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Wo sind all die Leute hin? Nicht nur Gastro und Flughäfen betroffen ‒ Personalnot trifft auch Kinos

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Von: Marco Litzlbauer

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Aktuell sind in deutschen Kinos etwa 25 Prozent der Stellen unbesetzt. Auch im Mathäser kennt man das Problem.
Aktuell sind in deutschen Kinos etwa 25 Prozent der Stellen unbesetzt. Auch im Mathäser in München kennt man das Problem. © Marco Litzlbauer

Nach Gastronomie und Flughäfen sind auch Kinos von der Personalnot durch Corona betroffen. In München stellt sich die Frage: Wo sind all die Leute hin?

Chaos an Flughäfen wegen fehlendem Bodenpersonal und Kofferträgern. Endlos lange Wartezeiten im Restaurant wegen zu weniger Bedienungen. Bekannte Probleme.

Unter fehlendem Personal leiden aber auch die Kinobetreiber. Und zwar massiv. Aktuell merken die Besucher das zwar höchstens an längeren Wartezeiten an der Kasse oder seltener geleerten Mülleimern. Doch das könnte sich bald ändern.

Wo sind all die Leute hin? Nicht nur Gastro und Flughäfen betroffen ‒ Personalnot trifft auch Kinos in München

Bundesweit ist die Anzahl der in Kinos Beschäftigten – inklusive geringfügig Beschäftigter – alleine von 2020 auf 2021 um 25 Prozent zurückgegangen. Das geht aus dem Goldmedia Standortmonitor hervor, der sich auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit jeweils zum Stichtag 30. Juni bezieht.

Betrachtet man das Vor-Corona-Jahr 2019 wird der Verlust des Personals noch deutlicher: Dann fehlen knapp 38 Prozent der Beschäftigten. Den Kinos sind während der zwei Corona-Jahre also 9000 Mitarbeiter „verlorengegangen“.

Das noch vorhandene Personal muss dieses Fehlen bei laufendem Betrieb auffangen. Denn weder haben während Corona übermäßig viele Kinos ihre Türen für immer geschlossen – laut Branchenangaben von 2020 auf 2021 bundesweit gerade einmal fünf Kinos. Noch sind die aktuellen Besucherzahlen weit vom Vor-Corona-Niveau entfernt.

Das bestätigt auch Sascha Schmidt, Marketing-Chef bei Kinopolis und stellvertretender Betriebsleiter des Mathäser Filmpalasts am Stachus. „Die Münchner wollen wieder ins Kino, aber wir können bei weitem noch nicht die Spielzeiten anbieten wie früher.“

Sascha Schmidt
Sascha Schmidt © privat

Kaum Personal in Kinos in München - Die Auswirkungen

Konkret: Starteten vor Corona die Filme täglich zwischen 10 Uhr morgens und teilweise Mitternacht, muss man sich aktuell meist auf die Kernzeiten – Start also zwischen 15 und 21 Uhr – beschränken. „Auch die Aufenthaltsqualität für die Besucher leidet“, räumt Schmidt ein. „Es gibt schon mal längere Wartezeiten und auch bei den Zwischenreinigungen kann es schon mal knapp werden.“

Einen kleinen Aufwärtstrend gibt es bundesweit. Auch wenn die Zahlen für 2022 noch nicht vorliegen, so geht man beim HdF, einem Branchenverband der Kinobetreiber in Deutschland, aktuell davon aus, dass nur noch etwa 25 Prozent der Kinomitarbeiter fehlen.

Das Kuriose in München: Von der reinen Personalstärke her ist das Haus mittlerweile wieder nahe dem Vor-Corona-Niveau. Die Leute arbeiten nur weniger Stunden als früher. „Rechnet man die Arbeitszeiten auf eine 40-Stunden-Woche hoch, fehlen uns 15 Prozent plus x.“

Plus x, weil neues Personal, das weniger arbeite, auch langsamer alle Abläufe lerne und beherrsche. Doch würde man bei der Mindeststundenzahl keine Abstriche machen, wäre die Situation noch schlechter. „Mittlerweile geht es bei uns eigentlich ab einer Fünf-Stunden-Schicht pro Woche los“, erklärt Schmidt. Ein kleines Zeitfenster, bei dem man früher noch abgewinkt hätte.

Personalnot trifft neben Gastronomie und Flughäfen auch die Kinos

Das Problem: „Die Branchen, die jetzt vorrangig unter Personalnot leiden – Gastronomie, Hotellerie und Kinos – kämpfen im Prinzip alle um den gleichen Kuchen“, erklärt Schmidt. Und der werde kleiner. „Im zweiten Lockdown sind viele dieser Leute in Richtung Online-Marketing im Home-Office, Essens-Lieferdiensten oder Logistik-Unternehmen gewechselt.“

Dabei sei der Job im Kino doch so attraktiv. Abgesehen von Film- und Snack-Gutscheinen und -Ermäßigungen und der Möglichkeit, immer wieder auch Premieren- und damit Hollywoodluft zu schnuppern, sei es auch ein Job, der „für jede Vorkenntnis, jeden Lebensentwurf und jedes Alter“ passe, so der Betriebsleiter.

Das Werben für mehr Mitarbeiter – es kommt nicht von ungefähr. Schmidt blickt mit Sorge auf den Herbst, wenn für die Kinos die eigentliche Hochsaison beginnt. Wenn sich bis dahin nichts in Sachen Personal tue, gleichzeitig aber mit ähnlichen Corona-bedingten Ausfallraten wie derzeit zu rechnen sei, werden die Folgen noch massiver sein als jetzt.

Auch wenn Schmidt diese nicht konkret benennen will, liegt die Schlussfolgerung auf der Hand: Dann würde ein Reduzieren der Spielzeiten vielleicht nicht mehr reichen, und die ein oder andere Leinwand der 14 Säle bliebe vorübergehend wohl dunkel.

Seit der Corona-Pandemie fehlt es in München in vielen Branchen an Personal. Auch Kultur-Veranstalter suchen Securitys, Techniker und Leute für die Gastro.

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