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Haidhausen: Mieter leben nach Hausverkauf in Angst

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Von: Katrin Hildebrand

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Das denkmalgeschützte Haus in der Milchstraße wurde verkauft.
Das denkmalgeschützte Haus in der Milchstraße wurde verkauft. © Katrin Hildebrand

München-Haidhausen: Denkmalgeschützter Bau verkauft, Mieter fürchten um ihre Wohnungen – neuer Eigentümer noch unbekannt

Haidhausen - Die Bewohner haben Angst. Angst, ihre Wohnungen zu verlieren. Erst Ende September haben sie erfahren, dass das denkmalgeschützte Haus in der Milchstraße 1, in dem sie eine gut funktionierende Gemeinschaft bilden, verkauft wurde – durch einen Brief der Alteigentümer, der bei ihnen im Kasten lag. Wer der neue Eigentümer ist, wissen sie nicht. Doch sie haben Angst, dass das Anwesen luxussaniert werden könnte und sie ihre Wohnungen verlieren. Nun bitten sie die Stadt um Hilfe. Sie soll das Anwesen kaufen und an ihre Wohnungsgesellschaften übergeben.

Milchstraße: Sanierung des Hauses aufgrund teils schlechten Zustands zu erwarten

„Wir dachten niemals, dass das Haus verkauft werden würde“, sagt Guido Tahedl. „Wir haben aktuell nur die Info, dass wohl eine Münchner Familie dahintersteckt.“ Die Unsicherheit nagt an allen Bewohnern. Zehn Mietparteien leben aktuell in dem Neorenaissance-Bau, der 1887 errichtet wurde. 18 Erwachsene und zehn Jugendliche, darunter ein Kind mit Behinderung. Einige der Älteren stehen kurz vorm Rentenalter, andere Mieter wiederum sind Freiberufler und Künstler.

Die Mieter der Milchstraße 1 bitten die Stadt um Hilfe.
Die Mieter der Milchstraße 1 bitten die Stadt um Hilfe. © Katrin Hildebrand

Tahedl arbeitet bei der Post. Er und seine Familie sind 2007 eingezogen. „Das Haus befindet sich zumindest teilweise in bescheidenem Zustand, eine Wohnung steht seit Jahren leer“, sagt der Postler. „Es gibt außerdem noch eine Wohnung mit Toilette auf dem Gang, die ist natürlich günstiger. Und im Keller sind noch die alten Kohlerutschen.“ Eine aufwändigere Renovierung oder Sanierung sei daher nicht unrealistisch.

Haidhausen: Im Viertel gilt Erhaltungssatzung und Vorkaufsrecht der Stadt

Das Gebäude liegt allerdings im Erhaltungssatzungsgebiet. Das heißt: Bauliche Maßnahmen oder Modernisierungen dürfen nicht zu einem überdurchschnittlichen Wohnungsstandard führen. Damit sollen hohe Mietsteigerungen verhindert werden. Auch die Umwandlung von Mietwohnraum in Eigentumswohnungen ist erschwert.

Und noch viel wichtiger: Die Stadt hat ein Vorkaufsrecht, das sie unter Umständen bis zu zwei Monate nach Verkauf ausüben kann. Die Mieter um Guido Tahedl wollen, dass sie es nutzt. „Es wäre ja für die Stadt keine Verlustsache“, sagt Tahedl. „Das Haus bliebe ja vermietet.“ Den Stadtrat haben die Mieter schon angeschrieben. Er könnte schon Mitte Dezember darüber entscheiden.

Mieterbeirat: Stadt hat nicht das Geld, alle gefährdeten Häuser zu kaufen

Rickie Dörrie vom Mieterbeirat der Stadt kennt und versteht die Ängste der Hausbewohner. Genaue Zahlen lägen nicht vor, doch: „Allgemein gesprochen, haben wir in fast allen Stadtbezirken mit diesem Problem zu kämpfen, dass Bürger darauf hoffen, die Stadt solle innerhalb der Erhaltungssatzung ihr Vorkaufsrecht ausüben.“ Das sei aber vielfach nicht möglich. So hat mancher Eigentümer bereits eine Abwendungserklärung unterzeichnet und sich damit verpflichtet, weder Eigentumswohnungen daraus zu machen noch luxuszusanieren.

In diesem Fall entfällt das Recht der Stadt. Die ist zudem kein Krösus. Dörrie: „Es muss gesagt werden, dass die angespannte Haushaltslage der Landeshauptstadt einen engen Rahmen setzt – hier sollten der Freistaat Bayern und der Bund dringend mehr Geld zur Verfügung stellen. Das Mantra ,Der Markt wird’s richten‘, wie es einige Parteien heute noch predigen, war ein fataler Fehler, der sofort korrigiert werden muss.“

Zwei ähnliche Fälle in Au-Haidhausen

In Au-Haidhausen gibt es aktuell zwei ähnliche Fälle. Bei der BA-Sitzung klagten auch Mieter der Balanstraße 31 über den Verkauf des Anwesens. „Wir wurden komplett überrascht“, sagte einer von ihnen. Auch ihre Wohnungen liegen innerhalb der Erhaltungssatzung. Sie hoffen nun ebenfalls auf die Stadt München. Ein weiterer Fall könnte bald in der Oberen Au auftauchen, wie eine Anwohnerin bei der Sitzung berichtete.

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