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Gesangverein aufgelöst – Verträge für Gärten und Gaststätte gekündigt – Wohnungsbau im Gespräch

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Von: Ursula Löschau

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Müssen Gaststätte und Kleingärten im Concordia-Park zugunsten von Wohnungen verschwinden? Allen Nutzern wurde zum Jahresende gekündigt.
Müssen Gaststätte und Kleingärten im Concordia-Park zugunsten von Wohnungen verschwinden? Allen Nutzern wurde zum Jahresende gekündigt. © Ursula Löschau

Im Concordia-Park wurde allen Nutzern zum Jahresende gekündigt, nun fürchten die Bürger das Ende der Anlage. Die Viertel-Chefin will sich für den Erhalt des Parks einsetzen.

Gern „Wally“-Wirtin Marion Zierer und die Pächter der Kleingartenanlage mit 38 Parzellen im Concordia-Park an der Landshuter Allee 165 fürchten um ihre Existenz. Ihr bisheriger Verpächter, der Männergesangverein (MGV) Concordia, hat sich aufgelöst, und die Mietverträge zum 31. Dezember 2022 gekündigt. Auch das Pachtverhältnis des MGV mit der Bayerischen Schlösserverwaltung (BSV) als Eigentümerin des Geländes wurde aufgelöst.

Deren Sprecherin Ines Holzmüller bestätigt gegenüber Hallo, dass „damit die bestehende vertragliche Grundlage für alle derzeit auf dem Grundstück etablierten Nutzungen gekündigt“ worden seien. Ein Sprecher des Bauministeriums erklärt, dass nun „die baurechtlichen Möglichkeiten der Realisierung von Wohnungsbau“ abgeklärt würden.

Angst um Concordia-Park: Pächter wollen Lösung mit Verpächter finden

Zierer, seit über sieben Jahren Wirtshaus-Pächterin dort, und der Vorstand des eigens neu gegründeten Kleingartenvereins „Gartenfreunde Gern“ haben sich nun zusammengeschlossen, um gemeinsam das Aus abzuwenden. „Wir möchten gerne das Ganze als Ganzes erhalten“, betont Zierer. Richard Schildberger, zweiter Vorsitzender der Gartenfreunde, erklärt: „Wir wollen eine Synergie bilden und ein neues Konstrukt mit einem Verpächter hinbekommen, sodass wir den ganzen Concordia-Park mit den Kleingärten und der Gaststätte gemeinsam erhalten können.“

Dafür habe sich der Kleingartenverein der Schlösserverwaltung bereits als Vertragspartner angeboten. Die an den neu geschaffenen Taxispark direkt angrenzende Anlage sei schließlich auch eine wichtige Begegnungs- und Erholungsfläche für die Allgemeinheit, betont Schildberger.

Auch den Kleingärten-Nutzern wurde gekündigt.
Auch den Kleingärten-Nutzern wurde gekündigt. © Ursula Löschau

Neben Gesprächen mit der BSV suchen die gekündigten Mieter jetzt Kontakt zum Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg, zu Stadträten und weiteren Ansprechpartnern beim Freistaat. Dessen Pläne sind laut Bauministerium noch nicht ausgereift. Ein Sprecher teilt auf Hallo-Anfrage mit: „Wenn durch die Kündigung des Pachtvertrags durch den Männergesangverein ,Concordia‘ die auf dem Grundstück etablierten Nutzungen wegfallen, besteht grundsätzlich Interesse des Freistaats, mit seinen staatlichen Wohnungsbaugesellschaften, zumindest auf einer Teilfläche des Grundstücks, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“

Angst um Concordia-Park: Viertel-Chefin will sich für Gärten und Wirtschaft einsetzen

Dieser werde in München dringend benötigt. Die Möglichkeiten müssten jedoch zunächst mit der Stadt München abgeklärt werden. „Konkretere Planungen gibt es daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht“, so die Aussage des Freistaats.

Der BA wird sich nach Auskunft von Viertel-Chefin Anna Hanusch (Grüne) in der nächsten Sitzung des Unterausschusses Bau (Mittwoch, 12. Oktober) mit dem Concordia-Park befassen. Ihre Haltung dazu: „Ich denke, dass wir als BA uns sicher für den Erhalt dieses Kleingartens und auch des Biergartens einsetzen werden. Es ist ja insgesamt auch mit der städtischen Kleingartenanlage und dem Taxispark ein großer grüner Block, den wir auch im Zusammenhang schützen wollen.“

Viertel-Chefin Anna Hanusch (Grüne) sieht die Kleingärten als unantastbar an.
Viertel-Chefin Anna Hanusch (Grüne) sieht die Kleingärten als unantastbar an. © HM

Nach ihrem Verständnis sind Kleingärten in München unantastbar. „In einer so dichten Stadt sind sie wahnsinnig wertvoll, weil sie auch Leuten ohne Haus mit Garten eine Möglichkeit bieten, einen Garten zu erhalten“, sagt die BA-Vorsitzende und Grünen-Stadträtin.

Angst um Concordia-Park: Hanusch stellt Anfrage an Planungsreferat

Zu den Wohnungsbau-Absichten des Freistaats hat Hanusch eine Anfrage an das städtische Planungsreferat gerichtet. Sie erläutert: „Im Flächennutzungsplan ist es als Kleingartenanlage gesichert und der gesamte Grünverbund kann als Außenbereich eingestuft werden.“ Allerdings schließe sich direkt Wohnbebauung an. „Daher könnte man es auch als Paragraph-34-Gebiet einschätzen.“ Daraus ergebe sich die Frage, ob der Freistaat „im Zweifel auch Wohnbaurecht einfordern könnte“.

Herbert Justl vom einstigen MGV-Vorstand hält sich mit Auskünften bedeckt. Er bestätigt auf Hallo-Anfrage lediglich, dass der 1884 gegründete Gesangverein aufgelöst wurde und dass das Gasthaus abgerissen werden müsse. Es war über Jahrzehnte das Vereinsheim der Sänger.

Gasthaus und Park haben eine bewegte Geschichte: Das Pachtverhältnis von MGV und der Wittelsbacher Krongutsverwaltung begann 1913. 1924 errichteten die „Concorden“ ihr erstes Vereinsheim für 500 Personen und legten 40 Kleingartenparzellen an. Im Krieg wurde die Gaststätte zerstört und 1953 wiederaufgebaut. Dieses Gebäude fiel einem Brand zum Opfer und wurde 1986 durch ein neues ersetzt. Der gesamte Park ist seit 1969 öffentliche Anlage.

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