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Klagemauern in St. Martin und Maria Himmelfahrt greifen Missbrauch in der katholischen Kirche auf

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Von: Ursula Löschau

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Jeder Zettel in der Mauer ist ein Ausdruck von Gefühlen und Gedanken zum Missbrauch in der Kirche.
Jeder Zettel in der Mauer ist ein Ausdruck von Gefühlen und Gedanken zum Missbrauch in der Kirche. © Ursula Löschau

Um Interessierten des Missbrauchsskandals der katholischen Kirche eine Möglichkeit für Kritik zu geben, haben Kirchen in Allach-Untermenzing eine Klagemauer eingerichtet...

ALLACH-UNTERMENZING Entsetzen und Wut, Trauer und Schmerz über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche: Pfarrer Martin Joseph sowie der Pfarrgemeinderat von Maria Himmelfahrt in Allach und St. Martin in Untermenzing haben sich gefragt, wie man dafür „Worte und Zeichen finden“ kann.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Ihre Antwort: In den beiden Kirchen stehen während der Fastenzeit Klagemauern aus Ziegelsteinen, an denen Menschen ihre Emotionen, Sorgen, Hoffnungen, Kritik und Überlegungen zur Erneuerung der Kirche auf Zetteln hinterlassen können. Eine Aktion, die in ähnlicher Form bereits in den vier Kirchen des Pfarrverbands Laim stattgefunden hat.

Pfarrer Martin Joseph
Pfarrer Martin Joseph © Ursula Löschau

Klagemauern in Kirchen in Allach-Untermenzing: Möglichkeit zur Meinungsäußerung für Interessierte

Auslöser für die Pfarreiengemeinschaft im 23. Stadtbezirk war die Veröffentlichung des Münchner Missbrauchs-Gutachtens. „Auch wir haben Schwierigkeiten, einfach so darüber zu reden. Aber wir müssen hinschauen, müssen Zeichen setzen“, sagt Pfarrer Joseph und ergänzt: „Alle Pfarreien treibt das um. Vielen Menschen wird die Kirche als Fundament insgesamt weggenommen. Es geht darum, das sichtbar zu machen.“

So steht an den Klagemauern als Erläuterung und Einladung unter anderem der Satz: „Lasst uns aus unserer Sprachlosigkeit herauskommen und Worte für das finden, was uns in unseren Herzen bewegt.“ Dabei soll insbesondere der Opfer, der Gedemütigten und schwer an Leib und Seele Verletzten gedacht werden. Menschen, denen man überall begegnen könnte.

Klagemauern in Kirchen in Allach-Untermenzing: Zettel sollen am Ende der Fastenzeit der Gemeinde vorgelesen werden

„Man kann davon ausgehen, dass es auch in unserer Pfarrei Opfer von Missbrauch gibt“, mahnt der Geistliche. Zum Ende der Fastenzeit möchte er die geäußerten Anliegen in den Gottesdienst der Gemeinde aufnehmen. Alle Klagezettel werden dann im Osterfeuer symbolisch den Flammen übergeben.

Im Pfarrverband Laim standen von Ende Januar bis Aschermittwoch die „Mauern der Klage“. Auch dort wollten Pfarrer Ralph Regensburger und Schwester Mareile Hartl bereits im Hinblick auf das angekündigte Missbrauchs-Gutachten einen Weg anbieten, „das Unsagbare sichtbar zu machen und einen Ort des Gesprächs sowie einen Ort der Klage zu finden“.

Regensburger kam in einer Kirche in Nürnberg auf die Mauer-Idee. „Dort steht die Mauer als Möglichkeit, allgemeine Fürbitten anzubringen.“ Dass noch weitere Pfarreien diesen Ansatz auf ihre Weise übernommen haben, freut ihn. So stehen seines Wissens nach auch im Pfarrverband Peiting-Hohenpeißenberg und St. Josef der Arbeiter in Waldram Klagemauern.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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