Der Dirndl & Lederhosn-Blues

München ohne Oktoberfest und Volksfeste – so leidet die Trachtenbranche 

Zwei Jahre Zwangs-Winterschlaf: Die Trachtenbranche fordert Unterstützung der Politik.
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Zwei Jahre Zwangs-Winterschlaf: Die Trachtenbranche fordert Unterstützung der Politik.

Nach dem zweiten Wiesn-Aus verbucht die Trachtenbranche massivste Umsatzeinbußen und fürchtet um die bayerische Kultur. Es wird Unterstützung der Staatsregierung gefordert.

München - Ob Festtags- oder Waschdirndl, Hirschlederne oder Lodenjanker: Nicht nur in den Schränken zuhause wartet das ein oder andere Gwand sehnlichst auf Ausgang – auch die Lager und Ladengeschäfte der hiesigen Trachtenläden sind voll.

Doch nach der zweiten Corona-Absage aller Volksfeste in Folge schaut deren Zukunft düster aus. Deshalb schlägt die Trachtenbranche Alarm, macht jetzt mit einer Petition an die Staatsregierung als Hilferuf auf sich aufmerksam.

„Wir hatten 2020 ganze 87 Prozent Umsatzeinbruch“, ärgert sich Georg Schweiger (kl. Foto oben), Verantwortlicher der Petition und Inhaber einer Münchner Trachtenagentur. „Wir brauchen dringend staatliche Unterstützung.“

Verantwortlicher der Petition und Inhaber einer Münchner Trachtenagentur: Georg Schweiger

Axel Munz, Chef von Trachten Angermaier, unterstützt ihn: „Zur Absage aller Münchner Feste mussten unsere Geschäfte auch geschlossen bleiben, das war quasi Berufsverbot. Wir sind zur Untätigkeit verdammt.“ Seine drastischen Zahlen: „Wir haben gegenüber 2019 satte 90 Prozent Umsatzeinbußen.“

In der Petition fordern sie einen bayerischen „Traditions-Fonds“, der die Verluste der Manufakturen und Handwerksbetriebe ausgleicht.

Die beiden Trachten-Experten sehen sonst keine Perspektive: „Die Lager der Händler sind voll. Selbst wenn geöffnet wird: Die brauchen keine neue Ware. Unser Geschäft zieht erst 2023 wieder an, dann sind volle drei Jahre verloren!“

Die Schwestern Sonja und Stefanie Ragaller von „Almliebe“ sind aus der Not kreativ geworden, haben statt Wiesn- und Hochzeitsdirndl eine Wanderkollektion entworfen.

Die Schwestern Sonja und Stefanie Ragaller von „Almliebe“.

Steffi Ragaller: „Wir wollen die Leute ja animieren, trotzdem Tracht zu tragen. Sie ist schließlich Heimatbezug: Kultur und Tradition der Bayern.“ Enttäuscht und wütend haben sie OB Dieter Reiter und Ministerpräsident Markus Söder geschrieben: „Wir haben mehr Innovation von der Politik erwartet – ein Riesenrad auf dem Königsplatz bringt unserer Branche nix.“

Bei Trachten Krüger hat man die Kollektion verringert: „Von 300 auf 30 neue Artikel – und auch das ist noch ein Risiko“, sagt Schweiger. Wie Munz befürchtet er bald Insolvenzen: „Wir rechnen damit, dass ein Viertel unserer Kunden aufgeben.“

Rund 700 Teilnehmer unterstützen die Petition bisher. Steffi Ragaller hofft auf mehr: „Schließlich ist Tracht ein Stück bayerische Kultur und Lebensfreude.“

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