Historische Aufnahmen

Früher Hochbunker, heute Ärztehaus - so haben sich Allach und Menzing verändert

Das Schloss Blutenburg ist eines der bekanntesten historischen Gebäude in Obermenzing.
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Das Schloss Blutenburg ist eines der bekanntesten historischen Gebäude in Obermenzing.

Die Zeiten ändern sich und manchmal blickt man gerne zurück. Mit einem Stadtteilhistoriker schaut sich Hallo die historischen Plätze von Allach und Menzing an - früher und heute.

Die Hundertjährige, die aus dem Fenster schaute – nein, das ist kein neuer Buchtitel des Schriftstellers Jonas Jonasson, sondern trifft auf die Jubilarin und Zeitzeugin Johanna Schmid vom Ballauf-Hof (siehe unten) tatsächlich zu. Wenn sie heute aus ihrem Wohnzimmerfenster auf die Eversbuschstraße schaut, fließt dort der Autoverkehr. Früher kam ab und zu eine Pferdekutsche vorbei. Mit Unterstützung des Stadtteilhistorikers Dr. Walter Demmel haben wir ein paar solcher Veränderungen gegenübergestellt.  

Historischer Rückblick: Der Untermenzinger Stachus

Der Untermenzinger Stachus in den 1950er Jahren.

Das Bild zeigt eine Aufnahme aus den 1950er-Jahren mit einem Borgward im Vordergrund, damals der Stolz aller technikbegeisterten Autofahrer. Es beginnen hier die Angerloh- und die Manzostraße. Die Allacher Straße führt vorbei. Zu erkennen ist der damalige Standort der Angerloh-Apotheke und der alte Hochbunker, der 2011 abgerissen wurde und einem Ärztehaus gewichen ist.

Der Untermenzinger Stachus heute.

So sah es vor über 100 Jahren aus: Das Beer Haus

Eine Aufnahme des Beer Hauses von 1902.

Das historische Bild von 1902 zeigt Korbinian Beers Wohnhaus in der Eversbuschstraße 39. Heute kann man das renovierte Anwesen nur erkennen, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Der gelernte Maurer lebte von 1870 bis 1951 und zählte in seiner Zeit zu den erfolgreichsten Baumeistern des Münchner Westens. Als Bauunternehmer erschuf er unter anderem eine nach ihm benannte Siedlung mit über zehn kleinen Einfamilienhäusern am Rande des Angerloh-Feldes an der heutigen Wiebekingstraße. Die Korbinian-Beer-Straße befindet sich in unmittelbarer Nähe.

Eine heutige Aufnahme des Beer Hauses.

Historischer Rückblick auf Obermenzing

Wer an Obermenzing denkt, dem fällt wohl als erstes das markanteste Gebäude ein – Schloss Blutenburg. Hier lebte angeblich im Jahr 1432 Herzog Albrecht III. mit der nicht standesgemäßen Baderstochter Agnes Bernauer, die diese Liebschaft am Ende mit dem Leben bezahlen musste und in der Donau ertränkt wurde. Zum Glück gibt es auch Versöhnliches und da sind wir schon beim ersten Superlativ, der Internationalen Kinder- und Jugendbibliothek.  

Schloss Blutenburg mit der Internationalen Jugendbibliothek

Schloss Blutenburg beherbergt die weltweit größte Internationale Kinder- und Jugendbibliothek IJB. Über 500 000 Bücher in mehr als 130 Sprachen befinden sich hinter den Schlossmauern. Aufgebaut wurde sie maßgeblich von Jella Lepmann, die einst als Jüdin von den Nationalsozialisten ins Exil getrieben wurde. Ihr Ziel war es, durch Literatur für Kinder eine Brücke zum Frieden und zur Versöhnung aufzubauen. Ein Unterfangen, das in Schloss Blutenburg seit 1983 einen würdigen Raum gefunden hat. Dass das Schloss heute in einem guten Zustand ist, verdankt es nicht zuletzt dem Verein der Freunde Schloss Blutenburg. 1974 gegründet, kümmert sich der Verein um den Erhalt des Schlosses und der Außenanlagen und sorgt für die musikalische und kulturelle Belebung.  

Die älteste Gaststätte der Stadt: Der Alte Wirt

Der Alte Wirt ist das älteste Gasthaus in München.

Das nächste Superlativ liegt an der Dorfstraße 39. Hier befindet sich das älteste Gasthaus Münchens, das heute noch auf dem Münchner Stadtgebiet existiert. Erstmals im 15. Jahrhundert urkundlich erwähnt, erhielt es 1589/90 sein Aussehen, das bis heute nahezu unverändert den Obermenzinger Stadtteil prägt.

Bis heute hat sich der Alte Wirt in Obermenzing gehalten.

Veränderung im Zeitverlauf: Die Ladenzeile an der Verdistraße

Früher schon war die Ladenzeile eine beliebte Einkaufsmöglichkeit.

Lange Zeit bildete die Ladenzeile an der Verdistraße 45 eine beliebte Anlaufstelle, um auf dem Weg zum Bahnhof noch die eine oder andere Besorgung zu erledigen. Die Obermenzinger waren nicht glücklich mit dem langen Leerstand, der dort nach dem Aus für die Geschäfte herrschte. Heute ist das Einkaufen in der Ladenzeile wieder möglich. Nur die Optik hat sich stark verändert.

Auch heute ist hier wieder sorgenfreies Einkaufen möglich.

Eine 100-jährige erinnert sich

Jubilarin Johanna Schmid (M.) vor dem Ballauf-Hof mit einem Teil ihrer Familie.

Johanna Schmid feiert dieser Tage ihren 100. Geburtstag. Vor über 80 Jahren wurde sie als junges Mädchen von der Holledau auf den Ballauf-Hof an der Eversbuschstraße 42 geschickt, um ein damals übliches Pflichtjahr in der Landwirtschaft zu absolvieren. Hier lernte sie ihren späteren Mann kennen, den Sohn des Bauern. Zwei Töchter, fünf Enkel und neun Urenkel hat die rüstige Dame heute um sich. So wie sich der Hof im Lauf der Jahre verändert hat, hat sich auch ihre Umgebung gewandelt. „Früher fuhren die Pferdekutschen am Hof in der Eversbuschstraße vorbei“, erinnert sich Schmid. „Heute sieht man beim Blick aus dem Fenster die Autos. Und früher kannte ich noch jeden, der vorbeiging. Es ist anonymer geworden, und die kleineren Läden um die Ecke, wie der Kramer oder das Milchgeschäft, sind alle verschwunden.“ Auch auf dem Hof selbst wird im Gegensatz zu früher nichts mehr verkauft. Noch in den 50er-Jahren gehörten 800 Hühner sowie zahlreiche Kühe, Kälber, Pferde und Schweine zum Hof. Heute betreibt die Familie den landwirtschaftlichen Betrieb mit Schwerpunkt Ackerbau. 

Der bereits im 17. Jahrhundert urkundlich erwähnte Hof „Beim Ballauf“ auf einem Foto von 1925 mit einem Knecht (l.) und Mitgliedern der damaligen Familie.

Gabriele Uelses

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