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Nach Missbrauchsgutachten der Erzdiözese München und Freising ‒ Zahl der Kirchenaustritte in Bayern explodiert

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Von: Jonas Hönle

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Ein Schild mit der Aufschrift „Wartezone Kirchenaustritte“ ist im Standesamt München zu sehen.
Nach der Vorstellung des Gutachtens zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im katholischen Erzbistum München und Freising müssen Standesämter in Bayern sich für eine Flut von Kirchenaustritten rüsten. © Sven Hoppe/dpa

Nach dem Gutachten über den Missbrauch in der Kirche und der Reaktion Ratzingers darüber kommt das KVR in München mit den Austritten nicht mehr hinterher.

Nach dem Missbrauchsgutachten der Erzdiözese München und Freising explodiert die Zahl der Kirchenaustritte in Bayern förmlich. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter mehreren Städten im Freistaat ergeben.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Nach Missbrauchsgutachten der Erzdiözese München und Freising - Zahl der Kirchenausritte hat sich laut KVR verdoppelt

In München hat sich die Zahl der Kirchenaustritte verdoppelt, teilt ein Sprecher des Kreisverwaltungsreferates (KVR) mit: „In der ersten Januarhälfte, also vor dem Gutachten, hatten wir in München pro Arbeitstag in etwa 80 Kirchenaustritte. Seit dem 20. Januar, also seit dem Gutachten, sind es um die 150 bis 160 Kirchenaustritte pro Arbeitstag. Also etwa doppelt so viele.“

Und es könnten sogar noch mehr sein. „Die Nachfrage ist sicherlich dreimal so hoch wie Anfang des Jahres“, sagte der Sprecher. Doch die sei nicht zu bewältigen: „Das Limit ist hier unsere Kapazitätsgrenze, vor allem beim Personal.“ Und das obwohl das KVR in München die Öffnungszeiten verlängert und mehr Leute eingesetzt hat.

„Trotz erweiterter Öffnungszeiten und Personalumschichtungen wird es wegen der sehr hohen Nachfrage voraussichtlich nicht möglich sein, alle Austrittswünsche zeitnah zu bedienen.“ Ob die Menschen aus der katholischen oder der evangelischen Kirche austreten, wird in München statistisch nicht erfasst.

Der Religionspädagoge Ulrich Riegel, der eine vielbeachtete Studie über Kirchenaustritte im Bistum Essen leitete, rechnet mit einem neuen Austritts-Rekord in diesem Jahr. „Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch.“

Über die Gründe, warum so viele Menschen so prompt auf das Gutachten reagieren, kann er nur mutmaßen: „Zum einen war besagtes Gutachten viel klarer als die bisherigen, denn es hat konkrete Personen benannt. Zum anderen war mit Joseph Ratzinger eine Person unter den angesprochenen, der als Papa Emeritus eine größere öffentliche Wirkung entfaltet als etwa die Bischöfe von Köln und München“, sagt er. „Außerdem dürfte die Reaktion Ratzingers auf das Gutachten wohl auch viele der Vorwürfe bestätigt haben, die zum Umgang der Kirche mit dem Missbrauch im Raum stehen.“

Mehr Kirchenaustritte in Bayern Nach Missbrauchsgutachten der Erzdiözese München und Freising

Andere Städte in Bayern bestätigen den Trend, der sich in München so deutlich abzeichnet: Das Standesamt Nürnberg meldete zwischen dem Tag der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens am 20. Januar und dem 14. Februar 617 Kirchenaustritte, davon 381 aus der katholischen, 234 aus der evangelischen Kirche und zwei Sonstige. Vor zwei Jahren - im Vergleichsjahr 2020 - hatte das Standesamt in diesem Zeitraum nur 372 Austritte, davon 200 katholisch, 165 evangelisch und sieben Sonstige.

In Regensburg, der Stadt, in der Ratzinger als Theologieprofessor lebte und arbeitete und in der er 2020 noch seinen Bruder Georg kurz vor dessen Tod besuchte, zählte das Standesamt seit Jahresbeginn rund 550 Kirchenaustritte - im Vergleich zu 269 im Vorjahr.

254 Menschen erklärten in Ingolstadt vom 20. Januar bis zum 17. Februar ihren Austritt aus der Kirche - im selben Zeitraum des Vorjahres waren es 84. „Das Standesamt meldet eine weiterhin große Nachfrage nach Austrittsterminen“, sagte ein Sprecher der Stadt und in Würzburg gingen nach der Vorstellung des Gutachtens 320 Anfragen zum Austritt ein und damit 230 mehr als 2021 zur gleichen Zeit. Zwischen dem 1. Januar und dem 17. Februar vollzogen dort 366 Menschen diesen Schritt. Im Vorjahreszeitraum waren es 208.

Missbrauchsgutachten der Erzdiözese München und Freising

Das am 20. Januar vorgestellte und vom Erzbistum München und Freising selbst in Auftrag gegebene Gutachten der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) war zu dem Ergebnis gekommen, dass Fälle von sexuellem Missbrauch in der Diözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt worden waren. Die Gutachter gehen von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern, zugleich aber von einer deutlich größeren Dunkelziffer aus. Sie erhoben schwere Vorwürfe unter anderem gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger, dem sie vierfaches Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchsfällen vorwerfen.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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