Tabus überwinden

Sterbehilfe in Gräfelfing: Neue Leiterin für Hospizdienst der Malteser

Yvonne Bär leitet seit September die Hospizdienste der Malteser mit Sitz in der Gräfelfinger Bahnhofstraße.
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Yvonne Bär leitet seit September die Hospizdienste der Malteser mit Sitz in der Gräfelfinger Bahnhofstraße.

Der Hospizdienst der Malteser in Gräfelfing bekommt eine neue Leiterin: Yvonne Bär. Wo sie davor war, was sie an der Arbeit bei den Maltesern gereizt hat und was sie verändern will.

Gräfelfing - Mehr Angebote, mehr Professionelle und Ehrenamtliche: Bei der Sterbehilfe hat sich im Raum München über die vergangenen Jahre enorm viel getan. Auch dank den Hospizdiensten der Malteser in Gräfelfing.

Dort ist jetzt eine neue Ära angebrochen: Seit September leitet die Gautingerin Yvonne Bär (57) die ambulanten Hilfs- und Beratungsdienste.

„Anfangs hatte ich großen Respekt vor meiner neuen Aufgabe: Ina Weichel war über 20 Jahre in der Hospizarbeit, hat vieles aufgebaut. Das kann man nicht einfach ersetzen“, sagt Bär, die seit Juli von ihrer Vorgängerin eingearbeitet wurde. „Aber sie hat mir viel Mut gemacht, dass es wichtig ist, dass irgendwas Neues kommt. Das Gute, das bleibt ja.“

Dabei hat Bär selbst jede Menge Erfahrung. 2007 machte sie einen Kurs zur Hospizhelferin. „Im Jahr davor gab es so viele Todesfälle in meinem persönlichen Umfeld, dass ich mich mit dem Thema mehr beschäftigen musste“, erinnert sich die 57-Jährige.

„Letzte-Hilfe-Kurse“ auch für Kinder und Pflegekräfte

Sie studierte Sozialpädagogik, arbeitete zuletzt bei der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München. Was sie an der Arbeit bei den Maltesern gereizt hat? „Hier sind Erwachsenen- und Kinderhospizdienst unter einem Dach. Das ergänzt sich gut.“ Insgesamt führt sie nun fünf Hauptamtliche und über 120 Ehrenamtliche an.

In all den Jahren hat sie vor allem Eines gelernt: „dass das Sterben eine sehr intensive Phase mit der Familie ist, in der man sich nochmal anders begegnet. Eine wichtige Zeit, die man nicht einfach wegschieben sollte“. Genau das passiert aber noch oft. „Dabei ist es wichtig, den Tod nicht zu tabuisieren“, meint Bär.

Darum will sie die „Letzten-Hilfe-Kurse“ – mit denen die Malteser Menschen seit 2018 Mut und Wissen an die Hand geben, um sich um ihre sterbenden Angehörigen zu kümmern – weiter ausbauen.

Im kommenden Jahr soll ein Angebot für Kinder- und Jugendliche dazukommen. Angedacht ist auch ein Kurs speziell für Pflegekräfte. „Erstaunlicherweise gibt es auch dort noch Berührungsängste, wenn es ums Sterben geht. Viele Leute werden lieber in die Klinik geschickt“, so die neue Leiterin.

In der Position kann sie 2022 auch ein besonderes Jubiläum feiern: Der Hospizdienst in Gräfelfing wird 25 Jahre alt. „Das wollen wir Mitte des Jahres mit einem großen Festabend im Bürgerhaus Gräfelfing feiern.“

Letzte Hilfe: Neuer Kurs

Im Herbst starten die Malteser in Gräfelfing einen neuen „Letzte-Hilfe-Kurs“, bei denen Angehörige und Freunde erfahren, wie sie für die ihnen Nahestehenden am Ende des Lebens da sein können.

Dieser findet am Donnerstag, 11. November, im Dietrich-Bonhoeffer-Haus Martinsried, Einsteinstraße 9, statt und dauert von 14.30 Uhr bis 18 Uhr. Die Teilnahme ist nur unter 3G-Regeln möglich und kostet fünf Euro. Mehr Infos unter www.letztehilfe.info.

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