Beratung übers Plauderfenster

Jugendeinrichtung „Fezi“ am Wettersteinplatz erwartet vorerst keine Lockerungen für die Jugendarbeit

Beratungsfenster der Jugendeinrichtung Fezi
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Das Beratungsfenster der Jugendeinrichtung Fezi im ersten Lockdown: Die Absperrung von damals ist längst weg.

Jugendarbeit während Corona: Das „Fezi“ kann nur Beratungen und Gespräche über das „Plauderfenster“ anbieten - der Bayerische Jugendring erwartet keine Lockerungen.

Die Inzidenzen sinken. Bald könnte das Leben endlich wieder losgehen, zumindest in kleinen Schritten. Ob das auch für die offene Jugendarbeit gilt und damit für die jungen Besucher des Freizeitzentrums Fezi in Giesing sowie ihre pädagogischen Begleiter? Michael Jaschkowitz, Einrichtungsleiter des Fezi, meint: eher noch nicht so schnell.

Michael Jaschkowitz ist der Einrichtungsleiter des Fezi am Wettersteinplatz.

Er leitet das das Fezi am Wettersteinplatz. „Vor Corona liefen hier am Tag 100 Kinder und Jugendliche durch das Haus“, erzählt er.

Heute sind es, wenn er die Mittags-Notbetreuung dazu zählt, maximal 20. An einem normalen Werktag mit Homeschooling sitzt gerade mal eine Jugendliche in einem der beiden großen Räume im ersten Stock und lernt. Im Nachbarzimmer, der 80 Quadratmeter großen Disco, gibt es zwei weitere Lernplätze mit Abstand. Sie sind gerade leer. „In Normalzeiten treffen sich hier bis zu 150 Jugendliche zum Tanzen“, sagt Jaschkowitz.

Jugendhilfe am Wettersteinplatz - „Fezi“ kann im Corona-Lockdown nur Beratungen anbieten

Die offene Jugendarbeit darf seit Ende des ersten Lockdowns ihre Pforten nur für beratende Arbeit öffnen. Das gilt bis heute und bedeutet: „Maximal zwei Haushalte können mit einem von uns sprechen.“

Hilfe brauchen die Besucher, im Gros zwischen sechs und 18 Jahren, meist in schulischen Dingen. Und wenn es in Sachen Beratung mal schnell gehen muss, dann setzen die Fezi-Pädagogen und ihre Schützlinge noch immer auf das gute alte Plauderfenster.

Gespräche am Fenster einzige Kontaktmöglichkeit in Zeiten der Pandemie

Dieses ist viel unkomplizierter als jeder Besuch im Haus. 2020, als Corona neu und der Lockdown hart war, bot es die einzige Möglichkeit für Kinder und Teenies, mit einem Mitarbeiter von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Das Plauderfenster ist das Fenster zum Fezi-Büro und liegt direkt zur Straße und dem Gehweg hinaus.

Auch wenn es mittlerweile wieder andere Wege der Kontaktaufnahme gibt, wird es noch genutzt. „Viele kommen hier täglich vorbei und winken hinein“, erzählt Jaschkowitz „Dann machen wir auf und plaudern mit ihnen über die Schule oder fragen nach, wen sie gerade so treffen. Denn der Freundeskreis hat sich wegen der Kontaktbeschränkungen ja oft zwangsläufig verkleinert.“ Der große Vorteil des Fensters ist zudem, dass weniger Bürokratie anfällt. „Wenn die Kinder ins Haus kommen, müssen wir sie registrieren. Das können wir uns so sparen.“

Pandemie und Jugend

Wird es bald wieder Cliquentreffen im Freizeitzentrum, ein Tischkickerturnier im Juz nebenan oder irgendwann gar Disco im Fezi mit DJ geben?

Eher nicht, sagt der Bayerische Jugendring (BJR). Die 12. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wurde bis 6. Juni verlängert.

„Auf Basis der von der Staatsregierung bisher kommunizierten Inhalte rechnet der BJR nicht damit, dass sich die für die Jugendarbeit in Bayern geltenden Regelungen grundlegend verändern“, berichtet BJR-Sprecher Christoph Spöckner.

Für viele Jugendliche keine gute Nachricht. Manuela Sauer vom Kreisjugendring München-Stadt sagt: „Manche ziehen sich durch die Pandemie massiv zurück. Es gibt auch Jugendliche, die Gesprächsbedarf hätten, Angebote aber nicht annehmen, weil sie sich oder Familienmitglieder nicht anstecken wollen.“

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