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Neuhausen: 100 Jahre St. Barbara - Von der Garnisons- zur Friedenskirche

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Von: Ursula Löschau

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St. Barbara wurde in den vergangenen Jahrzehnten innen wie außen saniert. Die Kirche bietet Platz für rund 200 Personen.
St. Barbara wurde in den vergangenen Jahrzehnten innen wie außen saniert. Die Kirche bietet Platz für rund 200 Personen. © Tobias Klein

Die Kirche St. Barbara wird 100 Jahre alt und kann auf eine vierfältige Geschichte zurückblicken. Dabei weist die Kirche eine echte Besonderheit in München auf:

München / Neuhausen ‒ „Von der Garnisonskirche zu einer Stätte für Frieden und Versöhnung“: So fasst Tobias Klein, Leiter des Organisationskomitees für die Jubiläumsfeierlichkeiten in St. Barbara, die 100-jährige Geschichte des außergewöhnlichen Gotteshauses und sogenannten Nagelkreuzzentrums zusammen. Entstehung, Entwicklung und Besonderheiten der Kirche an der Infanteriestraße 15 werden bei einem Festwochenende Anfang Februar vorgestellt.

Inmitten des früheren Kasernenviertels wurde schon im Ersten Weltkrieg eine Lagerhalle zu einer Notkirche für die Soldaten umfunktioniert. Geweiht und unter das Patronat von St. Barbara gestellt wurde die damalige Garnisonskirche am 4. Februar 1923. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Gotteshaus als Filialkirche der Pfarrei St. Benno zum religiösen Zentrum für etwa 3000 polnische Christen.

„Es waren ehemalige Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge“, erklärt Klein. Ende der 70er-Jahre ist die polnische Gemeinde zwar nach St. Joseph in München umgezogen. Es bestünden aber noch immer enge Kontakte. Zudem bescherte das polnische Zentrum St. Barbara 1974 den Besuch eines späteren Heiligen: des damaligen Erzbischofs von Krakau, Karol Kardinal Wojtyla, des späteren Papstes Johannes-Paul II..

100 Jahre St. Barbara: Münchens einziges Nagelkreuzzentrum

Seit 2014 ist St. Barbara das bisher einzige Nagelkreuzzentrum der Stadt. Ein Ehepaar aus der Gemeinde hatte bei einer Reise nach Dresden das Nagelkreuz als Symbol der Versöhnung kennengelernt und die Idee nach Neuhausen geholt. „Gerade in einer Kirche, aus der einst Soldaten in den Krieg entsandt wurden, wird jetzt um Frieden und Versöhnung gebetet. Besser kann‘s nicht passen“, sagt Peter Höck, Pfarrer in Ruhe und seit 39 Jahren in St. Barbara.

Das erste Nagelkreuz entstand 1940 im britischen Coventry, nachdem die deutsche Luftwaffe die dortige Kathedrale fast völlig zerstört hatte. In den Trümmern fand der dortige Domprobst Richard Howard drei große Zimmermannsnägel, die einst den Dachstuhl der Kirche zusammengehalten hatten. Diese fügte er mit Draht zu einem Kreuz zusammen und schrieb auf die noch bestehende Chorwand „Father forgive“ (englisch für „Vater vergib“). Mit diesem Zeichen der Versöhnung gab er den Anstoß für sogenannte Nagelkreuzgemeinschaften. Heute gibt es weltweit rund 250 Nagelkreuzzentren in katholischen und evangelischen Kirchen, 76 davon in Deutschland. Das Foto zeigt das Nagelkreuz in St. Barbara.

St. Barbara ist das einzige Nagelkreuzzentrum in München.
St. Barbara ist das einzige Nagelkreuzzentrum in München. © Ursula Löschau

100 Jahre St. Barbara: Das Festwochenende vom 3. bis 5. Februar

Zum Auftakt des Festwochenendes in St. Barbara findet am 3. Februar – wie an jedem Freitag – um 17 Uhr das Gebet um Frieden und Versöhnung der Nagelkreuzgemeinschaft statt. Um 18 hält Werner Kroener, Maler des Altarbildes, einen Vortrag. Danach wird eine Ausstellung über die Geschichte und Besonderheiten von St. Barbara. Den Festgottesdienst zum Jubiläum hält am Samstag, 4. Februar, ab 17 Uhr Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, um 18.30 Uhr beginnt ein Festabend. Am Sonntag, 5. Februar, ab 11 Uhr wird zu einem weiteren festlichen Gottesdienst eingeladen. Im Anschluss ab 12 Uhr spricht Hans Günther Waas über das Schicksal der Namenspatronin, der heiligen Barbara. Das Programm und viele weiteren Informationen zur Filialgemeinde von St. Benno sind im Internet unter cms.st-benno-muenchen.de zu finden.

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