Abbau auf zwölf Hektar Land im Lochhamer Schlag geplant

Zwischen Hadern und Würmtal: neue Kiesgrube beantragt

Eine Karte zeigt, wo im Lochhamer Schlag Kies abgebaut werden soll.
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Auf zwölf Hektar im Lochhamer Schlag (roter Kasten) soll Kies abgebaut werden.

Die Firma Glück hat beantragt, im Lochhamer Schlag Kies abbauen zu dürfen. Warum die Fläche geeignet sei und was Lokalpolitiker aus Gräfelfing und Hadern davon halten...

München/Gräfelfing - Gerüchte hatte es schon im März gegeben, jetzt ist klar: Die Gräfelfinger Kiesfirma Glück will im südlichen Lochhamer Schlag auskiesen. Das hat das Unternehmen jetzt bei der Gemeinde Gräfelfing beantragt.

Kiesabbau im Lochhamer Schlag auf sieben Jahre angelegt

Vorgesehen ist ein Abbau auf einer Fläche von 11,8 Hektar, aus der vier Jahre lang je 250 000 Kubikmeter Kies geholt werden sollen. Auf dem Areal gebe es derzeit Fichtenbestände, viele Sträucher und auf vier Hektar auch Ackerland. „Das kann man nicht als echten Wald bezeichnen“, sagt Glück-Geschäftsführer Markus Wahl.

Auf der betroffenen Fläche im Lochhamer Schlag gibt es Bäume und Sträucher. Zum Teil wird dort auch Buchweizen angebaut.

Mit Wiederverfüllung, Rekultivierung und Schaffung eines neuen Biotops soll das Abbauvorhaben nach sieben Jahren vollständig beendet sein.

Für die Firma ist es die Alternative zum Abbau auf Flächen der Stadt München im Forst Kasten. Dieser war – trotz Vorvertrag mit und einer bereits bestehenden, angrenzenden Grube von Glück – an ein anderes Unternehmen vergeben worden. Zwar laufe zwischen der Gräfelfinger Firma und der Stadt München noch ein Gerichtsverfahren um Schadensersatz. Für Wahl ist aber klar: „In drei, vier Jahren ist das Kapitel Forst Kasten für uns beendet.“

Glück: Kaum Alternativen für Kiesgruben im Raum München

Spätestens dann soll der Abbau im Lochhamer Schlag beginnen.  „Alles andere wäre für uns ein Gau“, so Wahl. Denn sonst könnte Glück nur noch in Landsberg am Lech auskiesen, das sehe man wegen der weiten Transportwege aber als ineffizient und unökologisch an. Die Fläche im Lochhamer Schlag wäre darum für das Unternehmen ideal. „Sie liegt hingegen nur einen Kilometer von unserem Kieswerk entfernt.“

Markus Wahl ist Geschäftsführer der Kiesfirma Glück aus Gräfelfing.

Andere Alternativen gebe es kaum: Im Münchner Umland seien wegen des großen Kiesvorkommens zwar viele Vorrangflächen für den Rohstoffabbau ausgewiesen. „De facto gibt es aber keine verfügbaren Grundstücke, weil Eigentümer keinen Kiesabbau wollen oder dagegen protestiert wird“, so der Glück-Geschäftsführer.

Gutachten: Gräfelfinger Siedlungen nicht von Staub und Lärm beeinträchtigt

Die angedachte Fläche im Schlag sei auch sonst gut geeignet, so Wahl. Erschließungswege gibt es bereits und laut Gutachten sind Gräfelfinger Siedlungsflächen weder von Lärm noch von Staub beeinträchtigt.

Obwohl die Grünfläche als Bannwald gilt, hält die Regierung von Oberbayern (ROB) kein Raumordnungsverfahren für notwendig. Dafür sei die überörtliche Bedeutsamkeit „hinsichtlich Größe, Standort und absehbarer Auswirkungen des Vorhabens“ nicht erheblich genug, so Sprecher Wolfgang Rupp. Die ROB werde aber eine landesplanerische Stellungnahme abgegeben.

Gemeinde Gräfelfing erteilt vorerst kein gemeindliches Einvernehmen

Die Gemeinde Gräfelfing hat eine erste Beurteilung schon abgegeben. Der Bauausschuss stimmte der derzeit angedachten Maßnahme nicht zu, der Gemeinderat soll dies am Dienstag, 29. Juni, bestätigen. Grund: Die zeitliche Begrenzung und der Grundwasserschutz seien im Antrag noch zu vage formuliert.

Werde das später nachgebessert, „gibt es aus rechtlicher Sicht nicht mehr viele Gründe, das Einvernehmen nicht zu erteilen“, so Bürgermeister Peter Köstler (CSU). „Wir müssen uns als Verwaltung da unpolitisch verhalten.“ Letzten Endes entscheide ohnehin das Landratsamt als Genehmigungsbehörde.

CSU-Gemeinderätin Ochmaa Göbel: „Ablehnung der Gemeinde ist unehrlich“

Für die geplante neue Kiesgrube stimmte einzig die CSU-Gemeinderätin Ochmaa Göbel. „Die Gemeinde will nicht zustimmen, obwohl ein Rechtsanspruch besteht. Das ist doch nicht ehrlich“, so die Frau des Münchner Landrats, Christoph Göbel.

Sie argumentiert: „Fakt ist, dass das Kieswerk Glück in Gräfelfing Kies verarbeiten wird, es ist unbefristet genehmigt. Fakt ist auch, dass dieser Kies mit Lkws von weit her angeliefert wird, wenn er nicht vor Ort abgebaut wird. Fakt ist auch, dass wir dringend und täglich Kies benötigen.“

Haderner Lokalpolitiker stellen sich gegen den Kiesabbau

Unterstützung für die mehrheitlich ablehnende Haltung aus Gräfelfing kommt von Lokalpolitikern aus Hadern. Der geplante Abbau würde nur 500 Meter von der städtischen Wohnbebauung entfernt liegen.

Matthias Stadler (CSU), Mitglied im BA 20 und Stadtrat betont, dass Zeitrahmen und Wasserschutz unbedingt beachtet werden müssten. „Es ist kein gutes Zeichen in Zeiten des Klimanotstandes, ein über elf Hektar großes Waldstück auszukiesen“, so Stadler.

Stadtrat und BA-Mitglied Matthias Stadler aus Hadern stellt sich gegen den geplanten Kiesabbau.

Der Lochhamer Schlag sei ein wichtiges und gut genutztes Naherholungsgebiet – auch für die Münchner. Weil die betroffene Fläche aber auf Gräfelfinger Flur liegt, entscheidet das Münchner Rathaus nicht mit.

„Selbstverständlich“ sei auch mit Protesten von Bürgern - ähnlich wie aktuell im Forst Kasten - zu rechnen, glaubt Glück-Geschäftsführer Markus Wahl.

Man wolle die Öffentlichkeit aber transparent informieren – zum Beispiel auf einer eigenen Homepage. Zudem soll voraussichtlich im Herbst eine Info-Veranstaltungen durchgeführt werden.

Zweite Recyclinganlage geplant

Ebenfalls beantragt hat Glück eine neue Anlage zum Recyclen von Baustoffen. Diese soll als mobile Einheit im Kieswerk Planegg an der Fürstenrieder Straße entstehen. Im Münchner Osten betreibt Glück eine solche Anlage bereits seit 25 Jahren. Dort wird aktuell jährlich etwa 50.000 Kubikmeter Baumaterial recycelt.

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