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Inflation & Wegfall der Corona-Hilfen: Private Kliniken am Finanz-Tropf?

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Ein Patient liegt in einer Münchner Klinik am Tropf. Um ihren Gesundheitsaufgaben weiter nachgehen zu können, hoffen vor allem private Krankenanstalten auf finanzielle Hilfen.
Ein Patient liegt in einer Münchner Klinik am Tropf. Um ihren Gesundheitsaufgaben weiter nachgehen zu können, hoffen vor allem private Krankenanstalten auf finanzielle Hilfen. (Symbolbild) © dpa/Sven Hoppe

Münchner Privatkliniken geraten zunehmend in finanzielle Not. Das hat vor allem mit der steigenden Inflation und der Corona-Pandemie zu tun. Münchner Häuser äußern sich:

MÜNCHEN Die allgemeinen Preissteigerungen treffen auch Münchner Privatkliniken. Der Verband privater Krankenanstalten in Bayern (VPKA) mit Sitz in Berg am Laim fordert darum einen Inflationsausgleich. „Wenn die Politik nicht reagiert, steuern immer mehr Einrichtungen auf das finanzielle Aus zu – mit gravierenden langfristigen Folgen für die Bevölkerung“, warnt der VPKA-Geschäftsführer Michael Strobach.

Auf Hallo-Anfrage bestätigen auch mehrere Privatkliniken in München und dem Umland die finanziell schwierige Situation. „Wir Krankenhäuser müssen die Kostensteigerung voll tragen und haben keine Möglichkeit wie in anderen Wirtschaftsbereichen, unsere Preise zu erhöhen“, erklärt der Geschäftsführer der Wolfartklinik in Gräfelfing (Lkr. München), Jörg-Tilmann Götzner.

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Die Corona-Inzidenz sowie die Covid-Patienten auf Intensivstationen der Kliniken in München und Bayern am Dienstag.

Finanznot in Privatkliniken: Einnahmen durch Corona-Pandemie weggebrochen

Denn die Häuser litten noch an den Folgen der Pandemie: Weil planbare Operationen verschoben und Betten für Corona-Patienten freigehalten werden mussten, seien Einnahmen weggebrochen. Um bis zu 20 Prozent sei der Umsatz bei der Wolfartklinik laut Götzner zurückgegangen – und damit pro Jahr um bis zu vier Millionen Euro. Dies sei nur zum Teil durch Ausgleichszahlungen von Bund und Ländern kompensiert worden. Und zum 30. Juni seien diese Hilfen nun vollständig ausgelaufen.

„Es ist dringend notwendig, die Corona-Ausgleiche fortzuführen, da absehbar ist, dass sich die Belegungszahlen nicht vollständig erholen werden und im Herbst wieder mit steigenden Infektionsraten zu rechnen ist“, fordert Götzner. „Nur mit einer finanziellen Absicherung können die Häuser planen und dann auch die notwendigen Kapazitäten vorzuhalten.“

Ähnlich sieht das die Asklepios Klinik in Gauting. „Wir sind der Ansicht, dass Krankenhäuser für diese schwierige Lage dringend Planungssicherheit und Refinanzierungshilfen benötigen, unabhängig vom Träger“, teilt Sprecherin Beatriz Parente Matschke mit. Gerade als Lungenfachklinik habe man während der Pandemie um viele Unterstützungszahlungen „regelrecht kämpfen“ müssen. „Ein Ausgleich wurde – wenn – nur im Rahmen von Sonderregelungen erreicht, Planungssicherheit bestand daher für uns leider nicht immer.“ Erschwerend käme nun noch die Inflation und Rohstoffknappheit hinzu.

Finanznot in Privatkliniken: Nachholeffekte bei OPs versanden, weil Personal fehlt

Bei der Schön-Klinik-Gruppe sieht man das Auslaufen der Ausgleichszahlungen zwar als „sachlich gerechtfertigt“ an, da nur noch wenige intensivpflichtige Corona-Patienten zu versorgen seien. „Allerdings leiden wir als energieintensive Branche unter den steigenden Energiepreisen und auch der hohen Inflationsrate. Diese Kostensteigerungen waren nicht in den Budgets eingeplant, die wir mit den Kostenträgern verhandelt haben“, sagt Schön-Klinik-Geschäftsführer Mate Ivancic.

Dabei helfe auch nur bedingt, dass die Schön-Klinik-Gruppe inzwischen einen „deutlichen Nachholeffekt“ bei der Durchführung planbarer Operationen wahrnehme. Denn diese Nachfrage könne derzeit gar nicht vollständig bedient werden – wegen Fachkräftemangels beim medizinischen Personal und einem durch Corona bedingten hohen Krankenstand.

Privat-Kliniken: Nicht nur Privat-Patienten

Zu den privaten Krankenanstalten zählen alle Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken, die einen privaten Träger haben – also etwa auch Einrichtungen der Kirche. Diese tragen ebenso zur Gesundheitsversorgung bei wie staatliche oder städtische Häuser. In Deutschland gibt es etwa 1300 private Krankenanstalten, die dem Bundesverband Deutscher Privat-Kliniken zufolge jährlich acht Millionen Patienten versorgen. Für München listet der bayerische Landesverband derzeit 23 Einrichtungen – darunter das Rotkreuzklinikum, die Helios Kliniken München West und Perlach, die Arabella-Klinik, die Frauenklinik Dr. Geisenhofer, das Krankenhaus Martha-Maria oder die Isar Kliniken.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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