Corona-Alltag als Trauma-Trigger

Für Traumatisierte ist die Pandemie besonders hart – wie Zentrum in Neuhausen den Betroffenen hilft

Stephanie Kramer vom Trauma Hilfe Zentrum arbeitet  bereits seit 20 Jahren mit psychisch erkrankten Menschen.
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Stephanie Kramer vom Trauma Hilfe Zentrum arbeitet bereits seit 20 Jahren mit psychisch erkrankten Menschen.

Corona ist für viele psychisch belastend. Vor allem Leute, die mit Traumata zu kämpfen haben, sind besonders gefährdet. Das Trauma Hilfe Zentrum will hier eine Unterstützung sein.

  • Corona als Trigger für Traumatisierte
  • Trauma Hilfe Zentrum bietet Unterstützung an
  • Sucht gemeinsam mit Betroffenen nach Lösungen

Ein Unfall, Krieg, körperliche oder sexualisierte Gewalt – Traumata können durch verschiedene einschneidende Erlebnisse entstehen. Häufig führen sie dazu, dass die Betroffenen ihren Alltag nicht mehr problemlos bewältigen. Dann können sie sich an das Trauma Hilfe Zentrum München (THZM) in der Neuhauser Horemansstraße wenden. Jährlich beraten die Psychologen, Therapeuten und Pädagogen dort circa 1500 Betroffene und Angehörige.

Dass unser alltägliches Leben einmal zum Auslöser für Traumaerfahrungen werden würde, hätte noch vor zwei Jahren niemand gedacht. Die Folgen der Corona-Pandemie sind im THZM allerdings spürbar. Zwar ist die Zahl der Hilfesuchenden in etwa konstant, die Pandemie spielt bei den meisten aber eine wichtige Rolle.

„Der Beginn und das Ende des Lebens sahen während des Lockdowns anders aus als normal“, erklärt Vorstandsvorsitzende Stephanie Kramer. Väter konnten häufig nicht bei der Geburt ihres Kindes dabei sein. Komplizierte Entbindungen können traumatisieren, ohne Beistand vom Partner sei es für die Frauen noch schwieriger. „Auch nicht bewältigte Sterbeprozesse sind ein großes Problem. Viele konnten von ihren Angehörigen nicht richtig Abschied nehmen und leiden enorm darunter.“

Corona als Auslöser: Traumatas durch Lockdown getriggert

Für Menschen, die in ihrem Leben in irgendeiner Form Gewalt erfahren haben, stelle die Pandemie an sich eine Herausforderung dar – der Lockdown und die Maßnahmen werden zum „Trigger“. „Da steht jemand, der den Menschen sagt, was sie tun dürfen, wann sie zuhause sein müssen, mit wem sie Kontakt haben dürfen und mit wem nicht.“ Das werfe die Betroffenen in die Vergangenheit zurück, in der sie so gelitten haben, erklärt Kramer. „Ich möchte niemandem einen Vorwurf machen. Das war und ist eine Ausnahmesituation für alle, die aber auch etwas mit den Menschen macht.“

In solchen Fällen bietet das THZM sogenannte Clearings an, in denen die Betroffenen aus ihren Erinnerungen zurück in die Realität geholt werden. Außerdem werden mögliche nächste Schritte, wie eine längerfristige Therapie, besprochen. Anschließend können die Betroffenen verschiedene kunsttherapeutische und körperorientierte Kurse besuchen, bei denen sie regelmäßig mit Gleichgesinnten, beispielsweise zum Yoga, zusammenkommen.­­­

Kramers Ausblick in die Zukunft? „Wir können uns aber gut vorstellen, dass die Welle an Anfragen erst noch auf uns zukommen wird.“ Erfahrungsgemäß würden viele Betroffene erst einmal an Selbstheilung glauben. „Erst später wenden sie sich an uns.“

Neues Führungsteam beim Trauma Hilfe Zentrum

Der Verein, der seit 2005 besteht, wurde kürzlich intern umstrukturiert. So wird Professor Rudolf Mellinghoff Schirmherr des Vereins und Stephanie Kramer, die zuvor vier Jahre als Geschäftsführerin tätig war, wird Vorstandsvorsitzende. Auf die Besucher hat diese neue Gremienstruktur keine Auswirkungen, das Angebot hat sich nicht geändert.

Katharina Kohler

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