Scharfe Kritik an Impfstrategie

Nur sinnvoll, wenn genug Corona-Impfstoff da ist ‒ Münchens OB Reiter kritisiert Ende der Impf-Priorisierung

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter.
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Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter sieht die Aufhebung der Impf-Priorisierung kritisch (Symbolbild).

Die Impf-Priorisierung soll ab 7. Juni entfallen. Münchens OB Reiter sieht die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Spahn kritisch. Es gebe nicht genug Corona-Impfstoff.

  • Impf-Priorisierung soll ab 7.Juni entfallen.
  • Münchens OB Reiter sieht Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Spahn kritisch.
  • Es fehle noch genug Corona-Impfstoff.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sieht die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), nach der die Impf-Priorisierung ab 7. Juni wegfällt, kritisch. Sie wecke falsche Erwartungen, so Reiter am Dienstag.

Es gebe noch immer nicht genügend Corona-Impfstoff. „Während vom Wegfall der Priorisierung die Rede ist und von Erleichterungen und Reisemöglichkeiten für Geimpfte, sollte allen klar sein, dass die Mehrheit der Bundesdeutschen noch immer auf ein erstes Impfangebot wartet.“

Das Münchner Gesundheitsamt beispielsweise sei erst am Montag vom bayerischen Gesundheitsministerium darüber informiert worden, dass das Impfzentrum in den kommenden Wochen kaum noch Erst-Impfungen durchführen könne, damit genug Impfstoff für die Zweitimpfungen zur Verfügung stehe.

„Das ist nicht die Strategie, die ich mir vorstelle und erfüllt auch nicht das, was uns Kommunen von Monat zu Monat immer wieder aufs Neue zugesagt wurde: Im März, nein im April, nein im Mai, nein jetzt aber wirklich: im Juni soll es endlich ausreichend Impfstoff für alle geben, die sich gegen Corona impfen lassen wollen. Die Realität vor Ort sieht anders aus“, empörte sich Reiter.

Rund 20.000 Impfungen könnten Impfzentrum, die Betriebsärzte, die Kliniken und Hausärzte in München täglich durchführen, jedoch fehle es an Impfstoff.

Münchens OB Reiter sieht Ende der Impf-Priorisierung am 7. Juni kritisch

In knapp drei Wochen soll die Impf-Priorisierung enden. Gesundheitsminister Spahn bat am Montagabend nach Beratungen mit seinen Länderkollegen die Menschen aber um Geduld. „Dass am 7. Juni oder auch in der Woche des 7. Juni alle, die wollen, geimpft werden können, das kann ich ausdrücklich nicht sagen“, erklärte der CDU-Politiker in den ARD-„Tagesthemen“. „Das heißt nicht, dass wir dann alle binnen weniger Tage impfen können. Ich muss weiterhin auch da um Geduld bitten.“ Man werde bis in den Sommer hinein brauchen, um alle, die wollen, auch impfen zu können.

Die seit dem Impfstart vor fünf Monaten eingeführten Vorranglisten nach Alter, Erkrankungen und Beruf sollen dann in Praxen und regionalen Impfzentren wegfallen. Ab 7. Juni sollen auch Betriebs- und Privatärzte regulär mitimpfen.

In Bayern kündigte Ministerpräsident Söder (CSU) an, die Impf-Priorisierung in Bayern aufzuheben - jedoch erst nur bei den Hausarztpraxen.

dpa/LHM/jh

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