Historisches Holz zerstört?

München: Erneuter Ärger um Restaurierung des Derzbachhofs in Forstenried

Noch verhüllt ein Gerüst den Derzbachhof. Im Sommer soll der Umbau abgeschlossen sein.
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Noch verhüllt ein Gerüst den Derzbachhof. Im Sommer soll der Umbau abgeschlossen sein.

Erneut gibt es Protest gegen den Umbau am Derzbachhof in Forstenried – Initiative fürchtet um Denkmalwert des Hauses. Was die Stadt sagt.

Forstenried - Der jahrelange Konflikt um die Sanierung des ältesten Bauernhauses Münchens ist erneut entfacht. Das geschützte Baudenkmal, der Derzbachhof, aus dem Jahr 1754 wird von der Firma Euroboden seit Frühling 2020 zu einem Wohnkomplex umgestaltet.

Obwohl das Bauprojekt an der Forstenrieder Allee in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege verläuft, sieht Claudia Kaiser von der Initiative Dorfkernensemble Forstenried den Denkmalschutz gefährdet. „Der Großteil von der historischen Holzblockbauweise wurde herausgesägt und nicht fachgerecht restauriert.“

Die Bauweise zu erhalten sei wichtig, da sie besonderes Zeugnis einer Forstenrieder Baugeschichte gebe. Jetzt hat die Initiative bei einer Mahnwache den sofortigen Baustopp gefordert.

Durch die Umbauarbeiten seien wertvolle Objekte zerstört worden, wie die Schwarzküche mit Steinofen, so Kaiser. „Das Denkmalamt unternimmt nichts dagegen“, klagt sie an.

Claudia Kaiser von der Initiative Dorfkernensemble Forstenried sieht den Denkmalschutz gefährdet.

Da der Erhalt des einsturzgefährdeten Derzbachhofs lange nicht gesichert war (Hallo berichtete), befürwortet das Landesamt für Denkmalpflege die Instandsetzung. Das Denkmal­amt sieht in der Restaurierung den „Zeugniswert durch die Maßnahmen nicht geschmälert“.

Auch das Planungsreferat erklärt, dass „die Denkmaleigenschaft des Derzbachhofs mit dem neuen Holzschindeldach erhalten bleibt“. Beide Behörden versichern, dass Teile wie Türen, Fenster und Treppen, die für die Restaurierung herausgenommen wurden, zu einem späteren Zeitpunkt wieder eingesetzt würden.

Die Firma Euroboden beruft sich darauf, dass sie mit Holzbaufirmen arbeitet, die Expertise im Denkmalschutz hätten. Es „wurden schadhafte und irreparable Bauteile herausgenommen und mit neuen Bauteilen ergänzt“. Euroboden will damit eine langfristige Lösung für das Gebäude schaffen. Noch diesen Sommer sollen die Wohnungen fertig sein.

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