Zu Ehren von Olympia 1972

Kreative Idee für Untergiesing: Eine S-Bahn als Schallschutzwand?

Visualisierung der S-Bahn unter der Brücke am Kolumbusplatz.
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Visualisierung der S-Bahn unter der Brücke am Kolumbusplatz.

Eine S-Bahn-Installation soll in Untergiesing am Kolumbusplatz Ruhe bringen und als Fläche für Graffiti-Künstler dienen. Was es damit auf sich hat.

Untergiesing - Über die Brücke am Kolumbusplatz fahren nur richtige Züge. S-Bahnen nutzen den Münchner Südring, der dort entlangführt, allenfalls bei Stammstreckensperrung. Unter der Brücke aber wird ab sofort eine S-Bahn stehen.

Der Wagen ist zugleich Kunstwerk, Spielwiese für Graffiti-Sprüher und Schallschutz für die Siedlung westlich des Giesinger Bergs. Am Samstag, 18. September, um 16 Uhr soll der Zug enthüllt werden.

Die Bahn ist 16,5 Meter lang und zwei Meter hoch. Geplant und designt hat sie der Künstler Melander „Lando“ Holzapfel auf Initiative der Münchner Vereine „Mehr Platz zum Leben“ und „Förderung urbaner Kunst“. Sie besitzt weder Fensterscheiben noch Sitzplätze. Ersteres, um Scherben zu vermeiden. Letzteres dagegen wäre gar nicht möglich.

Denn Gäste passen in das gerade mal 25 Zentimeter breit Modell aus dem Verbundstoff Alu-Dibond nicht hinein. Fahren kann der Zug natürlich auch nicht. Dafür dürfen ihn fortan Graffiti-Sprayer nach ihren Vorstellungen verzieren. Nach jeder Kunstaktion kann er gereinigt und abermals besprüht werden.

Unter der Brücke am Kolumbusplatz soll die 16,5 Meter lange S-Bahn-Installation positioniert werden.

München hat so gut wie keine Fläche, die quasi täglich neu bemalt werden kann – nun gibt es eine“, sagt Lando. Er ist seit 30 Jahren Graffiti-Künstler. Bei seinem nachgemachten S-Bahn-Zug handelt es sich auch nicht um einen beliebigen Wagen. Es ist ein Elektro-Triebzug (ET) 420.

Ein solches Gefährt war der „Geltendorfer Zug“ von 1985, das erste großflächig besprühte Schienenfahrzeug in Deutschland. Außerdem verweist Lando auf die Olympischen Spiele von 1972, die sich im kommenden Jahr zum 50. Mal jähren. Sie gaben den Anlass zur Eröffnung des Münchner S-Bahn-Netzes.

Damals war der ET 420 erstmals im Einsatz. „Ich will 2022 noch mehr solche Züge in die Stadt stellen“, erklärt der Künstler. Einer davon soll das Olympische Dorf schmücken.

Mitglieder von „Mehr Platz zum Leben“ und „Förderung urbaner Kunst“ mit Nikolaus Keller (hi. Mi.) und Lando (hi. re.).

Um die 20 000 Euro wurden für die Kunst-S-Bahn aquiriert. Einen Großteil der Kosten übernahm der BA Untergiesing-Harlaching. Teuer waren unter anderem die aufwändigen und tonnenschweren Fundamente.

Ein Teil des Geldes floss zudem in ein zweites Kunstwerk: die zur Bahn gehörende Schaffnerskulptur vom Obergiesinger Bühnenbildner Nikolaus Keller. Sie wird ihren Platz neben dem Zug finden.

Stehen bleiben dürfen beide Installationen zunächst ein Jahr lang, beantragt sind drei Jahre. Melly Kieweg von „Mehr Platz zum Leben“ sagt: „Wir würden uns freuen, wenn das Ganze länger dort bleiben könnte.“

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