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Angst vor Gentrifizierung am Candidplatz: Neubauten und Candid-Tor könnten Untergiesing unerschwinglich machen

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Von: Katrin Hildebrand

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Das Ärztehaus soll teilweise dem neuen Candid-Tor weichen.
Das Ärztehaus soll teilweise dem neuen Candid-Tor weichen. © Katrin Hildebrand

Anwohner in Untergiesing befürchten, dass das Prestigeprojekt Candid-Tor und weitere Neubauten die Mieten in die Höhe treiben – für Wohnungen und Gewerbe.

Es ist laut. Es ist nicht überall schick. Und es ist noch erschwinglich. Im Viertel um dem Candidplatz gibt es kleinere Läden und Münchner mit kleinerem Geldbeutel. Viele von ihnen haben Angst, dass sich das bald ändern könnte.

Eine Gruppe von Anwohnern, die sich „Mieterinnenrat“ nennt, hat nun beim BA Alarm geschlagen: Sie befürchtet, dass das Prestigeprojekt „Candid-Tor“ sowie Wohnungsneubauten die Mieten in die Höhe treiben.

*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

 Angst um Gentrifizierung am Candidplatz - Steigen bald die Mieten?

„Mein Gehalt geht jeden Monat für die Miete drauf“, sagt Melanie Walker. Sie wohnt mit Ehemann und Tochter in einer 84 Quadratmeter großen Wohnung der Gewofag. Die kostet knapp 1200 Euro warm. „Wir arbeiten beide im Hotel, können uns das Viertel gerade noch leisten.“

Sie und ihre Nachbarn glauben, dass die Mieten steigen werden – für Wohnungen und Gewerbe. Ihre Sorgen haben sie nun dem BA mitgeteilt. „Das Candid-Tor ist unser Giesing-Gate“, klagten sie gegenüber dem Gremium – in Anspielung darauf, dass das englische Wort „Gate“ Tor bedeutet und das Wort Giesing-Gate an die Watergate-Affäre erinnert, die ab 1969 die USA erschütterte. Das Tor soll auf der Verkehrsinsel an der Candidbrücke entstehen (Hallo berichtete) und das Ärztehaus zum Teil ersetzen.

Ein Hamburger und ein Starnberger Projektentwickler planen, Teile des Bestands abzureißen und einen 64 Meter hohen Wabenbau für Gewerbe und Läden hinzusetzen. Der Starnberger Investor „Ehret + Klein“ spricht von einer „Aufwertung des Grundstücks unter der Brücke“.

Das „Candid-Tor“
Das „Candid-Tor“ © Ehret + Klein

Quartiersaufwertung oder Gentrifizierung? Was bringt das Candid-Tor für Untergiesing?

Stadtrat Stefan Jagel (Die Linke) sagt: „Dadurch gäbe es tatsächlich eine Quartiersaufwertung.“ Doch diese habe auch negative Folgen: „Durch die neuen Läden im Candid-Tor würden kleinere Geschäfte im Viertel verdrängt und die Mietpreise für Gewerbe steigen.“

Dasselbe befürchten Walker und der „Mieterinnenrat“ auch für Wohnraum. Denn: An der Nordwestseite des Mittleren Rings sollen Neubauten entstehen, einige gibt es sogar schon. Früher gehörte das Areal – auch Candid-Carré genannt – der GBW AG. Diese verkaufte die Wohnungen 2010 an ein Unternehmen.

Heute ist der Grund im Eigentum einer Tochtergesellschaft der Grünwalder Vermögensverwalter KGAL. Laut SZ ist in einer Vorlage des Kommunalreferats die Rede von Zielmieten zwischen 15,50 bis 26 Euro pro Quadratmeter. Bis Redaktionsschluss äußerte sich die Eigentümerin auf Hallo-Anfrage jedoch nicht zu Bauprojekt und Mieten.

Joseph Högl vom Mieterbeirat sieht das Carrée als „Beispiel für eine Neubau-Gentrifiziertung. Gegenüber ist ja das Osram-Gelände mit 450 mehrheitlich hochpreisigen Wohnungen. Die Projekte wirken ja zusammen.“ Seiner Einschätzung nach werde auch das Candid-Tor für Teuerung sorgen – auf dem Gewerbe-Mietmarkt.

Der BA Untergiesing-Harlaching erwägt nun eine Einwohnerversammlung. Dietlind Alber (Grüne), Vizevorsitzende des Unterausschusses Bau, sagte: „Bürgerbeteiligung ist uns sehr wichtig. Wir wollen zudem, dass uns die Investoren das Projekt im BA vorstellen.“

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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