Daheim nicht willkommen

Beratungsfälle verdoppelt: Diskriminierung im häuslichen Umfeld nimmt zu – Betroffene berichtet

Frau Roth (Name geändert) berichtet von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung durch ihren Vermieter.
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Frau Roth (Name geändert) berichtet von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung durch ihren Vermieter.

Während der Corona Krise gibt es immer mehr Meldungen von Diskriminierung im häuslichen Umfeld. Eine Betroffene berichtet, wie ihr der Vermieter das Leben zur Hölle machte.

  • Diskriminierung im häuslichen Umfeld nimmt zu
  • Betroffene erzählt von Erfahrungen
  • Beratungsstelle gibt Unterstützung

Uneinsichtig: So zeigt sich der ehemalige Vermieter von Frau Roth (Foto, Name geändert) auch jetzt noch nach dem Auszug. Roth ist Muslima, trägt ein Kopftuch. An diesem störte sich das Vermieter-Ehepaar, es fallen wiederholt diskriminierende Bemerkungen, das Kopftuch lasse eine Frau dumm und ungebildet aussehen. Erst beim Einzug in die Wohnung im Münchner Westen hätten sie gesehen, dass sich Roth „nur verkleidet im Leben bewegt“.

So formulieren es die Vermieter in einem Antwortschreiben an die Beratungsstelle für Betroffene menschenfeindlicher Gewalt und Diskriminierung, „Before“, das Hallo vorliegt. Familie Roth hatte sich hilfesuchend an die Beratungsstelle gewendet. Die konfrontiert den Vermieter in einer Stellungnahme mit den diskriminierenden Äußerungen. Gegenüber Hallo wollte sich dieser nicht äußern.

Diskriminierung im eigenen Haus: Wenn der Vermieter seine Mieter mobbt

Besonders das Kopftuch werde häufig als Anlass für rassistische Ausfälle genommen, erklärt Léa Rei, Beraterin von „Before“. Diskriminierungen und Bedrohungen im häuslichen Umfeld haben laut „Before“ zugenommen – die Zahl dieser Beratungsfälle verdoppelte sich im Vergleich zu 2019. „Das hängt auch mit der Pandemie zusammen, da mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbracht wurde“, erklärt Sprecher Damian Groten.

Bei den von „Before“ genannten Zahlen handelt es sich allerdings nur um Beratungs-, nicht um Fallzahlen. „Es gibt eine große Dunkelziffer.“ Auch, weil es eine hohe Schwelle gebe, Diskriminierung zu melden. Wie eine Beratung konkret aussieht, hänge vom Bedarf der Betroffenen ab. Möglich seien zum Beispiel eine Stellungnahme wie bei Familie Roth, ein Schlichtungsgespräch oder, dass Kontakte zu Therapeuten oder Anwälten vermittelt werden.

Das Ehepaar Roth hatte beim Einzug im Herbst 2019 seinen Glauben nicht verheimlicht. Bis zum Einzug trifft zwar nur Herr Roth die Vermieter, erklärt aber, dass die Familie muslimisch ist. Die Reaktion damals: positiv. Dass sich das nach dem Einzug schnell geändert hat – nicht das einzige Problem für Familie Roth: Es kommt auch zu Konflikten mit einer anderen Hausbewohnerin. Ständig seien unverständliche Kommentare mit eindeutig negativem Tonfall gefallen sowie Würgegeräusche zu hören gewesen.

Umzug wegen Diskriminierung: Familie muss Wohnung verlassen

Es kommt auch zu Beschwerden, die Kinder von Familie Roth seien zu laut. „Wir haben das Spielen begrenzt, um nicht noch einen Anlass zu geben“, erklärt Roth. „Wenn es nach der Nachbarin ging, sollen die Kinder den ganzen Tag auf dem Spielplatz verbringen.“ Beraterin Rei erklärt: „Es gibt Ressentiments, dass muslimische Familien besonders laut sind.“ Kinder würden öfter als laut und aufsässig bezeichnet, das habe massive Auswirkungen auf die Familien. Dabei sei Kinderlärm „in einem Mehrfamilienhaus grundsätzlich hinzunehmen“, erklärt Anja Franz vom Mieterverein.

Ende 2020 zieht Familie Roth in den Münchner Osten um. „Die Erleichterung war groß, wegziehen zu können.“ Dass der Ärger mit dem Vermieter aktuell mit der Nebenkostenabrechnung weitergeht – fast 5000 Euro sollen nachgezahlt werden, was Experten in dieser Höhe anzweifeln – überwiegt bei Familie Roth das Positive: „Die neue Wohnung ist schön und die Nachbarschaft sehr kinderfreundlich.“

Das gilt bei Mieterstreit wegen Lärm

Zu Kinderlärm erklärt Anja Franz vom Mieterverein: „Die Ruhezeiten, die in der Haus­ordnung festgelegt sind, müssen befolgt werden. Hier ist zu beachten, dass man Kindern das Schreien und Weinen oder auch Lachen nicht verbieten kann.“ Es komme auf den Einzelfall an. Allgemein gelte das Rücksichtnahmegebot.

Und wenn bewusst Lärm gemacht wird, um den Nachbar zu stören? „Dann muss man das zum einen anhand eines Protokolls nachweisen, das der Mieter selbst führt, zum anderen am besten durch Zeugen, die bestätigen, dass der Lärm vorhanden war, wann das war und in welcher Lautstärke. Auch Tonaufnahmen sind möglich.“

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