Lehrbuchmangel an Schulen

Wegen G9 und Corona: Münchner Gymnasien bekommen Lehrmittel erst Wochen nach Schulstart

Die neunten Klassen Münchner Gymnasien müssen derzeit aus veralteten Büchern lernen – die aktualisierten Versionen lassen bei vielen Fächern noch auf sich warten.
+
Die neunten Klassen Münchner Gymnasien müssen derzeit aus veralteten Büchern lernen – die aktualisierten Versionen lassen bei vielen Fächern noch auf sich warten.

Obwohl die Schule in Bayern bereits ab Mitte September wieder begonnen hat, fehlen in einigen Münchner Gymnasien immer noch Lehrbücher. Wie das mit Corona und G9 zusammenhängt.

München - Chemie, Deutsch, Geschichte, Englisch – die Liste der fehlenden Schulbücher, die sich Wolfram Janke aufgeschrieben hat, ist lang. „In den neunten Klassen fehlen die gedruckten Lehrmittel für neun Fächer“, zählt der stellvertretende Direktor des Pasinger Max-Planck-Gymnasiums auf.

Janke weiß, warum: „Es ist der erste Klassenzug, der von der Umstellung des achtjährigen Gymnasiums auf G9 betroffen ist.“ Das Problem: Der Lehrplan hat sich gänzlich geändert, die alten Bücher können nicht mehr verwendet werden. „Ich verstehe nicht, dass sich niemand rechtzeitig gekümmert hat“, ist der Rektor ratlos.

Bei Gabriele Jahreiß-Walther, Schulleiterin am Theresien-Gymnasium in der Ludwigsvorstadt, fehlen Bücher für Geschichte, Italienisch und Französisch. Ob sie kommen, weiß sie nicht: „In Französisch scheint es noch kein genehmigtes Buch zu geben.“

Dabei wurde schon 2017 beschlossen, die Schul-Re-Reform in Bayern durchzuziehen. Immerhin: Die städtischen Schulen haben laut Referat für Bildung und Sport (RBS) bisher kein Fehlen von Büchern gemeldet.

Staatsministerium für Unterricht und Kultur nicht verantwortlich?

Das Staatsministerium für Unterricht und Kultur bestätigt auf Hallo-Nachfrage den Mangel an den Münchner Gymnasien, sieht sich aber nicht in der Verantwortung. „Die Erstellung von Schulbüchern liegt bei Schulbuchbuchverlagen, die beim Ministerium eine Zulassung einreichen.“

Zwei unabhängige Prüfer gingen die Vorlagen durch, gäben dann ihre Korrekturen und Nachbesserungen in Auftrag, das Kulturministerium erteilt schließlich die Zulassung.

Das dauert Monate – bis hin zur Freigabe kann mehrmals überarbeitet und korrigiert werden. Erst wenn die Schulen beim Verlag bestellen, erfolgt der Druck der Exemplare.

Dass Corona-bedingt Papier knapp, der Markt für Altpapier leergefegt ist, sei ein weiteres Problem, sagt Janke. Als stellvertretender Vorsitzender des bayerischen Philologenverbands schrieb er nun an das Ministerium.

Das vertröstet die Pädagogen:

„In den Fällen, in denen Schulbücher zu Jahresbeginn noch nicht zur Verfügung stehen, werden digitale Vordrucke gestellt.“ Zudem können Unterlagen über das Internetportal „mebis“ abgerufen werden. Ein Ministeriums-Sprecher: „Jetzt sind bereits 64 Schulbücher zugelassen, 29 sind in der Finalisierung, davon sieben kurz vor der endgültigen Freigabe.“

Die Schüler vom Max-Planck-Gymnasium dürfen nun hoffen: Ihre Bücher für Englisch und Italienisch sind für diesen Monat angekündigt. Janke bleibt skeptisch: „Ob das vor den Herbstferien noch was wird, wissen wir nicht.“

Ein kleiner Trost bleibt dem Rektor: „Durch Corona gibt es Stofflücken aus den vorherigen Klassen. Die können die Kollegen jetzt noch mit den alten Schulbüchern auffangen.“

Auch interessant

Kommentare