Anfeindung

Hass-Mails gegen Münchner Pfarrer - weil er sich für Homosexuelle einsetzt

Wolfgang Rothe segnete im Mai als Protest gegen die Haltung des Vatikan in St. Benedikt im Westend homosexuelle Paare.
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Wolfgang Rothe segnete im Mai als Protest gegen die Haltung des Vatikan in St. Benedikt im Westend homosexuelle Paare.

Wegen seinem Einsatz für Homosexuelle wird der Münchner Pfarrer Wolfgang Rothe angefeindet - und weil er den polnischen Priester Oko wegen Volksverhetzung angezeigt hat.

  • Der Münchner Pfarrer Wolfgang Rothe setzt sich für Homosexuelle ein.
  • Für diesen Einsatz bekommt er Hass-Mails...
  • ...und auch für seine Anzeige gegen den polnischen Priester Oko wegen Volksverhetzung.

Er sei eine Schande für die katholische Kirche und diene dem Teufel – solche Nachrichten erhält der Priester Wolfgang Rothe seit einiger Zeit vielfach.

Der Perlacher Pfarrer engagiert sich schon länger gegen die Ausgrenzung von Homosexuellen in der Kirche. So segnete er im vergangenen Mai in Sankt Benedikt im Westend schwule und lesbische Paare, obwohl der Vatikan dies ablehnt. Schon damals erhielt Rothe Hassnachrichten.

Doch das ist kein Vergleich zur aktuellen Situation. Der Auslöser: Rothe hat den polnischen Priester und Theologieprofessor Dariusz Oko angezeigt, weil dieser in einem deutschen Zeitschriftenartikel Homosexuelle mit Parasiten und einem Krebsgeschwür verglichen hatte. Das Amtsgericht Köln hat gegen Oko daraufhin einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung in Höhe von 4800 Euro erlassen.

Hass-Mails gegen Münchner Pfarrer Rothe wegen seines Einsatz für Homosexuelle

Seitdem erreichen Rothe unzählige beleidigende E-Mails – meist in polnischer Sprache. Sogar der stellvertretende Justizminister Polens äußerte sich zu dem Fall und kritisierte das Urteil, gegen das Oko Einspruch einlegte, scharf.

Rothe sagt: „Das hat eine Dynamik entfaltet, die ich nicht vorhergesehen habe. Der Shitstorm gegen mich wurde durch polnische Organisationen geschürt, die der rechtspopulistischen PiS-Partei nahestehen.“ Rechtspopulisten und konservative Katholiken seien in Polen schon länger eine Allianz eingegangen. Rothe hat inzwischen die Polizei eingeschaltet, die immer wieder eine Streife bei ihm vorbeischicken will.

Trotz allem bereut Rothe seine Anzeige nicht: „Als ich den Artikel gesehen habe, habe ich mich als Staatsbürger und Christ in der Pflicht gefühlt, etwas zu unternehmen.“ Der ganze Ärger habe zudem auch etwas Positives: „Das Thema ist dadurch in die Medien gekommen.“

Der Perlacher Pfarrer Wolfgang Rothe.

Rothe sei es wichtig, Fehlentwicklungen in der Kirche aufzuzeigen und zu bekämpfen: „Es darf für Hass und Hetze keine Nischen geben“, so der Pfarrer. Auch der Staat dürfe in solchen Fällen nicht wegschauen. Deshalb freut sich Rothe über das Urteil gegen Oko. „Es zeigt, dass sich auch die Kirche an das Recht halten muss“, sagt er.

Auch die Rolle der Frau und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals kritisiert Rothe. Er selbst wurde von einem Bischof missbraucht. Doch niemand glaubte ihm.

Anfang des Jahres machte er seine Geschichte öffentlich. In seinem jüngst erschienenen Buch „Missbrauchte Kirche“, schreibt Rothe selbst über sein Schicksal. „Grund für die Missbrauchsfälle ist die überkommene Sexualmoral der Kirche. Bestimmte Kräfte haben sich hier zu Wortführern aufgeschwungen. Von ihnen muss sich die Kirche befreien und zu ihren ursprünglichen Idealen zurückkehren“, so Rothe. Mit seinem Buch will er eine Diskussion anstoßen.

Der Münchner Pfarrer Rothe ging schon früher ungewöhnliche Wege und nutzte Seine Passion für Whisky, um ein breiteres Interesse für seinen Gottesdienst zu wecken und ihnen eine andere Seite der Kirche zu eröffnen.

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