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Im Obdach „Karla 51“ finden wohnungslose Frauen seit 25 Jahren Schutz und Unterstützung 

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Von: Kassandra Fischer

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Isabel Schmidhuber leitet das Frauenobdach „Karla 51“.
Isabel Schmidhuber leitet das Frauenobdach „Karla 51“. © Kassandra Fischer

Das Zentrum „Karla51“ in der Karlsstraße leistet wichtige Arbeit für wohnungslose Frauen - und das seit nun 25 Jahren. Gründerin Isabel Schmidhuber über die Arbeit im Obdach:

MAXVORSTADT Rund um die Uhr finden wohnungslose Frauen an der Karlstraße 51 Hilfe. Seit genau 25 Jahren gibt es dort die Einrichtung „Karla 51“, eine Erstanlaufstelle für wohnungslose Frauen in München. „Wir haben viel Bewegung im Haus“, erklärt Einrichtungsleiterin Isabel Schmidhuber. Im Durchschnitt gibt es zwölf Ein- und Auszüge pro Monat. Die Frauen sind dabei zwischen 18 und über 90 Jahre alt. Lange leer bleiben die Zimmer selten.

Das Frauenobdach „Karla51“ gibt es seit 25 Jahren.
Das Frauenobdach „Karla51“ gibt es seit 25 Jahren. © Kassandra Fischer

Die Idee sei, so Schmidhuber, dass die Frauen acht Wochen bleiben. In dieser Zeit werden sie intensiv betreut und beraten. „Wir schauen dabei auch, welche Schwierigkeiten sie sonst mitbringen.“ Darunter fallen psychische Krankheiten, Schulden, Suchtprobleme oder Traumata. „Abschließend helfen wir, eine Einrichtung zu finden, in der die Frauen länger bleiben können.“

In der Praxis liegt die Verweildauer aber meist bei drei bis vier Monaten – beispielsweise, weil die Suche und Vermittlung des Folgeplatzes länger dauert. Vor die Türe gesetzt wird niemand. Und die tägliche Arbeit zeige: „90 Prozent der Frauen gehen in einem viel besseren Zustand als sie gekommen sind.“

Immer mehr Mütter betroffen

Insgesamt gibt es Platz für 40 Frauen, je in einem Einzelzimmer mit eigenem Bad. 15 weitere Räume stehen seit drei Jahren nur wenige Häuser weiter an der Karlstraße 40 bereit. Häufig handle es sich bei den Frauen um Mütter mit Kindern – Tendenz steigend. „In den ersten Jahren waren es nur fünf bis sechs Kinder pro Jahr, 2020 waren es 57.“ Der Grund: „Alleinerziehende Frauen sind mit am stärksten von Armut betroffen.“ In München sei das besonders schlimm, da es kaum bezahlbaren Wohnraum und viel zu wenige Sozialwohnungen gebe.

40 Zimmer auf mehreren Etagen gibt es am Standort Karlstraße 51.
40 Zimmer auf mehreren Etagen gibt es am Standort Karlstraße 51. © Kassandra Fischer

Rund 80 Frauen arbeiten in der Einrichtung an der Karlstraße. Viele davon an der Pforte. Diese ist rund um die Uhr besetzt. „Es ist wichtig, dass immer jemand da ist“, betont Schmidhuber. Vor allem in der Nacht seien sie Ansprechpartnerinnen für Bewohnerinnen und Hilfesuchende.

Café als soziales Wohnzimmer

In Gemeinschaftsküchen versorgen sich die Frauen selbst, außerdem steht das hauseigene Café im Erdgeschoss bereit. Für 70 Cent bekommt man dort ein Mittagessen. „Es kommen nicht nur Bewohnerinnen, sondern auch viele, die früher einmal bei uns gewohnt haben“, berichtet Schmidhuber.

Im Café können die Frauen ins Gespräch kommen.
Im Café können die Frauen ins Gespräch kommen. © Kassandra Fischer

Vor Corona gab es auch zahlreiche Angebote: von basteln über singen bis hin zu Gesprächskreisen oder Geburtstagsfeiern. „Eine Art soziales Wohnzimmer.“ Seit der Pandemie spüre man vor allem hier Einschnitte. Geselliges Zusammensein und sozialer Austausch gehen mit Abstandsregeln natürlich nicht mehr.

Mit Beginn der Pandemie habe man eigentlich damit gerechnet, dass noch mehr Frauen kommen. „Das war aber gar nicht so“, erklärt Schmidhuber. Etwa 2000 Anfragen pro Jahr erreichen die Einrichtung in der Maxvorstadt. „Das ist 2020 nicht dramatisch gestiegen.“ Zum Teil habe es sogar weniger Anfragen gegeben, da es wegen der Reisebeschränkungen kaum Frauen aus dem Ausland gab.

Seit 25 Jahren Frauenobdach an der Karlstraße

„1996 war das ein ziemliches Experiment“, erinnert sich Leiterin Isabel Schmidhuber an die Anfänge der „Karla 51“ zurück. Denn an der Karlstraße werden bedürftige Frauen auf der Stelle aufgenommen, Formalien werden häufig erst später geklärt. Dennoch: „Heute müssen wir viel häufiger Frauen wegschicken als früher“, bedauert sie. Allerdings nie ohne alternative Adressen wie die Bahnhofsmission oder der Münchner Kälteschutz in der Bayernkaserne. „Wir geben den Frauen immer etwas an die Hand.“

Dass sich am Donnerstag, 25. November, das Bestehen der Einrichtung zum 25. Mal jährt, löst bei Schmidhuber vor allem ambivalente Gefühle aus. „Es ist wichtig, dass es so ein niederschwelliges Angebot gibt. Gleichzeitig ist es bitter, dass es uns immer noch braucht.“ Eine große Feier ist wegen der Pandemie nicht möglich. Doch Schmidhuber ist zuversichtlich: „Wir machen das einfach wie die Olympischen Spiele und holen das Fest nächstes Jahr nach.“ 

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