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Der Cannabis-Verkauf an Erwachsene wird erlaubt – 
was Suchtexperten und Polizei zu dem Vorhaben sagen

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Cannabis ist das lateinische Wort für Hanf. Je nach Verarbeitung entstehen THC- und CBD-haltige Produkte.
Cannabis ist das lateinische Wort für Hanf. Je nach Verarbeitung entstehen THC- und CBD-haltige Produkte. © Fabian Sommer/dpa

Die neue Bundesregierung will Cannabis zu Genusszwecken für Erwachsene erlauben. Geplant sei die Abgabe in lizenzierten Geschäften. Was Experten aus München dazu sagen...

*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Hasch mit oder ohne Rezept, in der Apotheke oder als Fertigprodukt im Discounter: Noch ist nicht raus, wie die neue Bundesregierung die geplante „Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften“ gesetzlich festlegen, umsetzen und überwachen will. Hallo hat Münchner Experten zum Thema befragt.

Cannabis-Verkauf an Erwachsene wird von Bundesregierung erlaubt - Was Experten aus München dazu sagen...

„Wir begrüßen, dass der Konsum von Cannabis entkriminalisiert wird“, sagt Siegfried Gift, Leiter der Münchner Suchtberatung Easy Contact, wo Jugendliche bei Drogenproblemen anonym Hilfe finden und rund 40 Familien im Jahr beraten werden. „Die Strafverfolgung ist für junge Konsumenten ein schlechter Start ins Leben, erschwert Ausstieg, Chancen und Integration.“

Siegfried Gift
Siegfried Gift © Condrobs

Dass das neue Gesetz zu mehr jüngeren Drogenkonsumenten führt, verneint der Sozialpädagoge: „Studien belegen, dass schon jetzt jeder zweite bis dritte Jugendliche unter 18 Jahren Kontakt mit Cannabis hat – ohne Legalisierung.“ Auch, dass Hasch die Einstiegsdroge zum erwachsenen Junkie sei, „ist ein uralter Mythos“: Nur noch acht bis zehn Prozent der 25- bis 40-Jährigen konsumieren gelegentlich Drogen, der Rest höre ganz auf.

Dagegen meldet Jürgen Köhnlein, Landesvorsitzender der Bayerischen Polizeigewerkschaft, viele Bedenken am Gesetzesplan an: „Allein das Wort Genuss im Arbeitstitel führt gänzlich in die Irre und ist fehl am Platz.“

Jürgen Köhnlein
Jürgen Köhnlein © DPolG

Er befürchtet, dass mit dem neuen Gesetz die Hemmschwelle zum Drogenkonsum sinkt: „Medial wird Cannabis dem Feierabendbier gleichgesetzt.“

Er warnt: „Cannabis wirkt sofort auf den Organismus, der toxische Rausch entsteht beim Konsum, nicht erst nach und nach.“ Dazu kämen Veränderungen in der Drogenszene.

Für ihn ist ganz klar: „Das Gesetz wird keine Erleichterung für die Polizei.“ Der Beamte appelliert an die Regierung: „Zu dem Gesetz muss auch der Jugendschutz massiv und explizit ausgeweitet werden – etwa, dass zur Ordnungswidrigkeit mit Geldstrafe auch zwei Info-Stunden bei einer Suchtberatung verpflichtend werden.“

Wie wichtig es ist, früh bei Abhängigkeit einzugreifen, bestätigt auch Sozialpädagoge Gift mit seinen 24 Jahren Berufserfahrung bei Condrobs: „Cannabis ist wie Alkohol eine gefährliche Substanz. Auch wenn nur wenige schwer abhängig werden und Psychosen bekommen, müssen dringend mehr niedrigschwellige, digitale Angebote und Entgiftungsplätze für junge Betroffene geschaffen werden.“

Cannabis-Produkte sind schon jetzt legal in München zu kaufen

Schon jetzt aber kann man Cannabis-Produkte in München legal kaufen. Seit Juni ist Lena Carl Geschäftsleiterin im ersten CBD-Café Charlie Green an der Müllerstraße: „Wir haben Gäste von 18 bis 75 Jahren, die sich rund um unsere Produkte beraten lassen. Viele sind das erste Mal mit dem Thema konfrontiert. Somit leisten wir eine Art Aufklärungsarbeit rund um das Thema, ohne es in den Himmel zu loben.“

 Lena Carl
Lena Carl © privat

Egal was das neue Gesetz bringt, Eines ist sicher: „Fahren unter Cannabiseinfluss bleibt weiter strafbar – auch auf dem E-Roller“, warnt Köhnlein.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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