Echtes Straßendrama 

Giesings Poesieboten zeigen den „Jedermann“ auf Bairisch – als Kulisse dient der Stadtteil selbst

Das Ensemble des „Jedamo“.
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Das Ensemble des „Jedamo“.

Im Oktober findet in Giesing etwas ganz Besonderes statt: Im Stadtviertel führen die Poesieboten die Tragödie „Jedermann“ auf und zwar im bayerischen Dialekt. Erfahren Sie mehr.

Obergiesing - Feldmüllersiedlung und Umgebung werden zur Freilichtbühne. Vor der Uhrmacherhäusl-Ruine oder rund um die Heilig-Kreuz-Kirche tummeln sich Tod, Teufel, Buhlschaft, „Jedamo“ und Gott.

An den Sonntagen 10. und 17. Oktober zeigen die Poesieboten die Tragödie „Jedermann“ auf Bairisch.

Hans Senninger hat das Originalstück von Hugo von Hofmannsthal bearbeitet und auch gekürzt. Der 78-Jährige ist gebürtiger Niederbayer, langjährige Giesinger und von Beruf Architekt. Erst nach seiner Pensionierung ist er unter die Dichter gegangen.

Sein Talent als bairischer Dramatiker entdeckte er 2018, als er für das Münchner Faust-Festival Goethes berühmtes Werk zum Mundart-Theater machte. Auch dieses wurde in der Feldmüllersiedlung gezeigt. „Sie bietet uns eine kostenlose Kulisse“, sagt Senninger.

Das Ensemble des „Jedamo“ besteht aus 20 Personen. Fünf davon sind keine Darsteller, sondern Musiker. Sie begleiten die Truppe durchs Viertel.

Hans Senninger (l.) mit Katharina Schweissguth von den Poesieboten. Im Stück versteigert sie ein bekanntes Grundstück der Feldmüllersiedlung – daher der Hammer.

Gitarristin Susanne Aachatz sagt: „Mit meiner Gitarre unterm Arm ist das nicht schwer, für die Percussioninstrumente gibt es eine extra Kraxe, in der sie durch die Gegend getragen werden.“

Stolze 17 Stationen steuern sie an. Das kann dauern. Bei den Salzburger Festspielen, die den „Jedermann“ jedes Jahr im Programm haben, war die Inszenierung heuer zwei Stunden lang. Die Giesinger Theaterkünstler, fast alles Laien, peilen nun sportliche 90 Minuten an.

Wer mitspielt, tut das aus reiner Leidenschaft. Das Geld der Sponsoren Soziale Stadt Giesing, Volkshochschule und Förderverein Bairische Sprache fließt unter anderem in Texthefte und Flyer.

Auch sei es gar nicht leicht gewesen, Mundartsprecher zu finden, so Senninger. Doch zum Glück hat es für die Besetzung gereicht. Die ist originell. Gott ist eine Frau. Und auch der Teufel ist etwas Besonderes. Er darf original Schwäbisch schwätze.

Der Eintritt ist frei. Los geht’s um 15 Uhr an der Goldwand, Untere Grasstraße. Bitte unter info@poesiebriefkasten.de anmelden.

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