gesprochen.

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Pater Anselm, wie oft kommen Sie eigentlich noch ins Würmtal?

Als meine Mutter noch lebte, habe ich sie regelmäßig in Lochham besucht. Heute komme ich vorbei, wenn ich zum Urlaub ins Zillertal fahre. Oder natürlich, wenn ich einen Vortrag in der Gegend habe.

Ist das Würmtal für Sie Heimat?

Mein Bruder lebt jetzt in unserem Elternhaus, da fühle ich mich schon daheim. Aber meine Heimat ist heute eher die Abtei Münsterschwarzach. Als ich damals mit zehn ins Internat kam, war Franken aber schon ein Kulturschock, allein die Sprache.

Hat sich Lochham seit ihrer Kindheit sehr verändert?

Unsere Wohngegend in der Leiblstraße ist ähnlich geblieben, von der Lebensqualität her ist der Ort noch der gleiche. Natürlich ist die Pfarrgemeinde heute nicht mehr so groß wie damals.

Aber sie erreichen viele Menschen, in Zeiten, in denen immer mehr aus der Kirche austreten...

Die Kirchen sind leerer, ja. Aber wir können das Christentum nicht nur daran messen. Viele Menschen haben eine spirituelle Sehnsucht, auch wenn sie mit der Kirche nicht zufrieden sind. Wir müssen den Glauben in den Alltag der Menschen integrieren.

Sind Sie darum bei Facebook, Youtube und Instagram so aktiv?

Dort komme ich mit den Menschen direkt in Kontakt. Das ist gerade in der Corona-Zeit, wo ich keine Vorträge halten konnte, wichtig geworden. Ich erreiche so Menschen, die ich sonst nicht erreichen könnte. Dafür braucht es eine Sprache, die sie nicht überfordert, sondern ermutigt und im Herzen berührt. Ich versuche, die Leute nicht zu belehren, sondern sie zur Weisheit ihrer eigenen Seele zu führen.

Sie sind meist Monate im Voraus für Vorträge ausgebucht. Ein bisschen wie ein Star, oder?

Ich bin dankbar dafür, dass die Menschen meine Vorträge gerne hören. Natürlich besteht die Gefahr, in eine Guru-Rolle zu rutschen. Aber ich mache, was ich tue, um Menschen zu berühren. Um in Zeiten, in denen Kirche nicht so präsent ist, eine christliche Stimme zu sein. Nicht, um immer erfolgreicher zu werden.

Arbeiten Sie bereits an einem neuen Buch?

Ja! Im Frühjahr soll ein Buch zur Beherrrschbarkeit rauskommen. Dass wir uns von dem Gedanken verabschieden müssen, alles kontrollieren zu können.

Wie kommen Sie bei all Ihren Terminen überhaupt zum Schreiben?

Am frühen Morgen habe ich Zeit. Und: Ich schreibe halt einfach schnell.

Zur Person von Anselm Grün

Als Willi Grün wurde Pater Anselm Grün 1945 in Junkershausen in der Rhön geboren, wo sich seine Familie im Zweiten Weltkrieg in Sicherheit gebracht hatte. Im August 1946 kehrte sie nach Lochham zurück. Nach dem Abitur schloss Grün sich der Abtei Münsterschwarzach in Unterfranken an, die er von 1976 bis 2013 als Cellerar wirtschaftlich verwaltete.

Danach widmete er sich ganz dem Schreiben – er hat bis heute etwa 20 Millionen Bücher verkauft. Seine Werke wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. 

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