Verkaufsflächen im Freien?

Schanigärten in München für Einzelhändler? – CSU befürchtet „Eindruck eines Basars“

Auf den Parkplätzen vor Thomas Voglgsangs Laden könnte ein Händlergarten entstehen.
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Auf den Parkplätzen vor Thomas Voglgsangs Laden könnte ein Händlergarten entstehen.

Die Grünen wollen den Kleingewerbetreibenden Verkaufsflächen in Haidhausen im Freien geben. Die CDU denkt es könnte ein Eindruck eines Basars entstehen.

Au-Haidhausen - Not macht erfinderisch. Im vergangenen Jahr begeisterten die Schanigärten auf Straßen und Gehsteigen Gäste und Wirte. Nun brachte die Pandemie den BA Au-Haidhausen auf eine Weiterentwicklung dieser Idee.

Martin Wiesbeck (Grüne) forderte in einem Antrag, auch Einzelhändlern, die von den Lockdown-Schließungen betroffen sind, Freiflächen zur Verfügung zu stellen. Dort könnten sie ihr Angebot im Sommer präsentieren.

Wiesbeck selbst ist als Apotheker von den Einschränkungen nicht betroffen. Doch er weiß, wie es vielen Kleingewerbetreibenden in Haidhausen geht.

„Bei vielen ist nichts mehr unter der Matratze“, sagt er. „Ich traf neulich eine betroffene Gewerbetreibende auf der Straße und fragte sie: ‚Wie geht’s?‘ Die Frau brach in Tränen aus.“

In einem Gespräch mit Händlern entstand darauf die Idee, dass sich kleine Geschäfte auf Parkplätzen vor dem Laden präsentieren könnten. „Klar, die Autostellplätze fallen dann weg“, räumt Wiesbeck ein, „aber auf der anderen Seite stehen hier Existenzen auf dem Spiel.“

Thomas Voglgsangs (Foto unten) Existenz fußt auf seinem Buchladen. „Buch & Töne“ gibt es in München dreimal. Das Stammhaus, in dem Voglgsang selber werkelt, liegt in der Weißenburger Straße.

Besitzer des Buchladens Buch & Töne: Thomas Voglgsang.

Aktuell darf er einzelne Kunden empfangen. Auch können Leute ihre Ware an der Tür abholen. Aber draußen mit Buchständern werben – das geht gerade nicht. „Wenn nichts draußen steht, weiß doch keiner, dass wir Händler im Laden sind.“ Die Pandemie kostete Voglgsang bisher die Hälfte der Einnahmen gewöhnlicher Jahre.

„In der Not hoffe ich nicht auf die Stadt, sondern gehe lieber selbst mit anderen Betroffenen in die Offensive.“ Die Idee der Händler-Schanigärten gefällt ihm.

Andreas Micksch (CSU), zweiter stellvertretender BA-Vorsitzender, sagt: „Zwei Herzen schlagen in meiner Brust: Wir sollten den Händlern helfen, aber auch keine wertvollen, anderweitig genutzten Flächen versperren. Zudem könnte der Eindruck eines Basars entstehen.“ Der BA wird wohl am Mittwoch, 21. April, über den Antrag entscheiden.

hil

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