Nur negativ zur Arbeit?

Die Bundesregierung will Corona-Testpflicht in Firmen – so läuft es bei den Münchner Konzernen

Coronavirus - Schnelltest
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Nur mit Corona-Test zur Arbeit? In einigen Münchner Unternehmen ist das schon Realität.

Kommt bald eine Corona-Testpflicht für Unternehmen? In München testen Großkonzerne wie Siemens oder BMW bereits – oder wollen nach Ostern loslegen. Wie ihre Strategien aussehen.

München - Noch sollen Unternehmen ihren Mitarbeitern freiwillig Corona-Tests anbieten. Ermöglicht die überwiegende Mehrheit der Arbeitgeber ihren Angestellten das nicht freiwillig, könnte im April eine Pflicht kommen.

Das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel jüngst angedeutet. Schon deutlich länger fordert die vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di die freiwillige Schnelltest-Pflicht für Unternehmen.

„Das ist Sicherheit auf Gegenseitigkeit, leicht zu realisieren und besser, als Mitarbeiter zu gefährden oder Betriebe wegen Corona ganz schließen zu müssen“, sagt Hans Sterr, Sprecher von Ver.di Bayern.

Deren Standort am Leuchtenbergring geht mit gutem Beispiel voran: „Wir haben einen Hersteller von Schnelltests verpflichtet, bis Ende April ausreichend Laientests bestellt.“ Doch wie ist das bei den Münchner Konzernen? Hallo hat sich umgehört.

BMW: „Tests nach Ostern“

Die aktuelle Lage bei BMW fasst Sprecherin Angela Konert zusammen: „Am 29. März sind die Paletten mit Corona-Selbsttests im BMW Group Dynamikzentrum in Dingolfing eingetroffen.“ Nach Ostern werden von da aus mehr als eine halbe Million Selbsttests an die Mitarbeiter in Deutschland verteilt – auch an die über 30 000 am Standort München.

Sie sollen sowohl den Beschäftigten im Produktionsumfeld, in den Niederlassungen als auch in den Zentralbereichen zur Verfügung stehen. Konert: „Kollegen, die vorrangig von Mobilarbeit Gebrauch machen, bekommen solche Selbsttests ebenso wie die Beschäftigten, deren Arbeitsaufgabe ihre Anwesenheit erfordert.“

Bei Siemens arbeiten auf Grund der Pandemie schon über zwei Drittel, deutschlandweit rund 61 000 Mitarbeiter, im Homeoffice. Die Münchner Sprecherin Konstanze Somborn erklärt die Unternehmens-Teststrategie:

„Sofern uns ausreichend Antigen-Selbsttests zur Verfügung stehen, werden wir unseren Mitarbeitern, die am Standort tätig sind und nicht im Homeoffice arbeiten können, ein bis zwei Selbsttests pro Woche anbieten – es sei denn, dies ist durch Bundeslandverordnungen anders geregelt.

Ein Krisenstab entscheidet

Fabian von Feilitzsch leitet bei der Hoffmann SE, die am Standort München aktuell 860 Mitarbeiter beschäftigt, sogar einen eigenen Corona-Krisenstab. Das Unternehmen stellt ebenfalls Antigen-Tests zur Verfügung.

„Die Testkits wurden per Post verschickt. Sie müssen von unseren Mitarbeitern zuhause vor der Fahrt an den Standort oder zum Kunden angewendet werden. Bei einem positiven Ergebnis ist das Betreten eines unserer Standorte oder der Besuch eines Kunden untersagt“, so von Feilitzsch.

Hoffmann SE geht sogar noch einen Schritt weiter: „Besucher dürfen unsere Standorte nur noch betreten, wenn sie ein negatives Testergebnis vorweisen können, das nicht älter als 48 Stunden ist, oder erhalten am Empfang einen Selbsttest, den sie in einem eigens dafür eingerichteten angrenzenden Raum durchführen können.“

SWM: Aktuell werden Test-Strategien diskutiert

Eine SWM-Sprecherin äußerte sich auf Hallo-Anfrage zur aktuellen Lage: „Derzeit können die SWM solche Tests unternehmensweit noch nicht anbieten. Unsere Mitarbeiter*innen in der kritischen Infrastruktur (z.B. Kraftwerke, Wassergewinnung) bekommen aber zeitnah Selbsttests zur Verfügung gestellt.“

Darüber hinaus wurde bereits ein großes Kontingent an weiteren Tests bestellt. Aktuell werden verschiedene Strategien im Unternehmen diskutiert, wie diese Tests einzusetzen sind. Insgesamt beschäftigen die SWM rund 10.000 Mitarbeiter*innen.

Bis dahin empfiehlt die SWM insbesondere den Mitarbeiter*innen, bei denen Homeoffice nicht möglich ist, eine individuelle Testung an den zahlreichen offiziellen Teststellen der Stadt München durchzuführen. Diese können sie während Ihrer Arbeitszeit vornehmen. Somit ist eine zeitnahe Testung bei Bedarf/auf Wunsch sichergestellt.

„Schnelltest ist das kleinste Übel“

Bereits seit 2001 ist Hans Sterr Pressesprecher bei Ver.di Bayern. Die Pandemie stellt ihn und seine Kollegen vor neue Herausforderungen: „Die Verunsicherung der Angestellten wächst – die Angst, dass sie Corona am Arbeitsplatz bekommen können.“

Sein Appell an Arbeitgeber: „Sicherheit geht vor. Homeoffice und Schnelltests sind betriebswirtschaftlich das kleinere Übel und so leicht zu realisieren.“ Er sieht die Verantwortlichkeit bei jedem: „Nur wenn alle mitmachen, kann man die bayerische Wirtschaft aufrechterhalten.“

Hans Sterr, Pressesprecher bei Ver.di Bayern, arbeitet derzeit im Homeoffice.

Marie-Julie Hlawica

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