#metoo

Regisseur Dieter Wedel wegen Vergewaltigung angeklagt - Ob es zum Prozess kommt ist jedoch unklar

Die Staatsanwaltschaft München I hat Anklage gegen Regisseur Dieter Wedel wegen des Verdachts der Vergewaltigung erhoben.
+
Die Staatsanwaltschaft München I hat Anklage gegen Regisseur Dieter Wedel wegen des Verdachts der Vergewaltigung erhoben.

Ob Dieter Wedel wegen Vergewaltigung vor Gericht muss, steht noch nicht fest. Das mutmaßliches Opfer Jany Tempel wurde nun offiziell als Nebenklägerin zugelassen.

  • Regisseur Dieter Wedel wegen Vergewaltigung angeklagt.
  • Staatsanwaltschaft München ermittelt seit drei Jahren.
  • Die Vorwürfe wurden in den #metoo Debatte bekannt.

Update: 18. März 2021

Dieter Wedel wegen Vergewaltigung angeklagt - Mutmaßliches Opfer Jany Tempel wird Nebenklägerin

Im Strafverfahren gegen den Regisseur Dieter Wedel (81) wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung ist sein mutmaßliches Opfer Jany Tempel nun offiziell als Nebenklägerin zugelassen worden. Das sagte Tempels Anwalt Alexander Stevens der Deutschen Presse-Agentur in München. Sie sei „berechtigt, sich dem Verfahren als Nebenklägerin anzuschließen“, heißt es in dem entsprechenden Beschluss des Landgerichts München I.

Damit ist allerdings noch längst nicht entschieden, ob es tatsächlich zum Prozess gegen den erfolgreichen Regisseur („Der große Bellheim“, „Der Schattenmann“) kommt. Wedel bestreitet die Vorwürfe.

Nachdem die Staatsanwaltschaft München I Anfang März nach dreijährigen Ermittlungen Anklage erhoben hat, muss nun das Gericht entscheiden, ob sie diese auch zur Hauptverhandlung zulässt und Wedel sich dann vor Gericht verantworten muss.

Wann diese Entscheidung getroffen wird, ist nach Gerichtsangaben unklar. Da Wedel nicht in Untersuchungshaft sitzt, seien „die üblichen Zeitabläufe nicht in Stein gemeißelt“, sagte ein Sprecher.

Sitzt ein Angeklagter in U-Haft, gilt, dass das Hauptverfahren gegen ihn möglichst schnell in Gang und zu einem Ende kommen muss. Üblicherweise werde in Haftsachen nach drei Monaten über eine Zulassung der Anklage entschieden, weitere drei Monate später sollte dann der Prozess starten.

Sollte es im Fall Wedel einen ähnlichen Zeitplan geben, könnte Anfang Juni über die Eröffnung des Hauptverfahrens entschieden werden. Sollte das Gericht die Anklage zulassen, könnte der Prozess gegen Wedel im Herbst beginnen.

Anklage wegen Vergewaltigung gegen Regisseur Wedel - Ob es zum Prozess kommt ist noch unklar

Laut Anklage soll Wedel „zu einem nicht mehr genau bestimmbaren Zeitpunkt zwischen Juni und Oktober 1996, vermutlich Ende Oktober 1996“ die damals 27 Jahre alte Schauspielerin Tempel in einem Münchner Luxushotel vergewaltigt haben. Sie soll sich dort zu einem Vorstellungsgespräch mit Wedel getroffen und mit ihm gemeinsam eine erotische Szene gelesen haben.

Dabei soll Wedel, so die Staatsanwaltschaft, „den Entschluss gefasst haben, Geschlechtsverkehr mit der Geschädigten zu vollziehen und dabei etwaigen Widerstand gegebenenfalls mit Gewalt zu überwinden“. Nach einer körperlichen Auseinandersetzung soll er sie dann vergewaltigt haben.

Wedels Anwälte weisen die Vorwürfe gegen ihren Mandanten zurück: „Das Ermittlungsverfahren, das von einer fast beispiellosen öffentlichen Vorverurteilung eingeleitet und begleitet wurde, dauert seit mehr als drei Jahren an, ohne dass sich in dieser Zeit durchgreifende neue Gesichtspunkte zur Belastung unseres 81-jährigen Mandanten ergeben haben“, teilten sie mit.

#MeToo-Debatte führt zur Anklage von Dieter Wedel

Wedel ist der wohl bekannteste deutsche Kulturschaffende, der in der sogenannten #MeToo-Debatte beschuldigt wurde, sich an Frauen vergriffen zu haben. Der Fall kam Anfang 2018 ins Rollen. Damals beschuldigten drei Schauspielerinnen Wedel im „Zeit-Magazin“, sie in den 1990er Jahren sexuell bedrängt zu haben.

