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Architekturfakultät der Hochschule München wird 200 Jahre – Historischer Spaziergang mit Hallo

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Von: Ursula Löschau

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Leo von Klenze, Hofarchitekt von König Ludwig I. von Bayern, errichtete die 1836 eröffnete Alte Pinakothek an der Barer Straße im klassizistischen Rundbogenstil seiner Zeit.
Leo von Klenze, Hofarchitekt von König Ludwig I. von Bayern, errichtete die 1836 eröffnete Alte Pinakothek an der Barer Straße im klassizistischen Rundbogenstil seiner Zeit. © Ursula Löschau

200 Jahre Architektur an der Hochschule München! Um dieses Jubiläum zu feiern, zeigt Hallo einige der architektonisch schönsten Bauten in der Stadt und ihre Geschichte.

MÜNCHEN Die Architekturfakultät der Hochschule München mit derzeit 590 Studierenden und 20 Professoren feiert das ganze laufende Semester über das 200-jährige Bestehen dieser Bildungsstätte. Von Mittwoch, 10., bis Sonntag, 21. November, lädt der Jubilar zum Besuch der Ausstellung „200 Jahre Baugewerkschule“ in die Fakultät an der Karlstraße 6.

Lehrende und Absolventen dieser Schule haben das Stadtbild Münchens in den vergangenen 200 Jahren mitgeprägt – vom Klassizismus zu Zeiten von Leo von Klenze und Friedrich Wilhelm Gärtner über die Nachkriegs-Architektur von Sep Ruf und anderen bis zu zeitgenössischen Bauten.

„Die verschiedenen Zeitschichten liegen in einigen Vierteln sehr dicht beieinander, besonders im Kunstareal“, sagt Karl Kegler, Professor für Geschichte und Theorie der Stadt sowie der Architektur an der Hochschule München. In Hallo stellt er einige Beispiele vor und lädt zur Zeitreise durch die Architektur der Stadt ein.

Karl Kegler ist Professor für Geschichte und Theorie der Stadt sowie der Architektur an der Hochschule München.
Karl Kegler ist Professor für Geschichte und Theorie der Stadt sowie der Architektur an der Hochschule München. © Ursula Löschau

LMU: Inbegriff des Wandels

Das Gebäude der Ludwig-Maximilians-Universität steht für mehrere Baustile: Die Fassade im Rundbogenstil am Geschwister-Scholl-Platz (1835) entwarf Friedrich von Gärtner, die Rückseite an der Amalienstraße gehört zum Anbau (1909) von German Bestelmeyer, einem „Reformarchitekten“, erklärt Karl Kegler. In den 60er-Jahren kamen weitere bauliche Ergänzungen hinzu.

Die Rückseite des LMU-Hauptgebäudes in der Amalienstraße ist von German Bestelmeyer entworfen.
Die Rückseite des LMU-Hauptgebäudes in der Amalienstraße ist von German Bestelmeyer entworfen. © Ursula Löschau

Zeitsprung: Akademie der Bildenden Künste alt und neu

Einen für Karl Kegler besonders spannenden Kontrast liefern die Gebäude der Akademie der Bildenden Künste an der Akademiestraße 2 und 4: Der Altbau, fertiggestellt 1885, gilt als Beispiel des Historismus. Architekt Gottfried von Neureuther verwendete „mehr Ornamente, Bildhauerarbeiten und Prunk als Gärtner in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beispielsweise bei den Gebäuden an der Ludwigstraße“.

 Der Altbau der Akademie der Bildenden Künste, fertiggestellt 1885, gilt als Beispiel des Historismus.
Der Altbau der Akademie der Bildenden Künste, fertiggestellt 1885, gilt als Beispiel des Historismus. © Ursula Löschau

Daneben ein Zeitsprung ins 21. Jahrhundert: Der 2005 eröffnete Neubau der Akademie wurde von der Architektengruppe Coop Himmelb(l)au (auch BMW-Welt, 2007) im Stil des „Dekonstruktivismus“ gestaltet.

 Der 2005 eröffnete Neubau der Akademie wurde von der Architektengruppe Coop Himmelb(l)au im Stil des „Dekonstruktivismus“ gestaltet.
Der 2005 eröffnete Neubau der Akademie wurde von der Architektengruppe Coop Himmelb(l)au im Stil des „Dekonstruktivismus“ gestaltet. © Ursula Löschau

Fertigteile und Moderne

Ungleiche Nachbarn stehen auch an der Theresienstraße 35a (Museum Brandhorst, 2006, li.) und 41 (LMU-Bau mit Museum Reich der Kristalle, frühe 70er, re.). Letzteres ist laut Kegler Zeuge der Zeit, „in der Bildung für alle ein Thema ist und der Wohnungsbau boomt“. Damals beginnt das „industrialisierte Bauen mit Fertigteilen“. Der Brandhorst-Bau der Architekten Sauerbruch Hutton repräsentiert für Kegler „die zweite Moderne, eine Moderne, die über sich nachdenkt“.

Ungleiche Nachbarn stehen auch an der Theresienstraße 35a (Museum Brandhorst, 2006, li.) und 41 (LMU-Bau mit Museum Reich der Kristalle, frühe 70er, re.
Ungleiche Nachbarn stehen auch an der Theresienstraße 35a (Museum Brandhorst, 2006, li.) und 41 (LMU-Bau mit Museum Reich der Kristalle, frühe 70er, re. © Ursula Löschau

Wiederaufbau: „Graue Architektur“ mit bunten Facetten

Als „graue Architektur“ bezeichnen Fachleute den Baustil der Nachkriegszeit und des Wiederaufbaus. Kegler: „Das ist keine schlechte Architektur, sondern solide, gut gemachte Alltagsarchitektur – und ein Ausdruck von Bescheidenheit.“ Typisch dafür sind die bereinigten Fassaden, „ohne den Stuck des Historismus“. Ein Beispiel ist eine Kombination aus Altbau (1874) und Neuaufbau (1952) an der Türkenstraße 68 – „die Idealform des bereinigten historistischen Baus“.

Eine Kombination aus Altbau (1874) und Neuaufbau (1952) an der Türkenstraße 68.
Eine Kombination aus Altbau (1874) und Neuaufbau (1952) an der Türkenstraße 68. © Ursula Löschau

Typisch für München sei aber auch, dass es trotzdem die ein oder andere Verzierung gebe. Für Kegler ragt hier das Sep-Ruf-Haus von 1951 an der Ecke Türken-/Theresienstraße heraus – „damals der Traum vom anders Wohnen“.

Das Sep-Ruf-Haus von 1951 an der Ecke Türken-/Theresienstraße.
Das Sep-Ruf-Haus von 1951 an der Ecke Türken-/Theresienstraße. © Ursula Löschau

Besuch der Ausstellung (3G-Regel) nach Anmeldung per E-Mail unter sekretariat-fk01@hm.edu.

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