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Eine Ausstellung widmet sich Fragen zum öffentlichen Raum

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Von: Sebastian Obermeir

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Bahnhofsvorplatz, Marienplatz, St.-Jakobs-Platz: Der öffentliche Raum birgt Herausforderungen und stiftet Identität.
Bahnhofsvorplatz, Marienplatz, St.-Jakobs-Platz: Der öffentliche Raum birgt Herausforderungen und stiftet Identität. © Schlaf

Der öffentliche Raum in München formt das Stadtbild, legt aber auch Probleme offen. Eine Ausstellung soll Bürger einladen, Meinungen und Anregungen dazu der Stadt zu übermitteln.

München - Das Gesicht der Stadt: In seiner Jahresausstellung nimmt das Planungsreferat Plätze und Straßen in den Fokus. „In einer dichter und größer werdenden Stadt geht es hier um die Frage: Wie kann der öffentliche Raum zur Lebensqualität beitragen?“, erklärt Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Das betreffe aber nicht nur das Stadtzentrum und den Marienplatz. „Alle Stadtviertel besitzen und brauchen Räume mit hoher Wohlfühlqualität.“

Was zeichnet gut gestalteten öffentlichen Raum also aus? Dass Plätze schön sind und sich auf Fotos gut machen? Für Merk gibt es bei der Gestaltung von Verkehrsflächen, Plätzen, Parks und dem Ganzen dazwischen vor allem ein Ziel: dass man sich dort wohlfühlen könne. Sie präzisiert mit Gestaltungsgrundsätzen von Waldi-Designer Otl Aicher: Er habe den Begriff der „Ästhetik des Gebrauchs“ geprägt.

Ausstellung zum öffentlichen Raum: Herausforderungen offenlegen

„Alles, was im Alltag gut gestaltet ist, benutzen wir gern. Ich nehme öfter das Fahrrad, wenn es gelungene Radwege gibt. Ich gehe öfter zu Fuß, wenn es sichere und angenehme Wege gibt, die ohne Umwege ans Ziel führen. Sind Carsharing-Stationen gut wahrnehmbar, werden sie besser angenommen, dann wiederum gewinnt man Platz, den man für Grünflächen und blaue Infrastruktur verwenden kann.“

Damit sind wiederum die tiefer liegenden Herausforderungen, die im öffentlichen Raum sichtbar werden, angesprochen: Klimawandel, Wohnungsknappheit, Mobilitätswende.

„Der anspruchsvollste öffentliche Raum, den wir in den nächsten zehn Jahren diskutieren und gestalten müssen, ist für mich der Bahnhofsvorplatz“, sagt Merk. Dort gebe es besondere Anforderungen: Wie viele Trambahnen können einen Fußgängerbereich queren, wie schafft man Platz für Busse. „Gleichzeitig ist der Bahnhofsvorplatz das Entrée in die Altstadt und muss eine ganz andere Qualität an der Oberfläche kriegen.“

Ausstellung zum öffentlichen Raum: Bürgermeinungen willkommen

Fragen und Kritik der Bürger stellt sich die Stadtbaurätin im Rahmenprogramm der Ausstellung in Dialogveranstaltungen. „Ich erwarte mir eine große Bereitschaft zu diskutieren, wie man den Bestand verbessern kann. Gerade in Sanierungsgebieten stellen wir fest: Die Menschen wünschen sich nichts Spektakuläres. Sitzgelegenheiten, einen Brunnen mit Trinkwasser, Bäume, Freiflächen, neue Bodenbeläge.“

Es könnte also ganz einfach sein – würden nicht so viele Interessen aufeinandertreffen: Wenn für grüne Parklets Parkplätze weichen müssen – freut das vielleicht Bürger ohne Balkon, ärgert aber den Pendler mit Auto. Wenn sich ein Platz zum Hot­spot entwickelt, wo auch lautere Veranstaltungen stattfinden, fühlen sich Anwohner gestört, die Feiernden freut es hingegen. „Ich denke, wir müssen Prioritäten setzen“, erklärt Merk. „Die Konflikte sind größer, als dass man es allen recht machen könnte.“ Differenzierte Orte sind ihre Lösung: solche, „wo es laut hergehen darf, aber auch welche, wo man Ruhe finden kann.“

Ausstellung zum öffentlichen Raum: Aktion gegen „defensive Architektur“

Das Wohlfühlen im öffentlichen Raum müsse also allen möglich sein. So nimmt sie auch die Schattenseiten der Stadt in den Blick: „Es ist wichtig und richtig, dass wir darüber nachdenken, welchen Raum wir etwa wohnungslosen Menschen geben“, sagt Merk – und stellt sich damit gegen sogenannte „defensive Architektur“.

Aktivisten haben die Armlehnen auf 23 Bänken in der S-Bahn-Station „Marienplatz“ entfernt, um auf die Verdrängung von obdachlosen Menschen aufmerksam zu machen. „Die Armlehnen verhinderten bisher, dass Menschen auf den Bänken übernachten können“, erklären die Aktivisten in einem Statement. „Statt darauf zu warten, dass Parteien unsere Probleme lösen, nehmen wir die Dinge selbst in die Hand.“ Gegen solche „defensive Architektur“ stellt sich auch die Stadtratsfraktion von Die Linke/Die Partei. Sie fordert jetzt in einem Stadtratsantrag ein Verbot und die Entfernung menschenfeindlicher Architektur.

Öffentlichen Raum erleben

Die heurige Jahresausstellung des Planungsreferats „In aller Öffentlichkeit. Stadtgestalt und öffentlicher Raum in München“ beschäftigt sich mit den Potenzialen und Herausforderungen in der Innenstadt und den Stadtquartieren. Zu sehen ist sie in der Rathaus­galerie, Marienplatz 8, von Freitag, 27. Januar, bis Sonntag, 26. März, täglich von 13 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen: www.muenchen.de/publicspace

Ihre Ideen sind gefragt

Wie stellen sich Bürger und bürgerschaftliche Organisationen eine lebenswerte Stadt und zukunftsfähige Mobilität vor?
Bis Donnertag, 9. Februar können sie Projektideen für die Neugestaltung des öffentlichen Raums einreichen. Diese sollen zum „2. Münchner Mobilitätskongress“ umgesetzt werden. Weitere Infos und das Antragsformular finden sich im Internet unter www.muenchenunterwegs.de.

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