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Das „Biotopia Lab“ ‒ Raum zum Forschen, Experimentieren & Reden für ukrainische Kinder in München

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Valentyna Inshyna ist eine der zwei Biologinnen, die im „Biotopia Lab“ mit Flüchtlingskindern experimentiert. Sie zeigt ihnen etwa in Bernstein eingeschlossene Insekten unterm Mikroskop.
Valentyna Inshyna ist eine der zwei Biologinnen, die im „Biotopia Lab“ mit Flüchtlingskindern experimentiert. Sie zeigt ihnen etwa in Bernstein eingeschlossene Insekten unterm Mikroskop. © Rehwagen

Zwei Ukrainerinnen bieten im „Biotopia Lab“ kostenlose Naturwissenschafts-Workshops für geflüchtete Kinder verschiedener Altersgruppen an.

München - Als Russland die Ukraine überfallen hat, konnte Valentyna Inshyna nicht mehr klar denken. „Ich war depressiv, konnte nicht an meiner Doktorarbeit weiterschreiben“, sagt die 35-Jährige, die aus Charkiw stammt, wo ihre Mutter noch immer ums Überleben kämpft. Die Mitarbeiterin der Zoologischen Staatssammlung München will mehr tun, als Spenden in ihre Heimat zu schicken.

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„Biotopia Lab“: Kostenlose Naturwissenschafts-Workshops für ukrainische Kinder

Mithilfe des im Aufbau befindlichen Naturkundemuseums Biotopia und des Kulturzentrums „Gorod“ macht Inshyna das jetzt: Sie veranstaltet kostenlose Biologie-Workshops für aus der Ukraine geflüchtete Kinder. Finanziell unterstützt wird das Programm von den Bezirksausschüssen Neuhausen-Nymphenburg und Pasing-Obermenzing sowie der Kirchenstiftung von Herz Jesu München.

„Das Interesse ist sehr groß“, sagt Inshyna, die sich die Kurse mit einer ukrainischen Lehrerin teilt, die selbst geflohen ist. Circa 350 Kinder haben seit Mai im „Biotopia Lab“ am Botanischen Garten experimentiert, gebastelt und gelernt. „Die Teilnehmer kommen vorwiegend aus München, aber auch aus Ingolstadt, Neuburg an der Donau oder Wolfratshausen.“

Valentyna Inshyna bietet im „Biotopia Lab“ kostenlose Biologie-Workshops für ukrainische Kinder an.
Valentyna Inshyna bietet im „Biotopia Lab“ kostenlose Biologie-Workshops für ukrainische Kinder an. © Rehwagen

Einzigartiges Angebot für geflüchtete Kinder: Ukrainerinnen bieten Workshops an

Im Schnitt finden zwei Kurse pro Woche statt, inzwischen gibt es fünf Angebote für unterschiedliche Altersgruppen. Mit Jugendlichen sprechen die Biologinnen im Schaulabor über den „Code des Lebens“ und isolieren die DNA einer Banane. Mit den Jüngeren untersuchen sie Bernsteine und Pflanzenteile unterm Mikroskop oder diskutieren die Frage, ob Vögel nicht so etwas wie kleine Dinosaurier sind.

„Für die Kinder ist es eine einzigartige Lernmöglichkeit. In den Willkommensklassen lernen sie ja oft nur Deutsch“, sagt Inshyna. Doch es geht noch um mehr: „Bei uns können die Kinder miteinander über das sprechen, was sie in der Ukraine erlebt haben. Das hat auch eine therapeutische Funktion“, erklärt die Doktorandin. Biotopia-Sprecherin Ulrike Rehwagen will das Experimentierlabor für die Geflüchteten zum Wohlfühlort machen, an dem sie „aus den traumatischen Umständen herauskommen“. Das gilt auch für Kursleiterin Inshyna selbst. „Mit der Arbeit in den Workshops fühle ich mich wieder viel besser.“

Informationen zu den Kursen – auch auf Ukrainisch – gibt es unter www.biotopia.net.de/biotopia-lab. Dort oder unter biotopia.ukrainian@gmail.com kann man sich auch anmelden.

So hilft die Stadt München

Der Stadtrat München hat ein Unterstützungspaket für geflüchtete Heranwachsende aus der Ukraine geschnürt. 2022 sind dafür maximal 3,3 Millionen Euro eingeplant, 2023 sogar bis zu 6,4 Millionen. Ein Schwerpunkt liegt beim Ausbau von Beratungsstellen. Eine „Bildungsclearingstelle“ soll die schulische Laufbahn der Unter-16-Jährigen erfassen, um die passende Schulart für sie zu finden.

Ukrainische Grundschulkinder sollen im nächsten Schuljahr in Regelklassen integriert, ältere Schüler in jahrgangsübergreifenden Brückenklassen unterrichtet werden. An den städtischen Schulen würden dafür 41 Lehrer und Sozialpädagogen gebraucht. An den wei­terführenden Schulen der Stadt sind derzeit 1237 ukrainische Schüler gemeldet. Geplant sind zudem Spiel- und Sportaktionen.

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