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Geflüchtete Ukrainer in München: Aubinger Familie über ihre Erfahrung als Gastgeber

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Von: Andreas Schwarzbauer

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Alina und Violetta Horbenko haben von ihrer Gastfamilie eine Stadtführung durch München bekommen.
Alina und Violetta Horbenko haben von ihrer Gastfamilie eine Stadtführung durch München bekommen. © privat

Eine Familie aus Neuaubing hat eine geflüchtete Mutter und ihre Tochter aus Charkiw aufgenommen. Lesen Sie hier, wie eine lebenslange Freundschaft entstanden ist...

Etwas mehr Unterstützung hätte sich Franziska Gruber (Name geändert) von offizieller Seite schon gewünscht. Sie und ihre Familie haben Alina Horbenko (31) und ihre zwölfjährige Tochter Violetta bei sich aufgenommen.

Die beiden sind aus der ukrainischen Stadt Charkiw geflüchtet und leben seit dreieinhalb Wochen bei Familie Gruber in Neuaubing. „Man wird als Gastfamilie ins kalte Wasser geworfen und muss sich alle Informationen mühselig selbst zusammensuchen“, kritisiert Gruber.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Die Hilfsbereitschaft in München ist angesichts des nicht enden wollenden Krieges in der Ukraine noch immer groß. Wo und wie Münchner helfen können, erfahren Sie hier.

Mutter und Tochter aus Charkiw in der Ukraine - Familie in München nimmt Geflüchtete auf und kritisiert die Behörden

Die Behörden seien teilweise schlecht vorbereitet. „90 Prozent der Informationen für die Geflüchteten waren erst einmal auf Deutsch“, sagt Gruber. So habe Horbenko zur Registrierung einen deutschen Zettel in die Hand gedrückt bekommen. Um einen Aufenthaltstitel zu beantragen, habe sie ein vierseitiges Formblatt auf Deutsch ausfüllen müssen. Ohne Hilfe sei das für die Ukrainerin, die weder Deutsch noch Englisch spricht, nicht möglich gewesen. „Ich arbeite zum Glück nur in Teilzeit. Sonst würde es nicht funktionieren“, sagt Gruber.

Dennoch ist sie froh, ihr Heim für die beiden Ukrainerinnen geöffnet zu haben. „Sie sind eine wahnsinnige Bereicherung und passen wirklich gut zu uns.“ Mit Alina Horbenko verständigen sich die Grubers derzeit mithilfe einer Übersetzungs-App sowie mit Händen und Füßen. Auch ein paar Worte Russisch haben sie schon gelernt.

An den wichtigsten Gegenständen in der Wohnung hängen kleine Zettel mit der deutschen und der russischen Bezeichnung dafür. Damit sie schnell überflüssig werden, nimmt Horbenko an einem Deutsch-Kurs des Anderwerks teil.

Tochter Violetta hat in Charkiw in der Schule bereits ein Jahr lang Deutsch gelernt. Um ihre Kenntnisse weiter zu verbessern, besucht sie einen Sprachkurs am Gymnasium Freiham. Aber auch am regulären Unterricht nimmt die Zwölfjährige bereits teil. Das habe der Rektor ganz unbürokratisch ermöglicht. „Sie geht mit meiner Tochter Johanna in die sechste Klasse. Sie versteht zwar noch nicht so viel, aber es geht vor allem um die Integration in die Gemeinschaft und die Sprache. Aber natürlich ist sie von dem abgelenkt, was in ihrer Heimat passiert ist“, sagt Gruber.

Violetta (links) und Johanna haben sich schnell angefreundet.
Violetta (links) und Johanna haben sich schnell angefreundet. © privat

Lebenslange Freundschaft zwischen Münchner Familie und Geflüchteten aus der Ukraine

Am 24. Februar wurden Alina und Violetta Horbenko in Charkiw von Explosionen geweckt. „Wir hatten große Angst und fingen an zu packen“, berichtet Horbenko. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Mischa flüchteten sie in einen Luftschutzbunker einer nahen Schule. Eine Woche lang harrten sie mit 500 anderen Menschen in dem Keller aus und schliefen auf Decken am Boden.

Als eine Granate im Dach einschlug, entschieden sie sich, nach Lwiw zu Mischas Schwester zu fliehen. „Wir reisten 30 Stunden in einem dunklen und kalten Auto unter unmenschlichen Bedingungen“, berichtet Horbenko. Als es in der Westukraine unruhig wurde, reiste sie mit Violetta weiter nach München.

Inzwischen haben sich die beiden Ukrainerinnen in Neuaubing schon ein wenig eingelebt. Auch eine Stadtführung durch München haben sie schon bekommen. „Sie gehören inzwischen zur Familie“, sagt Gruber.

Alina Horbenko hofft, dass sie bald eine Arbeitserlaubnis bekommt. In der Ukraine hat sie als Apothekerin die Qualität von Medikamenten geprüft. Allerdings ist ihr Abschluss hier nicht anerkannt. Weil sie aber auch eine Ausbildung als Krankenschwester hat, hofft sie, in diesem Bereich arbeiten zu können.

Ihr größter Wunsch ist es allerdings, bald wieder in die Ukraine zurückkehren zu können. Familie Gruber hat bereits eine Einladung nach Charkiw. Franziska Gruber ist sich sicher: „Zwischen uns ist eine lebenslange Freundschaft entstanden.“

Ukrainische Flyer & Dolmetscher

Es sei möglich, dass kurz nach dem Kriegsausbruch die Informationsflyer für die Geflüchteten nur auf Deutsch waren. Doch inzwischen seien sie auf Ukrainisch übersetzt worden, teilt das Sozialreferat mit. Die Diakonie betreue im Auftrag der Stadt eine Hotline. Auf der Internetseite www.muenchen.de/ukraine seien zunächst alle wichtigen Informationen auf Deutsch gesammelt und dann schnellstmöglich übersetzt worden. Auch die Bürgerbüros hätten rasch mit Übersetzungen gearbeitet. „Aktuell liegen sowohl der Meldeschein als auch der Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis auch auf Ukrainisch vor“, so das KVR. In der Zentrale an der Ruppertstraße würden in Kürze zusätzlich Dolmetscher beim Ausfüllen der Anträge helfen. 

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