Endlich wieder feiern!

Discos und Clubs wieder offen: Tanzen wie vor Corona ‒ So lief das erste Party-Wochenende

ine Schlange von Clubbesuchern hat sich vor dem Münchner Elektroclub Harry Klein gebildet.
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Das bayerische Kabinett hat mit einer Änderungen an der Corona-Verordnung die Wiederöffnung der Clubs ermöglicht.

Nach der Corona-Pause darf in Discos wieder gefeiert werden. Auch im Techno-Club Harry Klein in München ist Party angesagt. Zuerst wird gezögert, dann bebt die Tanzfläche.

  • In Bayern dürfen Clubs und Discos nach der Corona-Pause wieder öffnen.
  • Am Wochenende gab es nach fast eineinhalb Jahren die ersten Partys.
  • Auch im Harry Klein in München wurde kräftig gefeiert.

Freitag, 22.00 Uhr. DJ Nihil schiebt im Münchner Elektroclub Harry Klein die Lautstärkeregler nach oben - der Moment, auf den alle gewartet haben. Nach knapp eineinhalb Jahren darf hier wieder ohne Abstand und ohne Maske getanzt werden. Die Party mit dem Kollektiv Ritual:Digital war die erste Veranstaltung, die im Harry Klein wegen der Pandemie hatte abgesagt werden müssen. Nun ist sie die Veranstaltung, die den Club wieder eröffnet.

Kurz vor Beginn ist die Anspannung bei Club-Betreiber Peter Fleming zu spüren: „Ich bin natürlich ein bisschen aufgeregt. Das hat sicherlich mit der Vorfreude zu tun, aber auch weil man nicht so ganz genau weiß, was passieren wird“, sagt der 54-Jährige.

Fleming und sein Team haben monatelang auf diesen Moment hingearbeitet: „Nachdem klar war, dass die Verordnung bis zum 1. Oktober gehen würde, konnten wir uns vor 14 Tagen schon ausrechnen, dass wir dieses Wochenende aufmachen dürfen“. Schon am Tag zuvor habe er mit dem Personal den Ablauf am Einlass geprobt.

Am Donnerstag hatte das Kabinett beschlossen, dass Discos und Clubs in Bayern ab Freitag mit der „3G-Plus-Regel“ wieder öffnen dürfen. Im Freistaat dürfen also nur diejenigen den Club betreten, die geimpft oder genesen sind oder einen negativen PCR-Test vorweisen können - ein Antigenschnelltest oder ein Selbsttest genügen nicht.

Das Harry Klein hat sich jedoch von Anfang an gar für die 2G-Regel entschieden. „Wir sehen in 3G einfach keine Zukunft“, sagt Fleming. In vier Wochen werde ohnehin 2G kommen, da sei er sich relativ sicher. Sein Team und er fühlten sich mit 2G einfach sicherer: „Das ist ein Safer Space“, so Fleming. Die meisten Besucher im Club scheinen das genauso zu sehen: „Ich sehe da keinen großen Unterschied, ehrlich gesagt. Man kann ja nicht jedes Mal vor dem Feiern einen PCR-Test für über 70 Euro kaufen“, sagt Besucherin Tanja.

Endlich wieder Party in München - Clubs und Discos öffnen nach Corona-Pause

Für die 21-Jährige geht heute ein Wunsch in Erfüllung. „Ich habe so lange auf diesen Moment gewartet. Endlich wieder etwas Normalität“. Es fühle sich an wie früher. „Am Anfang habe ich etwas gezögert, aber nach einer halben Stunde etwa waren die Berührungsängste wieder abgelegt“, sagt Tanja. Am meisten habe sie es vermisst, neue Leute kennenzulernen. Während des Lockdowns sei dies fast unmöglich gewesen. Sie hatte sich online ein Ticket gekauft. „Die Restkarten sind schon alle weg. Ein Glück!“, ruft sie.

Der Geschäftsführer des Harry Klein bestätigt dies. Er sitzt mit Freunden und Mitarbeitern vor dem Rechner im Keller. Von hier aus werden normalerweise Warenbestellungen und Organisatorisches erledigt. Über den Monitor sind der Eingang und die Schlange vor dem Club zu sehen. Die Schlange sei nicht immer so lang. „Das zeigt, dass die Leute einfach wieder feiern wollen. Das fühlt sich wahnsinnig toll an. Das macht mich echt glücklich“, sagt er und zündet sich eine Zigarette an. So langsam ist die Anspannung bei ihm verflogen: „Jetzt bin ich endlich entspannt. Das Personal macht das alles echt super!“

Während der Großteil seiner Mitarbeiter während des Lockdowns in Kurzarbeit waren, suchten sich viele Aushilfen einen anderen Job, um über die Runden zu kommen. „Das war echt schade, aber ich kann alle verstehen, die für sich die Entscheidung der Sicherheit getroffen haben“, sagt Fleming. Er sei aber stolz, dass knapp 90 Prozent des Teams trotz der schwierigen Zeit noch für ihn arbeiteten.

Die Tanzfläche ist inzwischen voll. Die Wiedersehensfreude scheint bei den Gästen groß: Umarmungen, Küsschen, kleine Tänzchen - alles wie beim Alten? Auf den ersten Blick: ja. Inzwischen steht Lily Lillemor hinter dem Mischpult und spielt für das Publikum sphärische Klänge. Die Sorgen der Corona-Pandemie sind für einen kurzen Moment vergessen. Im Mittelpunkt stehen die Musik, das Tanzen und das langersehnte Wiedersehen alter Bekannter.

dpa/lby/jh

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