Nach Vorbild des Ligsalzhauses

Solidarisch Wohnen nahe des Fasangartens: Bald entsteht zweites Syndikatshaus der Stadt München

In der Görzer Straße 128 soll es nun ein ähnliches Hausprojekt wie in der Ligsalzstraße 8 geben.
+
In der Görzer Straße 128 soll es nun ein ähnliches Hausprojekt wie in der Ligsalzstraße 8 geben.

Im Münchner Osten nahe des Fasangarten wird das zweite Syndikatshaus der Stadt geplant. Wie sich das Projekt entwickelt hat, wie der Verein an das Grundstück kam und was dort alles geplant ist.

München-Ost - Vorbild ist die „Ligsalz 8“. Dieses Hausprojekt an der Schwanthalerhöhe ist selbstverwaltet, solidarisch, gehört quasi den Bewohnern, ohne dass diese dafür reich sein mussten, und man zahlt deutlich geringere Mieten als sonst in München.

Das Ligsalzhaus wurde 2007 mit Hilfe des Mietshäuser-Syndikats gekauft, In der Görzer Straße 128 soll es nun ein ähnliches Hausprojekt geben. Das Mietshäuser-Syndikat finanziert es mit einem Mix aus Bank- und privaten Direktkrediten.

Das Haus in der Görzer Straße muss erst noch gebaut werden. „Wir haben kurz vor Ostern erfahren, dass wir das Grundstück bekommen“, sagt Mike, der seinen vollen Namen nicht nennen will, da er fürs Kollektiv und nicht für sich alleine spricht. Er ist 38, Heilerzieher, lebt seit 20 Jahren in München in seiner mittlerweile zehnten Mietwohnung.

Mit seinen Mitstreitern will er gemeinschaftlich wohnen und dem harten Wohnungsmarkt trotzen. Dafür hat er im vergangenen Jahr einen Verein gegründet und sich damit um ein 720-Quadratmeter-Grundstück beworben, das die Stadt im Erbbaurecht vergeben wollte – an Genossenschaften oder genossenschaftsähnliche Wohnprojekte im München Modell.

Die Mitglieder der Initiative „Wohnprojekt Görzer 128“.

In die Bewerbung hatte der Verein Monate an Arbeit gesteckt – und sich schließlich gegen alle Mitbewerber durchgesetzt. „Am Anfang waren wir euphorisch“, berichtet Mikes zukünftige Hausgenossin Jorina, 33 Jahre, Ökotoxikologin. „Jetzt aber kommt Stress auf.“

Die Mitglieder der Initiative „Wohnprojekt Görzer 128“, die mittlerweile eine GmbH ist, treffen sich aktuell zwei Mal wöchentlich. Termine mit der Stadtverwaltung stehen an, außerdem mit dem Architekturbüro.

„Es ist gar nicht so einfach, die Vorgaben der Stadt und unsere Ideen vom Haus unter einen Hut zu bringen“, berichtet Jorina. Innerhalb der Projektgruppe fallen alle Entscheidungen demokratisch – das dauert natürlich. So soll es auch sein, wenn das Haus erst einmal bewohnt ist.

Platz bieten soll es für bis zu 15 Erwachsene und für Kinder. Im Erdgeschoss wird es einen Gemeinschaftsraum geben, in dem sich auch andere Gruppen oder Nachbarschaftsinititativen treffen dürfen. Zudem sind bis zu neun Wohneinheiten geplant, mit der Möglichkeit zu Umgestaltungen – etwa wenn sich ein Paar trennt oder die Bewohner wechseln.

Das bisher einzige Münchner Syndikatshaus in der Ligsalzstraße 8.

Angedacht sind bisher drei Geschosse. Ob es einen Keller geben wird, ist umstritten. „Der ist sehr teuer“, erklärt Mike. Und die Obergrenze für die Miete soll bei maximal elf Euro liegen. Damit werden Erbpachtzins und Bau getilgt.

Pro Quadratmeter verlangt die Stadt 300 Euro. Den Vertrag unterschreibt die Gruppe erst im Februar 2022. Ab dann läuft die Stoppuhr: 2024 muss das Haus bezogen sein, sonst ist der Vertrag nicht erfüllt.

Derartige Hausprojekte dürfen sich in München erst seit 2019 auf städtische Grundstücke bewerben. Mike und Jorina wünschen sich für die Zukunft mehr dieser Vorhaben: „Die Stadt wird in Zukunft etwa 30 solcher Grundstücke ausschreiben. Wir würden den Bewerbern mit Rat zur Seite stehen.“

Auch interessant

Kommentare