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Ob Stromausfall oder Hochwasser: So ist München für den Katastrophenfall gerüstet

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Von: Benedikt Strobach

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Die Garage des Milbertshofener Kulturhauses dient als Schutzbauwerk für München.
Die Garage des Milbertshofener Kulturhauses dient als Schutzbauwerk für München. © Benedikt Strobach

Im Ernstfall ist München gewappnet: Das THW und der städtische Katastrophenschutz klären über Schutzmöglichkeiten in der Stadt im Katastrophenfall auf.

München Die Flut im Ahrtal, Starkregen in Italien, ein Hurrikan über Kuba und den USA – oder einfach ein Stromausfall aufgrund von Energieknappheit. Katastrophen-Szenarien gibt es aktuell viele. Sollte es auch in München etwa zu einem starken Hochwasser kommen und der OB den sogenannten Katastrophenfall ausrufen, wird eine besondere Abteilung der Münchner Berufsfeuerwehr aktiv: die Mitarbeiter des städtischen Zivil- und Katastrophenschutzes.

Der Hochbunker an der Schleißheimer Straße dient auch als Schutzbauwerk für München. Davon gibt es derzeit noch 16 aktive.
Der Hochbunker an der Schleißheimer Straße dient auch als Schutzbauwerk für München. Davon gibt es derzeit noch 16 aktive. © Benedikt Strobach

Diese stellen in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen wie dem Arbeiter-Samariter-Bund und dem Technischen Hilfswerk (THW) sicher, dass München für den Ernstfall gerüstet ist. Axel Rothstein vom städtischen Katastrophenschutz und Max Berthold vom THW-Ortsverband München-Mitte haben nun im BA Schwabing-­Freimann vorgestellt, wie die Landeshauptstadt auf den Ernstfall vorbereitet ist.

Axel Rothstein vom städtischen Katastrophenschutz klärt über die Schutzmöglichkeiten auf.
Axel Rothstein vom städtischen Katastrophenschutz klärt über die Schutzmöglichkeiten auf. © Benedikt Strobach
Max Berthold vom THW
Max Berthold vom THW © privat

So ist München auf verschiedene Katastrophen vorbereitet:

Städtische Schutzräume: Wie und wo München für den Ernstfall gerüstet ist

Ursprünglich gab es einmal in München 33 sogenannte Schutzbauwerke mit Platz für etwa 38 000 Menschen. „Seit 2007 werden diese jedoch nicht mehr regelmäßig gewartet und sind teilweise nicht mehr funktionsfähig“, erklärt Axel Rothstein vom städtischen Zivil- und Katastrophenschutz.

Heute gibt es noch 16 Anlagen, die im Extremfall 16 427 Münchnern Schutz bieten würden. „Die Garage des Kulturhauses in Milbertshofen ist so eingerichtet, dass sie zu einem Schutzraum umfunktioniert werden könnte. Tatsächlich handelt es sich hier um das letzte Gebäude in der Stadt, das mit öffentlichen Mitteln dazu ausgerüstet wurde“, sagt Rothstein.

Der Hochbunker direkt gegenüber an der Schleißheimer Straße sei ebenfalls ein Schutzbauwerk. Die restlichen Gebäude dürften aus „Gründen des Geheimschutzes, des Schutzes vor Missbrauch, der Sabotage, des Vandalismus und auch aus Datenschutzgründen nicht bekannt gegeben werden“, erklärt eine Sprecherin der Münchner Berufsfeuerwehr auf Hallo-Anfrage.

Es sei für die Münchner wichtig, sich selbst auf den Ernstfall vorzubereiten, betont Rothstein. „Wir bemühen uns, da zu unterstützen, wo es möglich ist, jedoch können wir nicht jedem Einzelfall helfen.“ Bei Katastrophenfällen werde „die Bevölkerung rechtzeitig über die öffentlichen Medien, Lautsprecher-Durchsagen, Rundfunk, Fernsehen oder Social-Media über jegliche zu treffenden Maßnahmen informiert“, erklärt die Feuerwehr-Sprecherin. Rothstein betont: „Es gibt keinen Stadtteil-bezogenen Katastrophen-Plan, die Maßnahmen sind auf ganz München anwendbar.“

Trinkwasser-Not

Sollte im Falle einer Katastrophensituation das Trinkwasser ausgehen, gibt es in München sogenannte Trinkwassernotbrunnen, sagt Rothstein. „Insgesamt sind 123 betriebsbereit und in der Regel in maximal zehn Minuten Fußweg für die Bürger erreichbar.“ 330 000 Euro wurden aus Bundesmitteln dafür investiert. „Durch die Brunnen sind für alle Münchner täglich 15 Liter Trinkwasser verfügbar“, betont Rothstein. Zudem könne auch Löschwasser durch die Brunnen ausgegeben werden. Für Randbezirke, die historisch bedingt teils noch unterversorgt sind, bestehe auch die Möglichkeit, Trinkwasser auszuliefern, ergänzt der Katastrophenschutz-Experte.

THW im Katastrophenfall-Einsatz: Besondere Geräte

Auch das Technische Hilfswerk (THW) ist im Falle des Katastrophenschutzes ein wichtiger Faktor. Etwa können bei Hochwasser durch den Einsatz von Großpumpen, deren Fassungsvermögen bei 5000 bis 25 000 Litern liegt, übertretende Bäche umgeleitet werden, erklärt Max Berthold vom Ortsverband München-Mitte. Auch bei Stromausfällen hilft das THW. „Wir haben Netzersatzanlagen mit einer Leistung von bis zu 200 Kilovolt­ampere. Damit könnte ein Münchner Stadtbezirk beleuchtet werden“, betont Berthold. Diese Anlagen seien auch für den Krankenhausbetrieb vorgesehen. Sowohl in München-Mitte als auch München-West sind zwei der 21 Notstromerzeuger in Bayern verfügbar.

Zwar schwer vorstellbar, aber auch für den Fall einer kompletten „Isar-Überfüllung“ ist das THW vorbereitet. „Sollte der Fluss einmal so hoch stehen, dass man ihn nicht mehr überqueren kann, haben wir eine Pontonfähre. Damit können etwa Lieferwagen über das Wasser transportiert werden“, erklärt Berthold. Neben München-Mitte besitzen noch zehn weitere bayerische Ortsverbände diese Ersatzbrücke.

Eine Netzersatzanlage könnte einen ganzen Münchner Stadtbezirk beleuchten.
Eine Netzersatzanlage könnte einen ganzen Münchner Stadtbezirk beleuchten. © THW/Thorben Schultz
Bei Überschwemmungen an der Isar kann eine Pontonbrücke Abhilfe leisten.
Bei Überschwemmungen an der Isar kann eine Pontonbrücke Abhilfe leisten. © THW/Christian Wenzel

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