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Das NS-Dokuzentrum veröffentlicht Tagebuch eines Insassen des Lagers in Neuaubing

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Von: Andreas Schwarzbauer

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Paul-Moritz Rabe vom NS-Dokuzentrum präsentiert stolz das „Tagebuch eines Zwangsarbeiters“, das im Verlag C.H. Beck erschienen und im Buchhandel erhältlich ist (160 Seiten, 20 Euro).
Paul-Moritz Rabe vom NS-Dokuzentrum präsentiert stolz das „Tagebuch eines Zwangsarbeiters“, das im Verlag C.H. Beck erschienen und im Buchhandel erhältlich ist (160 Seiten, 20 Euro). © Andreas Schwarzbauer

Als eines von zwei NS-Arbeitslagern ist das in Neuaubing noch erhalten. Das NS-Dokuzentrum hat nun Tagebücher eines Insassen veröffentlicht, um einen Einblick ins Leben dort zu gewähren.

NEUAUBING Einen Einblick in das Leben im NS-Zwangsarbeiterlager Neuaubing erhalten Leser durch das Tagebuch des Niederländers Jan Bazuin. Der damals 19-Jährige wurde Anfang 1945 von Rotterdam in den Münchner Westen verschleppt.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Seine Erlebnisse hielt er in drei Heften fest. Darin beschreibt er sein Leben im Lager und seinen Arbeitsdienst. Die Aufzeichnungen enden mit seiner Flucht im April 1945. „Es ist ein besonderes Zeugnis, das wir erhalten wollten“, sagt Paul-Moritz Rabe, Historiker des NS-Dokuzentrums.

Einblick ins Arbeitslager Neuaubing: NS-Dokuzentrum veröffentlicht Aufzeichnungen

Er beschloss, sie zu veröffentlichen. „Sie sind eine wertvolle Quelle zur Geschichte des Zwangsarbeiterstandorts Neuaubing.“ Zudem sei das Tagebuch eines der wenigen zeitgenössisch verfassten, persönlichen Dokumente, die noch existierten. Der Leser könne so einfach in die Gedanken- und Gefühlswelt des Verfassers eintauchen, meint Rabe. Dennoch weist er auch darauf hin, dass Bazuins Schicksal nicht repräsentativ für das Lagerleben sei.

Der Niederländer sei besser behandelt worden als die osteuropäischen Zwangsarbeiter. Und weil er einen Großteil der Zeit in der Küche arbeitete, sei der Hunger, unter dem viele andere litten, für ihn kein so großes Problem gewesen.

Einblick ins Arbeitslager Neuaubing: Auch Videospiel wurde entwickelt

Das Buch enthält die wörtliche Übersetzung der Einträge sowie Illustrationen der Zeichnerin Barbara Yelin. „Die Zeichnungen sollten die Geschichte anschaulicher machen und einige Leerstellen füllen. Außerdem konnten wir dadurch auch historische Aspekte betonen, die uns wichtig waren“, sagt Rabe. Er hat zudem ein Nachwort und das Glossar verfasst, wo Begriffe erklärt und Passagen des Tagebuchs eingeordnet werden.

Darüber hinaus hat das Dokuzentrum mit Videospielentwickler Paintbucket Games das Online-Spiel „Forced Abroad“ entwickelt, das auf dem Tagebuch beruht und sich im App-Store findet.

Das Lager in Neuaubing

In Neuaubing befindet sich eines von nur zwei noch erhaltenen NS-Zwangsarbeiterlagern in Deutschland. Bis zu 1000 Kriegsgefangene wurden von 1942 bis 1945 vor allem im Ausbesserungswerk der Reichsbahn eingesetzt. 

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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