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Anlaufstelle an Gleis 11 ‒ Münchner Bahnhofsmission feiert 125-jähriges Bestehen

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Von: Daniela Borsutzky

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Die tägliche Schlange vor ihrer Tür zeigt: die Bahnhofsmission ist gefragt. Geleitet wird sie in ökumenischer Zusammenarbeit von Barbara Thoma (li.) und Bettina Spahn.
Die tägliche Schlange vor ihrer Tür zeigt: die Bahnhofsmission ist gefragt. Geleitet wird sie in ökumenischer Zusammenarbeit von Barbara Thoma (li.) und Bettina Spahn. © Daniela Borsutzky

Schon seit 125 Jahren bietet die Münchner Bahnhofsmission 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr Hilfe in Notlagen – was die Leiterinnen derzeit bewegt...

München - Obdachlose können sich bei Kaffee und Schmalzbrot aufwärmen, Blinde werden zum richtigen Gleis geführt, Mütter mit Kindern erhalten Schutz vor gewalttätigen Partnern und werden an entsprechende Stellen weitervermittelt. Die Münchner Bahnhofsmission, ansässig neben Gleis 11 am Hauptbahnhof, hilft seit 125 Jahren sowohl Menschen ohne festem Wohnsitz als auch Reisenden.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

1897 gegründet: Münchner Bahnhofsmission feiert 125-jähriges Bestehen

Sie hat 365 Tage rund um die Uhr geöffnet und „bringt Menschen wieder auf den Weg“, sagt Bettina Spahn. Die 57-jährige Laimerin ist dort seit 1995 tätig, seit 2016 leitet sie die katholische Bahnhofsmission. Die evangelische Leitung hat seit fünf Jahren die Schwabingerin Barbara Thoma (55) inne. Die Doppelspitze ist historisch begründet, sowohl evangelische als auch katholische Christinnen kooperierten von Anfang an. Gegründet wurde die Einrichtung im Jahr 1897 als Schutzraum für junge Frauen – heute ist sie ein soziales Kompetenzzentrum für jeden, der akute Hilfe benötigt.

Das Team aus rund 20 Festangestellten wird unterstützt von etwa 140 Ehrenamtlichen. Von 18 bis 80 Jahren sei alles vertreten und man freue sich immer über Anfragen zur Mitarbeit. „In meiner Zeit hier habe ich zwei große Krisen erlebt – und alle standen sofort auf der Matte“, sagt Thoma ein bisschen stolz. „Als während Corona alles runtergefahren wurde, hatten die Menschen Angst, dass auch wir zumachen. Doch wir haben weiter Essen ausgegeben“, erinnert sie sich.

Seit Februar nimmt die Bahnhofsmission Geflüchtete des Ukraine-Krieges in Empfang, in einem leeren Restaurant nebenan stehen Feldbetten bereit. „Wir machen das immer zusätzlich zum regulären Angebot“, betont Spahn. Getreu dem Motto „Mittendrin und immer da“, unter welchem das 125-jährige Jubiläum gefeiert wird (s. Kasten).

Soziale Hilfe an Gleis 11: Bahnhofsmission München

Die Momente, die Bettina Spahn bei ihrer Arbeit am meisten berühren, sind die „an den Sollbruchstellen, am Anfang und Ende des Lebens“. Das könne die Frau sein, für die drei Tage nach der Geburt die Entlassungsadresse Bahnhofsmission lautet – oder der Senior, der auch mit 80 Jahren noch auf der Straße lebt.

„Das geht nahe – treibt aber auch an“, sagt Spahn. Diese Situationen auszuhalten, die Menschen zu stabilisieren, aber auch wieder loszulassen sei herausfordernd. „Wir wollen die Menschen nicht halten, sondern Möglichkeiten aufzeigen.“ Dieses niederschwellige Angebot, die offene Türe für jedermann, wird bereitwillig angenommen, wie die Schlange neben Gleis 11 beweist.

Künftig wird die Einrichtung umziehen müssen, der Hauptbahnhof wird nach und nach umgebaut. Wann genau das sein wird oder wie die neuen Räume aussehen werden, steht noch nicht fest. Doch: „Uns wird es immer im Bahnhof geben.“

Jubiläumsfeier

Die Bahnhofsmission München feiert am Freitag, 29. April, ihr 125-jähriges Bestehen mit einer Dankesfeier. Beginn ist um 10 Uhr in der Basilika Sankt Bonifaz, Karlstraße 24.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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