Klima

Münchens Wasserstände werden knapper - sinkendes Grundwasser und schneearme Winter schuld

Hundesee Allach
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Trauriger Anblick: Münchens Kiesweiher wie der „Hundesee“ an der Goteboldstraße leiden unter Grundwassermangel.

Münchens Flüsse und Seen werden immer leerer. Der Klimawandel macht sich in Trockenperioden und zu warmem Grundwasser bemerkbar.

Ein Zeichen des Klimawandels gepaart mit saisonalen Schwankungen: Münchens Wasserstände gehen zurück – und das sichtbar.

„Pauschal lässt es sich nicht sagen, aber an etlichen Messstellen der Münchner Schotterebene beobachten wir in den letzten 20 Jahren einen fallenden Trend“, warnt Christian Leeb, Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) München, beim Thema Grundwasserspiegel. Für das bloße Auge ist der heuer drastisch erkennbar: an breiten Ufern und leeren Gewässern im Münchner Westen.

Trockenperioden und heftige Gewitter: negative Auswirkungen auf Münchner Kiesseen

Trockenperioden, über 15 oder 20 regenlose Tage, rächen sich bei den Münchner Kiesseen, bestätigt Leeb.

„Wenn der Regen als heftiges Gewitter runterkommt, ist es zwar eine Menge Wasser auf einmal, aber das meiste fließt an der Oberfläche ab, in den Kanal oder den nächsten Bach. Das Wasser gelangt dadurch nicht in das Grundwasser, fehlt vor Ort.“ Die Ufer werden breiter, die Seen bleiben sichtbar leer. „Sie bilden praktisch den Grundwasserstand ab.“

Für die Wasserarmut der Münchner Stadtbäche und Flüsse aus dem Voralpenland sind die trockenen, schneearmen Winter verantwortlich.

„Der Sylvensteinspeicher kann bei Niedrigwasser der Isar Wasser zuspeisen – aber natürlich auch nur das, was da ist. Kommen in München weniger als 40 Kubikmeter pro Sekunde an, wird es knapp.“ Auf den Glockenbach, den Auermühlbach oder den Schwabinger Stadtbach „muss der Mangel verteilt werden“.

Für das Wasserwirtschaftsamt eine Herausforderung: „Es gilt, ökologischen Erfordernissen, Wasserkraft und Kühlwassernutzung gerecht zu werden.“ Ideal für München wäre Regen mit 20 Liter pro Quadratmeter über mehrere Stunden im Monat. Das wäre „der Garant dafür, dass sich Grundwasser neu bilden kann“.

Akute Wasserknappheit keine Gefahr - zu warmes Grundwasser könnte langfristig zu Veränderung der Vegetation führen

Wasserknappheit befürchtet Leeb für die Stadt dennoch nicht. Auch Gesine Beste, Sprecherin des Referats für Klima- und Umweltschutz (RKU), betont, dass die aktuellen Pegel „in den üblichen Grundwasserschwankungsbereich“ fallen.

Die Würm war im Gegensatz zu den Kiesseen jüngst nur wegen „Verklausung“ so trocken.

Anders als bei den Kiesseen hatte das jüngste „Austrocknen“ der Würm nichts mit dem Grundwasser zu tun. Hier kam es zu einer „Verklausung“ – Stämme und Äste hatten das Wasser am nahen Wehr aufgestaut.

Doch noch ein weiteres Problem bahnt sich an: „Schon jetzt wird das Grundwasser unter München ordentlich aufgewärmt. Der zulässige Maximalwert von 20 Grad wird im Münchner Norden in den Sommermonaten häufiger erreicht.“ Ein schleichender Prozess, der Verschiebung und Veränderung der Vegetation und Arten im Gewässer zur Folge hätte. Das WWA hat auch das sorgsam im Blick: „Um die natürlichen Verhältnisse zu erhalten.“

Christian Leeb ist Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) in München.

Wasser-Wissen für jedermann

Das Wasserwirtschafts­amt unter der Leitung von Christian Leeb betreibt allein in der Landeshauptstadt 20 Messstellen, an denen Wasserstand und chemische Zusammensetzung beobachtet werden, im gesamten Amtsbezirk sind es sogar 167. Ein weiteres Messstellennetzwerk wird vom Grundwasserteam des RKU betreut.

Da der Grundwasserstand nicht nur für Hobby-Wasserfreunde, sondern gerade auch für Bauherren interessant sein kann, sind die aktuellen Stände unter www.nid.bayern.de zu finden. Auch verschiedene gewässerkundliche Daten sind öffentlich unter www.gkd.bayern.de abrufbar.

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