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Stadtstamm „Pegasus“ braucht nach Kündigung neue Heimat – Lokalpolitik soll Suche unterstützen

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Von: Katrin Hildebrand

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Den Hochbunker mussten die Pfadfinder verlassen. Stammesführerin Alva und ihr Vater suchen nun für die Gruppe einen neuen Unterschlupf
Den Hochbunker mussten die Pfadfinder verlassen. Stammesführerin Alva und ihr Vater suchen nun für die Gruppe einen neuen Unterschlupf © Katrin Hildebrand

Die Pfadfinder-Gruppe „Pegasus“ ist auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Nur ungern würden sie als Stadtstamm rausziehen, deshalb will der BA helfen.

München-Ost - Aktuell sind sie in einer Kita untergebracht. Aber das ist nur eine befristete Lösung für den Winter. Auf Dauer brauchen die Pfadfinder vom Stamm Pegasus ein neues festes Heim – am besten in Au-Haidhausen, Giesing, Untersendling, im Glockenbachviertel, Lehel oder in der Isarvorstadt. Aus diesem Umfeld kommen auch die Mitglieder.

Es ist schon das zweite Mal innerhalb weniger Jahre, dass die Pfadfinder obdachlos geworden sind. Erst 2017 mussten sie nach knapp 20 Jahren aus ihrem langjährigen Zuhause an der Pestalozzistraße raus. Der Grund: Dort sollte ein Infozentrum für den Alten Südlichen Friedhof Platz finden. Dieses gibt es bis heute nicht, aktuell ist dort unter anderem die Straßenreinigung untergebracht.

Nun wurde Pegasus auch die Anschluss-Unterkunft im Hochbunker an der Quellenstraße in der Au gekündigt, die sie fünf Jahre lang innehatten. „Es gab mit einem einzelnen Mitglied Ärger, weil es sich nicht an die Regeln gehalten hat“, erklärt Stammesführerin Alva den Grund. Das Mitglied musste daraufhin die Gruppe verlassen. Die anderen aber sind nun seinetwegen auf der Suche nach neuen passenden Räumen.

Pfadfinder auf Quartier-Suche: Stadtstamm will in der Stadt bleiben

Raus aus München wollen sie nicht. „Pegasus war schon immer ein Stadtstamm und musste sich leider aufgrund der städtischen Raumnot schon öfter eine neue Bleibe suchen“, berichtet Holger Viehmann, Alvas Vater und Vorsitzender des Fördervereins von Pegasus. Auch er war einst Pfadfinder.

Gegründet wurde Pegasus 1980. Anfangs war der Stamm provisorisch an der Nockherstraße in der Au, dann in einem Gebäude des Schyrenbades in Untergiesing untergebracht, schließlich kurz in einem Atelier der Glockenbachwerkstatt in der Altstadt. Die „Glocke“ war auch der Träger, der den Mietvertrag für den Bunker im Auftrag der Pfadis abgeschlossen hatte.

Hohe Ansprüche an neue Räumlichkeiten hat Pegasus nicht. „Küche, Toilette und ein Gruppenraum wären gut“, erklärt Viehmann. Auch eine Lagermöglichkeit – etwa für die typischen Zelte wie Jurten und Kohten – wäre fein. „Eine interessante Option wäre auch ein freies Grundstück, auf das wir einen Container und vielleicht eine feste Jurte stellen könnten.“

Pfadfinder auf Quartier-Suche: BA will bei Suche helfen

Derzeit hat Pegasus knapp über 90 Mitglieder. „Wirklich aktiv sind aber nur 30“, erklärt Alva. Diese würden die Unterkunft für Gruppenstunden mit den Kindern benötigen, außerdem für Singkreise, begleitet von der Akustikgitarre, und für Stammesräte.

„Es wäre sehr traurig, wenn es keine neuen festen Räume gäbe“, sagt Viehmann. „Der Stamm soll unbedingt überleben. Das Schöne an den Pfadfindern ist doch das Miteinander, die Tatsache, dass alle gleich sind, egal woher sie kommen, und das Prinzip, dass junge Menschen schon früh Verantwortung für andere Kinder und Jugendliche übernehmen.“

Auch der BA Au-Haidhausen hat sich mit dem Schicksal der Pfadis beschäftigt. Christine Harttmann (Grüne) erklärt: „Ein freier Stamm wie Pegasus hat eben keinen finanzstarken Träger wie etwa die Pfadfinder, die an Kirchen angeschlossen sind. Da ist es nicht leicht, Räume zu finden.“ Daher sammelt auch die Viertelpolitik Ideen. So wurde bisher unter anderem eine Zwischennutzung im Gasteig vor dem Umbau vorgeschlagen. Im Februar wollen die Pfadis ihr Problem auch im BA Untergiesing-Harlaching vorstellen.

Idee aus England

Kinder starten als Wölfling in einer Meute. Bei Pegasus sind deren Mitglieder sieben bis elf Jahre alt. Danach werden sie zu Pfadfindern, ab 16 zu Rangern und Rovern. Letztere organisieren sich selbst. Wie viele Stämme ist Pegasus Mitglied beim interkonfessionellen Jugendverband „Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder“. Als Gründer der Bewegung gilt der britische Offizier Robert Baden-Powell. 1908 veröffentlichte er ein Buch, das sich aber nur an Jungs wandte. Doch meldeten sich auch Mädchen bei den Pfadfindern, den boy scouts. 1910 gründete Roberts Schwester Agnes Baden-Powell den Bund für girl scouts, Pfadfinderinnen. 

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