Interview

Michael Herbig über den neuen Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ und seinen Kollegen Joseph Vilsmaier

Verleihung Friedenspreis des Deutschen Films
+
Michael Herbig erzählt im Hallo-Interview von seinem neuen Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe.“

Michael „Bully“ Herbig spricht im Interview über „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ und seine Erinnerungen an den kurz nach den Dreharbeiten verstorbenen Regisseur Joseph Vilsmaier.

Herr Herbig, zum zweiten Mal spielen Sie jetzt den Boandlkramer. Wie sieht Ihr persönlicher Himmel aus?
Um das zu beantworten, müsste man auch an den Himmel glauben. Ich glaube an die Liebe, an eine positive Kraft und ich versuche, ein guter Mensch sein. Aber ich habe so meine Probleme mit vorgefertigten Religionen. Schon als Kind. Als im Religionsunterricht von einer sprechenden Schlange die Rede war und einer Frau, die aus der Rippe eines Mannes geschaffen wurde, dachte ich mir: Leute, ernsthaft? Es fällt mir deshalb schwer, einen Himmel zu beschreiben, an den ich in dieser Form nicht glaube.
Die Dreharbeiten wurden kurz vor dem Tod von Joseph Vilsmaier abgeschlossen. Wie war die Stimmung am Set?
Ich würde es als großartige Leichtigkeit bezeichnen. Joseph hatte niemanden von seiner Krankheit erzählt. Er hat nie gejammert, er hat es niemanden spüren lassen, er war glücklich am Set, er hat das durchgerockt. Wenn wir gewusst hätten, wie es ihm wirklich geht, seine Zeit womöglich gar nicht mehr so lange ist, dann hätte das eine enorme Schwere über den Dreh gelegt.
Sein Wunsch war es, so lange Filme zu machen wie möglich.
Für Joseph war es glaube ich ein großer Trost, es hat ihm Kraft gegeben. Er hat ja auch immer gesagt: Wenn ich nicht mehr drehen kann, dann will ich nicht mehr. Am Set hat er sich wohlgefühlt. Ich habe ihn in Erinnerung, wie er da an diesem Bergsee mitten in den Dolomiten voller Energie rumgesprungen ist. Diese Dreharbeiten werde ich nicht vergessen und der Film hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.
Oft wird der Tod gruselig dargestellt. Sie spielen einen liebenswerten Boandlkramer.
Seit der Geschichte vom Brandner Kaspar hat sich der Boandlkramer zu einer meiner Lieblingsfiguren entwickelt. Ich mochte es, dass ich ihn so interpretieren darf. Niemand kann sagen: Das stimmt so nicht, so ist der nicht. Das muss man mir erst einmal beweisen! Als mir der Titel „Boandlkramer und die ewige Liebe“ unter der Dusche einfiel, dachte ich: Das ist die Chance, den noch einmal spielen zu dürfen.

„Der Boandlkramer und die ewige Liebe“

Dreharbeiten zu „Boandlkramer und die ewige Liebe“
Dreharbeiten zu „Boandlkramer und die ewige Liebe“ © leonine
Dreharbeiten zu „Boandlkramer und die ewige Liebe“
Dreharbeiten zu „Boandlkramer und die ewige Liebe“ © leonine
Dreharbeiten zu „Boandlkramer und die ewige Liebe“
Dreharbeiten zu „Boandlkramer und die ewige Liebe“ © leonine
Dreharbeiten zu „Boandlkramer und die ewige Liebe“
Dreharbeiten zu „Boandlkramer und die ewige Liebe“ © leonine
Dreharbeiten zu „Boandlkramer und die ewige Liebe“
Dreharbeiten zu „Boandlkramer und die ewige Liebe“ © leonine
Dreharbeiten zu „Boandlkramer und die ewige Liebe“
Dreharbeiten zu „Boandlkramer und die ewige Liebe“ © leonine
Wie lange sitzt man in der Maske, bis man aussieht wie der Tod?
Viel zu lange. Zwischen eineinhalb und zwei Stunden – kommt darauf an, ob mit oder ohne Ohren. Ich hatte fast aus den Augen verloren, dass ich fast in jeder Szene bin und wie viele Drehtage ich habe. Das hatte ich unterschätzt. Als ich am ersten Drehtag in die Maske kam, sah ich 32 künstliche Nasen auf einer Palette. Die kann man nur einmal benutzen. Sie sind einzeln aus Silikon modelliert und wenn man sie abends abnimmt, willst du die auch nicht mehr benutzen. Es ging mir wie beim Adventskalender. Noch zehn Nasen. Noch fünf Nasen. Noch drei...
Im Vergleich zum Brandner Kaspar wirkt der neue Film mit seinen Slapstick-Elementen und Gesangseinlagen weniger ernst. Wie kam es zu der Entwicklung?
Beim Brandner Kaspar ist man dem Original ein Stück weit verpflichtet. Ich würde den Boandlkramer auch gar nicht als zweiten Teil bezeichnen, sondern als weitere Geschichte aus diesem Kosmos.
Und aus einer anderen Zeit.
Unsere Geschichte spielt im Nachkriegsdeutschland der 50er-Jahre. Wenn man Heimatfilme von damals anschaut, dann kommen die auch manchmal ein bisschen albern daher. Weil man die Leute ablenken wollte. Man wollte keine Probleme im Film haben. Wir wollten diesem Zeitgeist gerecht werden und haben uns deshalb getraut, durchaus jede Form des Humors zu zitieren.
Ablenkung von Problemen können die Menschen in der Krise bestimmt auch gebrauchen. Spüren Sie den Erfolgsdruck deshalb umso stärker?
Die erste Frage nach Erfolgsdruck wurde mir bereits vor 20 Jahren gestellt, nachdem ich meinen ersten Kinofilm „Erkan & Stefan“ inszeniert hatte. Mit den Jahren habe ich aber gelernt, mir darüber keine Gedanken mehr zu machen.

Premiere im Heimkino

Schon im Dezember 2020 hätte „Der ­Boandlkramer und die ewige Liebe“ im Kino laufen sollen. Corona-bedingt musste der Start mehrfach verschoben werden. Und jetzt feiert der Film im Internet seine Premiere: Ab sofort ist der Spielfilm exklusiv für Prime-Mitglieder bei Amazon Prime Video zu sehen. Dennoch: Fred Kogel, Chef der verantwortlichen Leonine Studios, versichert: „Unabhängig davon sind wir der festen Überzeugung, dass das Kino langfristig als Ort des gemeinsamen Filmerlebnisses und für die Distribution großer und kommerziell starker Filme die Nr. 1 bleiben wird.“ Und Bully Herbig pflichtet bei: „Sobald es wieder möglich ist, wird man den Film auch auf der großen Leinwand sehen können. Dafür wurde er gemacht und das sind wir dem Regisseur Joseph Vilsmaier auch schuldig!“ Wann es tatsächlich soweit ist, steht derzeit nicht fest. Aber anlässlich des zweiten Todestages von Joseph Vilsmaier 2022 seien ein Event-Kinowochenende und Sondervorstellungen geplant.

Auch interessant

Kommentare