Die #MeToo-Debatte war 2017 ins Rollen gekommen. Vor allem Frauen posteten in sozialen Netzwerken millionenfach ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen. Nach Bekanntwerden trat Wedel im Januar als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurück.

Die Wedel vorgeworfene Tat ist wegen einer relativ neuen Änderung des Strafgesetzbuches noch nicht verjährt. Laut Paragraf 78b ruht die Verjährungsfrist bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres des mutmaßlichen Opfers eines Sexualdelikts.

Die Verjährungsfrist bei Sexualstraftaten beträgt in der Regel 20 Jahre. Somit wäre die mutmaßliche Tat erst im Jahr 2019 - 20 Jahre nach dem 30. Geburtstag von Jany Tempel - verjährt gewesen. „Durch die Aufnahme der Ermittlungen im Jahr 2018 wurde die Verjährung unterbrochen“, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecherin Anne Leiding.

--------------------------------

Münchner Staatsanwaltschaft klagt Dieter Wedel wegen Vergewaltigung an

Erstmeldung: 5. März 2021

Die Staatsanwaltschaft München I hat Anklage gegen den Regisseur Dieter Wedel (81) wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung erhoben. Das teilte die Behörde am Freitag mit. Wedel hat die Vorwürfe bestritten.

Es geht um einen Vorwurf aus dem Sommer 1996. Die Schauspielerin Jany Tempel gibt an, Wedel („Der große Bellheim“, „Der Schattenmann“) habe sie damals in einem Münchner Hotel zum Sex gezwungen. Damals, im Alter von 27 Jahren, habe sie für eine Rolle vorsprechen wollen.

Die 20-seitige Anklage führt nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehr als 20 Zeugen, eine Gutachterin sowie Kalendereinträge als Beweismittel an.

Weder Tempel noch ihr Anwalt Alexander Stevens wollten sich zunächst zur Entscheidung der Staatsanwaltschaft äußern.

Die Vorwürfe wurden Anfang 2018 bekannt. Damals beschuldigten drei Schauspielerinnen Wedel im „Zeit-Magazin“, sie in den 90er Jahren sexuell bedrängt zu haben. Der Fall wurde der bekannteste in der deutschen #MeToo-Debatte, die 2017 ins Rollen gekommen war. Unter dem Hashtag #MeToo posteten vor allem Frauen in sozialen Netzwerken millionenfach ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen.

Regisseur Dieter Wedel wegen Vergewaltigung von Schauspielerin Jany Tempel angeklagt

Wedel, der mit TV-Mehrteilern wie „Der König von St. Pauli“ zu den bekanntesten deutschen Regisseuren zählt, hat den Vorwürfen per eidesstattlicher Erklärung widersprochen. Ende August 2018 sagte er der „Bild“-Zeitung: „Inzwischen bin ich froh, dass es diese Ermittlungen gibt. Ich vertraue auf die Staatsanwaltschaft.“

Seine Anwältin kritisierte die Anklageerhebung am Freitag scharf. „Das Ermittlungsverfahren, das von einer fast beispiellosen öffentlichen Vorverurteilung eingeleitet und begleitet wurde, dauert seit mehr als drei Jahren an, ohne dass sich in dieser Zeit durchgreifende neue Gesichtspunkte zur Belastung unseres 81-jährigen Mandanten ergeben haben“, teilte die Rechtsanwältin Dörthe Korn aus der Kanzlei von Peter Gauweiler am Freitag mit.

Das Geschehen liege fast 25 Jahre zurück, erklärte Korn: „Der Tatvorwurf beruht letztlich allein auf der Behauptung der Nebenklägerin, die diese gegenüber einem Presseorgan unter dem Vorbehalt machte, dass die angebliche Tat verjährt sei und die Wahrheit ihrer Beschuldigung nicht mehr in einem Gerichtsverfahren überprüft werden dürfe.“

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe war Wedel im Januar als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurückgetreten. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben sich lange hingezogen - vor allem auch, weil Zeugen im Ausland vernommen werden mussten.

Ende Januar wies die Generalstaatsanwaltschaft München eine Fachaufsichtsbeschwerde von Tempels Anwalt Stevens über die lange Dauer gegen die Staatsanwaltschaft München I ab. „Die Sachbehandlung ist nicht zu beanstanden“, sagte ein Sprecher damals.

Für Wedel gilt bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung in dem Strafverfahren die Unschuldsvermutung.

dpa/jh

Auch interessant

Kommentare