Mobbingfaktor Corona

München: Corona zu 80 Prozent der Grund für Mobbing am Arbeitsplatz

Verschiedene Ansichten zu Corona können zum Vorwand für Mobbing-Attacken werden.
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Verschiedene Ansichten zu Corona können zum Vorwand für Mobbing-Attacken werden.

Bei der Mobbing Beratungsstelle München schlagen immer mehr Fälle mit Bezug zur Pandemie auf. Welche Konflikte meist die Auslöser dafür sind und was man dagegen tun kann, erklärt Anwalt Wilfried Dormann.

München - Eine Alleinerziehende steht wegen Corona ohne Betreuung für ihr Kind da. An ihren Arbeitsplatz in der Entwicklungsabteilung einer Chemiefirma darf sie es nicht mitbringen und lässt sich für einige Zeit krankschreiben.

Als die Mutter zurückkommt, ist alles anders. Sie bekommt wochenlang keine Arbeitsaufträge mehr, Präsentationen werden nach wenigen Minuten rüde abgebrochen. Die Situation macht die Frau krank. „Meine Mandantin sagt, sie hat Albträume und will nie wieder in die Arbeit zurück“, sagt Wilfried Dormann.

Der Anwalt für Arbeitsrecht ist seit über 25 Jahren bei der Mobbing Beratung München aktiv, seit 2020 als zweiter Vorsitzender. Fälle wie der oben beschriebene landen inzwischen immer öfter auf seinem Schreibtisch. Etwa 50 Mandate im Jahr werden dem Aubinger über die Mobbing Beratung vermittelt.

„Seit der Pandemie hatten etwa 80 Prozent davon mit Corona zu tun.“ Zwar sei das Virus selten der ausschlaggebende Faktor für systematische Erniedrigung, Anfeindung und Diskriminierung. Auch Mobbing an sich habe prozentual nicht zugenommen.

Wilfried Dormann ist Anwalt für Arbeitsrecht und bei der Mobbing Beratung München tätig.

„Was wir aber beobachten: In vielen Fällen wird der Umgang mit Corona als Vorwand genommen, um Mitarbeiter auszugrenzen“, so Dormann.

Der Grund: Am Arbeitsplatz treffen Menschen mit verschiedenen Ansichten aufeinander. „Etwa solche, die besonders vorsichtig sind und solche, die das Virus weniger ernst nehmen“, so Dormann. Das kann auch bei guten Kollegen zu Ärger führen – wenn einer die Arbeit des anderen auffängt, der wegen Quarantäne oder zum Schutz öfter daheim bleibt.

„Oder wenn ein Teil der Belegschaft in Kurzarbeit geschickt wird und der Rest sich vor Arbeit kaum retten kann. Auch wenn der Arbeitgeber das in einer Abteilung eigentlich verhindern muss.“

Vortrag

„Mobbing in Corona-Zeiten“ mit Anwalt Wilfried Dormann am Dienstag, 20. Juli (19 Uhr), im KDA der Evang.-Luth. Kirche, Schwanthalerstraße 91. Eintritt: zehn Euro. Anmeldung: info@mobbing-beratung-muenchen.de.

So gehen sie mit Mobbing am Arbeitsplatz am besten um

Ob Homeoffice, Quarantäne oder Zuteilung von Arbeitsaufträgen: „Wer Rechtsansprüche hat, sollte diese beim Arbeitgeber sachlich geltend machen – am besten schriftlich“, empfiehlt Anwalt Wilfried Dormann. Floskeln oder Vorwürfe wie „Ich werde gemobbt“ seien kontraproduktiv. „Am besten dokumentiert man konkret, was passiert.“

Auch Personal- oder Betriebsrat können eingebunden werden. Bei Konflikten mit anderen Mitarbeitern rät Dormann zu „reden, reden, reden“. Wer trotz Gespräch mit dem Betroffenen nicht weiterkommt, sollte sich an den Vorgesetzten wenden. Eine Klage vor Gericht sei immer das letzte Mittel. „Eine innerbetriebliche Konfliktlösung ist in der Regel die Erfolg versprechendere.“

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