Freiwilliges Sitzenbleiben

Corona-Schuljahr: Was Münchner Schulpsychologen in Sachen Durchfallen raten ‒ worauf Eltern achten sollten

Lernziel verfehlt: Die Schullücken machen Eltern wie Kindern Angst.
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Lernziel verfehlt: Die Schullücken machen Eltern wie Kindern Angst.

Ein Schuljahr mit viel Distanz-Unterricht geht zu Ende. Zum Sitzenbleiben gezwungen wird kein Münchner Kind. Wann es dennoch sinnvoll wäre, welche Regeln gelten und was Schulpsychologen empfehlen.

München - Zwei Fünfer im Zeugnis: im bayerischen Schulsystem eigentlich ein klarer Fall von Sitzenbleiben. Doch heuer, im zweiten Corona-Jahr, sieht es anders aus. Wer will, rückt vor, wer nicht mag, wiederholt freiwillig: Nicht die Noten, die Erziehungsberechtigten entscheiden – und die sind überfordert.

„Der Bedarf an Schulpsychologischer Beratung“ beim Zentralen Schulpsychologischen Dienst (ZSPD) und an Schulen ist „derzeit sehr hoch“, sagen die Münchner Schulpsychologen Katrin Bohdansky und Christian Heuschneider. „Das Gefühl von Unsicherheit ist auch in der Schule der größte Faktor für Stress.“

Svetlana Berger, Mitglied des bayerischen Elternverbands, ist enttäuscht: „Es hieß von Seiten der Politik: Kein Kind wird in Coronazeiten schulisch zurückgelassen, doch viele Kinder im guten bis durchschnittlichen Notenbereich haben sich verschlechtert, hören wir im Verband.“

Mitglied des bayerischen Elternverbands: Svetlana Berger.

Die angekündigten Intensivierungen oder Sommerschul-Angebote wären rar und wenn sie angeboten würden, blieben sie Kindern mit besonders schlechten Notenbild vorbehalten. „Viele Eltern wissen nicht, was sie tun sollen, fühlen sich nicht wahrgenommen. Sie haben schlicht Angst, dass ihr Kind den Anschluss verliert.“

Das Bayerische Kultusministerium (StMuK) bestätigt, dass in diesem Jahr vom Angebot des Vorrückens auf Probe besonders großzügig Gebrauch gemacht wird.

„Die Zahl der Pflichtwiederholer ist stark zurückgegangen, die Zahl der auf Probe vorgerückten stark angestiegen“, heißt es vom Ministerium. Waren es im letzten Schuljahr bayernweit über 40 200 (Zwangs-)Wiederholer, werden mit Ende dieses Schuljahres nur rund 31 000 erwartet.

Viel Präsenzunterricht nötig

Der Neustart wird für Schüler wie Lehrer dadurch nicht einfacher, sagen die Psychologen: „Startschwierigkeiten bei Einzelnen können dann schwerer erkannt und gelöst werden. Wünschenswert wäre, wenn zu Beginn des Schuljahres möglichst viel Präsenzunterricht stattfinden kann.“

Dazu wurde eine weitere Ausnahme genehmigt: „Für Wiederholungsschüler gelten nicht die üblichen Beschränkungen, etwa das Verbot des zweimaligen Wiederholens derselben Jahrgangsstufe.“

Und wer jetzt noch seine Note prüfen oder verbessern will, kann am 19. und 20. Juli freiwillige Schulaufgaben schreiben, wie jetzt in Elternbriefen angekündigt wurde. Weitere Rückstände können Schüler im Sommer über das StMuK-Programm www.brueckenbauen.bayern.de selbstständig aufholen.

Das raten die Schulpsychologen

Vorrücken oder wiederholen? Die Frage beschäftigt nicht nur Schüler und Eltern, sondern in diesem Jahr auch die Münchner Schulpsychologen Katrin Bohdansky und Christian Heuschneider vom ZPSD in den vielen Gesprächen mit Ratsuchenden Eltern wie Schülern.

Allgemein: Wann sollten Eltern bei Ihnen vorsprechen?

Insbesondere, wenn Eltern sich Sorgen um das Verhalten ihres Kindes machen, auch zur Reflexion zum eigenen Umgang mit Problemen des Kindes und des Jugendlichen. Die Beratung ist neutral, kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht.

Wie belastend sind die Corona-Bedingungen?

Lernen ist eine psychische Funktion, die nur dann leicht und gut gelingt, wenn eine Vielzahl von Bedingungen erfüllt sind. Ängste, mangelnder Schlaf, ungünstiges Medienverhalten, auch schlechte Noten können Zeichen von depressiver Verstimmung sein.

Soll man die Versetzung trotz schlechter Noten wagen – oder nicht?

Unser Rat ist: Informieren Sie sich über die vielfältigen Möglichkeiten der schulischen Laufbahn. Besprechen Sie die Fragen des Vorrückens und wie es mit der schulischen Ausbildung weitergeht mit den Lehrkräften und Beratungsfachkräften. Deren Einschätzung wird die Entscheidung erleichtern.

Wann ist die Sommerschule 2021 aus Ihrer Sicht nötig?

Wenn Lehrkräfte der Kinder oder Schulpsychologen die Teilnahme empfehlen, kann sie ist ein gutes, sinnvolles Angebot zur Lernförderung sein.

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