Münchner entkommt Telefon-Falle

Münchner Rentner schlägt Trickbetrügern ein Schnippchen – Fälle haben sich fast verdoppelt! 

Wenn bei einem Anruf der Polizei etwas verdächtig wirkt, sollte man sofort auflegen.
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Wenn bei einem Anruf der Polizei etwas verdächtig wirkt, sollte man sofort auflegen.

Betrugsanrufe sind 2020 um 90 Prozent gestiegen. Ein Münchner Senior wäre beinahe auch auf die Masche hereingefallen. Wie die Täter vorgehen, welche Erfolge die Münchner Polizei bereits erzielte.

Beinahe wäre der 81-jährige Johann Meier (Name von der Redaktion geändert) von falschen Polizisten um 5000 Euro betrogen worden. „Ich kannte die Masche zwar und bin sehr sicherheitsbewusst. Aber trotzdem ist es mir passiert.“

Die Betrüger hätten ihm überhaupt keine Zeit zum Nachdenken gelassen, sondern den Senior mit Unglücksnachrichten geschockt und an seine Hilfsbereitschaft appelliert. „Sie hatten eine ganz geschickte Gesprächsführung und haben auf jedes Wort von mir sofort reagiert.“

Das bestätigt auch der Sprecher des Polizeipräsidiums München, Ronny Ledwoch: „Die Täter sind geschult und hoch manipulativ. Sie arbeiten mit allen Tricks und schüren so eine Angst, dass die Opfer nicht mehr in der Lage sind, rationale Entscheidungen zu treffen.“

Die Zahl dieser Betrugsanrufe ist in München und dem Landkreis 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 90 Prozent auf 6113 gestiegen. Zwar war nur weniger als ein Prozent erfolgreich, dennoch entstand dadurch ein Gesamtschaden von 4,26 Millionen Euro. „Es ist ein florierendes Geschäft, das für die Betrüger wenig Aufwand bedeutet“, so Ledwoch.

Welchen Trick die Betrüger nutzten:

Auch Meier war kurz davor, auf die Masche hereinzufallen. Als sein Telefon klingelte, zeigte das Display die 110 an und der Anrufer gab sich als Beamter des Raubdezernats aus. „Da legen Sie nicht einfach auf“, sagt Meier. „Die älteren Herrschaften sind es gewohnt zu kooperieren und haben Respekt vor der Polizei“, ergänzt Ledwoch.

In seiner Nachbarschaft sei eine ältere Frau überfallen worden, so der Betrüger. Die Polizei habe zwei Täter gefasst und bei ihnen einen Zettel mit Meiers Namen gefunden. Durch geschickte Fragen fand der Anrufer heraus, wo der 81-Jährige sein Giro-Konto hat. Bei der entsprechenden Bank-Filiale arbeite ein Betrüger, dem die Polizei schon länger auf der Spur sei, so der Anrufer.

Meier könnte helfen, ihn zu überführen, indem er dort 5000 Euro abhebe. „Sie haben an meine Hilfsbereitschaft appelliert. Ich wollte, dass er gefasst wird und nicht noch andere betrogen werden.“

Also radelte er zur Bank und hob das Geld ab. Während der Fahrt zur Bank hatte Meier Zeit, nachzudenken. „Dann ist bei mir der Groschen gefallen.“ Als er wieder zu Hause ankam, rief er die nächste Polizeiinspektion an. Diese bestätigte ihm sofort, dass es eine Betrugsmasche ist und schickten zwei Beamte vorbei, die mit Meier das Geld wieder zur Bank brachten.

1,2 Millionen Euro beschlagnahmt

Die Münchner Polizei kennt das Vorgehen und auch die Strukturen der Betrugsnetzwerke inzwischen gut. Seit 2017 arbeitet die 20-köpfige Arbeitsgruppe „Phänomene“ nur an solchen Fällen. Sie konnte vor allem heuer einige Erfolge feiern und bereits 34 Personen festnehmen.

Allerdings handelt es sich dabei „nur“ um sogenannte Abholer. Diese kommen bei den Senioren vorbei, um als „Zivilbeamte“ Geld und Wertgegenstände entgegenzunehmen. Die Beute landete über mehrere Stationen bei den Hintermännern in der Türkei. Sollten die Abholer erwischt werden, droht ihnen eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr, denn sie gelten als Teil einer Bande.

Doch auch gegen die Köpfe des Betrugsnetzwerkes geht die Polizei vor. Die Zusammenarbeit mit der Türkei funktioniere inzwischen gut. So gelang es 2020 gemeinsam mit den türkischen Behörden, ein großes Callcenter in Izmir zu identifizieren, auszuheben, rund 60 Beschuldigte festzunehmen und mehr als 1,2 Millionen Euro in bar und Gold zu beschlagnahmen.

Durch Aufklärungskampagnen werde die Masche immer bekannter. Aber: „Jede Tat, die vollendet wird, tut wahnsinnig weh“, so Ledwoch. Dabei geht es nicht nur um den materiellen Schaden. „Viele Opfer sind traumatisiert und schämen sich, dass sie darauf hereingefallen sind. Manche haben suizidale Tendenzen, weil sie das Erbe verloren haben.“

Auflegen, 110 rufen

Die Polizei ruft niemals mit der 110 an und holt kein Geld oder andere Wertgegenstände ab. Sollte ein Anruf verdächtig wirken, empfiehlt Polizeisprecher Ledwoch, das Telefonat sofort zu beenden. Anschließend sollen die Opfer die 110 anrufen. „Thematisieren Sie die Betrugsmasche mit Ihren Eltern oder Großeltern“, rät er zudem. 

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