Seiltanz um Kostenübernahme

Scheitert Eichhörnchen-Querungshilfe in München am Geld? 

Eichhörnchen nutzen die 2015 installierte Luftbrücke über die Dantestraße.
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Eichhörnchen nutzen die 2015 installierte Luftbrücke über die Dantestraße.

In München gibt es eine Querungshilfe für Eichhörnchen über die befahrene Dantestraße. Der BA möchte, dass noch weitere Seile in der Stadt installiert werden. Das könnte nun allerdings am Geld scheitern.

Gern - Eine Videokamera belegt es: Das Eichhörnchenseil über die Dantestraße, welches der Verein Aktion Tier 2015 dort gespannt hat, wird von den possierlichen Nagern als sichere Brücke über die gefahrvolle Straße angenommen.

Dass Artgenossen an anderer Stelle im Stadtteil auch eine solche Querungshilfe bekommen werden, scheint angesichts der jüngsten Debatte im BA Neuhausen-Nymphenburg jedoch eher unwahrscheinlich. Das Gremium tut sich mehrheitlich schwer mit den Kosten und – so wirkt es – zum Teil auch mit der Kommunikation.

Doch von Anfang an: Vor gut einem Jahr hat der BA beantragt, dass nach dem erfolgreichen Pilotprojekt in der Dantestraße auch in der Braganza- und Hanebergstraße Eichhörnchenseile installiert werden sollen. Die Stadt lehnte jedoch ab.

Eine Sprecherin erklärt auf Hallo-Anfrage: „Eichhörnchenseile auf öffentlichem Grund stellen Sondernutzungen dar, die von den Bezirksinspektionen des Kreisverwaltungsreferates bearbeitet werden.“ Zwar prüfe die Stadt entsprechende Anträge „wohlwollend“. „Die Anbringung erfolgt allerdings nicht durch die LHM, sondern obliegt ebenso wie die Pflege und Instandhaltung dem jeweiligen Genehmigungsnehmer.“

Die Kosten für weitere Seile kann der Verein nicht tragen

Deshalb wandte sich der BA schließlich an den Verein Aktion Tier mit Sitz in Berlin und bekam von der Verantwortlichen Ursula Bauer ein konkretes Angebot: Der Verein kümmere sich gerne um Planung, Umsetzung und die regelmäßige Kontrolle des Seils. Die Kosten aber könne der Verein nicht tragen. Es geht um einmalig 3250 Euro für die Realisierung plus jährliche Folgekosten in Höhe von 500 Euro.

„Das ganze Projekt ist doch größer, als am Anfang gedacht“, informierte Christine Rustler (Grüne) vom Unterausschuss Umwelt nun ihre BA-Kollegen. Eine einmalige Förderung könne er sich vorstellen, laufende Kosten aber könnten aus dem BA-Budget nicht finanziert werden, ergänzte Nikolai Lipkowitsch (Grüne).

„Uns ist nicht wirklich klar, ob die Seile auch angenommen werden“, streute Jörn Retterath (SPD) weitere Bedenken ein. Und Felix Meyer (FDP) schlug vor, der Verein möge zuerst einen offiziellen Zuschussantrag stellen, dann könne der BA darüber entscheiden. Nima Lirawi (CSU) dagegen appellierte dafür, dem Verein zumindest zu signalisieren, ob der BA noch interessiert und förderwillig sei oder nicht. Doch das lehnte die Mehrheit des Gremiums ab und nahm das Ganze – unter wiederholten Sympathiebekundungen für Eichhörnchen im Allgemeinen – schließlich zur Kenntnis.

Eichhörnchenseil auf Eis gelegt?

Lirawi, der den BA-Antrag 2020 initiiert hatte, ist davon maßlos enttäuscht. „Ich habe für die Prioritätensetzung des BA hier kein Verständnis. Mit dem Geld, das der BA vergangenes Jahr für einen zweiten Christbaum auf dem Rotkreuzplatz ausgegeben hat, hätte man das Eichhörnchenseil zehn Jahre lang finanzieren können,“ ärgert er sich. Zudem sei es nicht so ungewöhnlich, dass der BA bei einem willkommenen Projekt ein entsprechendes Signal an den Antragsteller richte. „Das Gremium wollte seine Möglichkeiten hier nicht nutzen“, so Nima Lirawi.

Für Ursula Bauer von Aktion Tier liegt das Projekt damit erstmal auf Eis: „Wir haben so viele Anfragen aus anderen Städten. Da wäre es unfair, wenn wir in München auch noch ein zweites Seil finanzieren würden.“ Allerdings bleibe sie jederzeit gesprächsbereit.

„Wir stehen Gewehr bei Fuß. Wenn es doch noch einen Weg gibt, das zu realisieren, dann helfen wir gerne“, so Bauer auf Hallo-Anfrage. Und weiter: „Falls es rein an den Folgekosten scheitern sollte, können wir darüber reden.“ Bleibt abzuwarten, ob der BA das möchte.

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