Räume da, Erzieher fehlen

Mangel an Kita-Personal in München so groß wie nie – trotz gestiegener Attraktivität des Jobs

AWO Einrichtungsleiterin Nina Wallner-Seemann
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AWO Einrichtungsleiterin Nina Wallner-Seemann könnte in ihren Räumlichkeiten 57 weitere Kinder betreuen - wenn sie dafür das nötige Personal hätte.

Immer mehr Münchner Eltern bringen ihre Kinder in die Kita. Dort gibt es zwar genug Platz, doch kaum geeignetes Personal. Vor welchen Probleme die Verantwortlichen stehen.

  • Immer mehr Eltern stecken ihr Kind in München in die Kita
  • Personalmangel sorgt für Probleme bei den Kapazitäten
  • Wie versucht wird die Probleme zu lösen

Der Bedarf für Kinderbetreuung steigt. Überall im Stadtgebiet werden neue Einrichtungen geschaffen – 1450 sind es aktuell, 450 davon sind städtisch. Die Stadt hat allein 2020 über 600 Personen neu eingestellt. Auch die Ausbildungskapazitäten wurden deutlich erhöht: seit 2015 um über 65 Prozent. Dennoch sind rund elf Prozent der Fachkraftstellen derzeit nicht besetzt. Zahlen, die auch andere Träger wie Caritas und Arbeiterwohlfahrt (AWO) bestätigen.

Doch woher rührt der Personalmangel? An der Bezahlung hat sich in den vergangenen Jahren vieles zum Positiven entwickelt: Direkt nach der Ausbildung sind bis zu 3600 Euro möglich. Alle Träger schalten massiv Werbung auf allen Kanälen. Um die Stellen attraktiver zu machen, wird außerdem mit Betriebswohnungen, finanziellen Zulagen oder Zuckerln wie Fitnessstudioverträgen geworben.

Kitas in München: Genug Räume, aber kaum Personal

Die Träger werben sogar im Ausland, doch: „Gerade zur Sprachförderung sind gute Deutschkenntnisse eine Voraussetzung“, erklärt Christian Müller von der Caritas. Die Träger fördern zwar ausländische Kräfte individuell, doch brauchen diese ein B2-Zertifikat, um eine Stelle überhaupt antreten zu können.

Christian Müller von der Caritas.

Die Pandemie hat zudem die Attraktivität des Berufsfelds deutlich unterstrichen. „Wir stellen fest, dass die sicheren und sinnhaften Jobs und Ausbildungen in den Kindertageseinrichtungen gerade in Zeiten wie diesen attraktiver werden“, so Ursula Oberhuber, Sprecherin des Referats für Bildung und Sport.

Und trotzdem: „Der Arbeitsmarkt ist leer, alle kämpfen um die selben Bewerber“, sagt Susanne Herrmann, Leiterin des städtischen Geschäftsbereichs Kita. „Die Schulen und Unis kommen kaum hinterher, Personal auszubilden.“ Gleichzeitig hätten sich die Besuchszeiten der Kinder verlängert und die Bereitschaft der Eltern sei in den letzten Jahren größer geworden, ihre Kinder überhaupt in eine Betreuung zu geben. „Vor allem im U3- und Schulkindbereich. Über 80 Prozent der Grundschüler gehen in eine Nachmittagsbetreuung.“

Susanne Herrmann ist Geschäftsführerin des städtischen Geschäftsbereich Kita.

Fachkräftemangel: Ohne Personal deutlich weniger Kita Plätze

Um dieser gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden, wurden zuletzt massiv neue Räumlichkeiten geschaffen. Aber: Die Träger müssen sich an einen festen Anstellungsschlüssel halten. Der besagt, dass in den Kitas eine bestimmte Anzahl an Fachkräften auf eine bestimmte Zahl von Kindern kommen muss. Daher ist die Zahl der Erzieher ausschlaggebend für die Platzvergabe – und somit aktuell die große Bremse.

Wie sich das in der Praxis zeigt, weiß Nina Wallner-Seemann, Leiterin einer AWO-Einrichtung an der Lincolnstraße. Von Vollbelegung ist keine Rede: Derzeit sind bloß 131 von theoretisch möglichen 188 Plätzen belegt. 39 Mitarbeiterinnen sind es aktuell. Zum Juli und September starten zwei neue Erzieherinnen, ein weiteres Bewerbungsgespräch steht noch aus.

„Manchmal wartet man monatelang auf eine Bewerbung“, so die Pädagogin. Der Fachkräftemangel beeinträchtigt so auch ihre Planung für das kommende Jahr. Undenkbar ist für sie, bereits im Frühjahr alle Plätze fix zu vergeben. Denn es gibt zu viele Unsicherheiten, da Personal ausfallen könnte. „Mehr Fachkräfte würden das deutlich entlasten.“

Am 16. Juli findet in München die digitale trägerübergreifende Messe für Erziehungsberufe statt. Mehr Infos zu den Träger unter www.awo-muenchen.de, www.caritas-nah-am-naechsten.de und www.muenchen.de/leben/job/

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