Existenzen und Vielfalt gefährdet

Brauereigaststätten, Vinotheken von Weingütern und Straußwirtschaften erhalten Corona-Hilfen

Dass die Zapfhähne in der Gastro trocken bleiben, trifft nicht alle Brauereien gleich hart.
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Brauereien mit angeschlossener Gaststätte bekommen Corona-Hilfen.

Jetzt soll der Zugang zu den November- und Dezemberhilfen Brauereigaststätten, Vinotheken von Weingütern und Straußwirtschaften in der Corona-Pandemie helfen.

  • Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger fordert Corona-Hilfen für Brauereien mit Gaststätten.
  • Der Bayerische Brauerbund beklagt Ungleichbehandlung gegenüber Bäckereien mit Café und Metzgereien mit Imbiss.
  • Ministerpräsident Söder spricht von Linderung in der Pandemie.

Update: 17. März 2021

Corona-Hilfen für Brauereigaststätten, Vinotheken von Weingütern und Straußwirtschaften

Nach Kritik der Branche bekommen nun auch Brauereigasthöfe Corona-Hilfen. Darauf hat sich die Bundesregierung in Abstimmung mit dem Freistaat Bayern verständigt, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch in Berlin mitteilte.

Für Unternehmen mit angeschlossener Gaststätte werde der Zugang zu den November- und Dezemberhilfen verbessert und vereinfacht.

Künftig sei der Gaststättenanteil unabhängig von den Umsätzen des restlichen Unternehmens antragsberechtigt, hieß es. Dies betreffe etwa Brauereigaststätten, Vinotheken von Weingütern und Straußwirtschaften.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach laut der Mitteilung von einem wichtigen Erfolg für die bayerischen Brauereigaststätten. „Die Brauereigaststätten stehen für unser Lebensgefühl und prägen Bayerns Kulturlandschaft! Der jetzt erleichterte Zugang zur November- und Dezemberhilfe wird ihnen helfen, die schwere Belastung durch die Corona-Pandemie zu lindern.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nannte die Verständigung ein wichtiges Signal, da viele Brauereigaststätten oder Vinotheken weiter stark unter den aktuellen Corona-Beschränkungen litten.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ging nach Altmaiers Ankündigung gleich einen Schritt weiter: „Jetzt muss die schrittweise Öffnung der Gastronomie erfolgen, damit diese Traditionsbetriebe ihr Geld wieder am Markt verdienen können und nicht auf Dauer am Tropf des Steuerzahlers hängen müssen.“

Über die Nachbesserungen war lange verhandelt worden. Der Bayerische Brauerbund hatte kritisiert, dass Brauereigasthöfe bislang fast alle durchs Förderraster fielen.

In einem Offenen Brief deutscher Brauereien von Ende Februar wurde eine eklatante Ungleichbehandlung gegenüber Bäckereien und Konditoreien mit angeschlossenem Café, aber auch Metzgereien mit angeschlossenem Imbiss beklagt.

Insgesamt werde die wirtschaftliche und finanzielle Lage der Brauereien immer dramatischer.

Die Bier-Branche verzeichnet teils dramatische Einbußen wegen der Corona-Krise. In Hallo sprechen Münchner Brauerei-Chefs über ihre Situation.

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Update: 26. Februar 2021

Brauereien sollen wegen der Corona-Beschränkungen die Kosten für verdorbenes Bier ersetzt bekommen. Dies sei bei einer Schalte der Länder mit den zuständigen Bundesministerien beschlossen worden, sagte ein Sprecher des bayerischen Wirtschaftsministeriums am Freitag.

Demnach soll dies im Rahmen der Überbrückungshilfe III geschehen und neben Brauern auch Winzer betreffen. Die Informationen des Bundes dazu würden im Laufe des Freitags angepasst.

Brauereien sollen Kosten für in der Corona-Krise verdorbenes Bier ersetzt bekommen

Brauereien haben während der aktuellen Einschränkungen das Problem, dass Fassbier kaum zu verkaufen ist, weil Gaststätten geschlossen haben und es keine Volksfeste gibt. Da bei immer mehr Fässern das Ablaufdatum näher rückt oder überschritten wird, musste zuletzt nach Angaben der Brauer in Deutschland Bier im Millionenwert weggeschüttet werden. Manche Brauereien verschenkten das Bier auch.

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) wertete es als „wichtigen Erfolg unserer Politik, dass die Stimmen der bayerischen Brauer in Berlin gehört wurden und sie nun eine Erstattung für ihr überschüssiges Fassbier erhalten“.

Zudem forderte er eine Öffnungsperspektive für die Gastronomie. Auch aus anderen Bundesländern hatte es zuletzt Rufe nach Hilfen für die Brauwirtschaft gegeben.

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Corona-Hilfen für Brauereien in Bayern ‒ Aiwanger kann sich offene Biergärten „gegen Ostern“ vorstellen

Erstmeldung: 25. Februar 2021

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat von Bundesfinanzminister Olaf Scholz
(SPD) rasch Corona-Hilfen auch für die vielen kleine Brauereien mit Brauereigasthöfen gefordert. Sie würden im Vergleich zu Bäckereien mit Cafés weiterhin massiv benachteiligt.

Viele Existenzen und die Vielfalt der bayerischen Bierkultur stünden auf dem Spiel, sagte Aiwanger am Donnerstag nach einem Treffen mit Brauern und Verbänden in München.

„Man hat ja fast den Eindruck, die wollen Bayern was auf die Mütze geben, weil es dieses Problem im Norden nicht in dem Ausmaß gibt“, sagte er. Scholz solle die Hilfen endlich anpassen und die bayerischen Brauereien mit Gaststätten nicht weiter ausgrenzen.

Etwa die Hälfte der deutschen Brauereien stehen in Bayern. Rund 90 Prozent davon sind familiengeführte Betriebe. Sie dürften nicht zu Museen für Schulklassen werden: „Wir sind mit 640 bayerischen Brauereien in die Krise hineingegangen. Ich will nicht, dass wir mit Importbier aus China und den USA aus der Krise herausgehen“, sagte Aiwanger.

Doch auch bei kleinen und mittleren Münchner Brauereien war die Situation zu Beginn der Pandemie besorgniserregend.  In Hallo sprechen Brauerei-Chefs über ihre Situation.

Corona-Lockerungen für die Gastronomie - Aiwanger sieht Öffnung der Biergärten gegen Ostern positiv

Notwendig sei auch eine Öffnungsstrategie für die Gastronomie „Richtung Ostern“. Mit immer mehr Impfungen, Schnelltests und guten Hygienekonzepten sollten „in fünf, sechs Wochen mindestens die Außengastronomie, die Biergärten“ öffnen können, sagte Aiwanger und beklagte: „Die bayerische Lebensfreude ist seit einem Jahr in den Keller gesperrt“.

Corona-Hilfe vom Bund für Brauereien gefordert - Warum der Freistaat Bayern nicht hilft

Für den Bayerischen Brauerbund forderte Hauptgeschäftsführer Lothar Ebbertz neben Hilfen „für Brauereigasthöfe, die bislang fast alle durchs Förderraster fallen“, auch eine Fixkostenerstattung für nicht verkäufliches Fassbier, das wegen der Lockdowns nach Ablauf der Haltbarkeit jetzt zu tausenden Hektolitern weggeschüttet werden müsse. Jedes dritte Bier in Bayern wird in normalen Zeiten in der Gastronomie oder auf Volksfesten verkauft.

Wenn sich im Bund nichts bewege, sollte Bayern selbst helfen, sagte Ebbertz. Der oberfränkische Brauer und Gastwirt Michael Schmitt zeigte sich nach dem Treffen enttäuscht und überrascht, „dass (Ministerpräsident Markus) Söder nichts macht“.

Aiwanger erklärte: „Wenn wir zu schnell mit den bayerischen Millionen winken, sagt der Bund: Alles in Butter.“ Aber der Bund müsse den durch die Lockdowns unverschuldet in Not geratenen Brauereien ebenso helfen wie anderen Branchen.

Damit sie nach der Corona-Krise wieder auf die Beine kommen, sollte der Bund auch den Verlustvortrag ausweiten und die Mehrwertsteuer auf Getränke in der Gastronomie auf sieben Prozent senken.

Der Tourismus-Experte der Grünen im Landtag, Christian Zwanziger, sagte: „Dieses ständige Hin- und Herschieben von Verantwortung zwischen der Bundesregierung und der Söder-Regierung habe ich satt. Unsere unzähligen, regionaltypischen Brauereigaststätten dürfen nicht am langen Arm der Bundesregierung verhungern und durch das Nichts-Tun
der Söder-Regierung auf der Strecke bleiben.“

dpa/lby/jh

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