Ein Mord am Pasinger Bahnhof

Historischer Krimi spielt in Pasing: Wie die Idee entstanden ist und wo die Autorin recherchierte

Eine Postkarte von 1925 zeigt den Blick von der Gleichmannstraße zum Pasinger Bahnhof. Auf der weniger belebten Nordseite ereignete sich im Buch von Lotte Kinskofer ein Mord.
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Eine Postkarte von 1925 zeigt den Blick von der Gleichmannstraße zum Pasinger Bahnhof. Auf der weniger belebten Nordseite ereignete sich im Buch von Lotte Kinskofer ein Mord.

In Pasing, um 1922, spielt der historischen Krimi der Autorin Lotte Kinskofer. Was ihre Inspiration war und wo sie ihre Recherchen im Stadtteil betrieben hat.

Pasing - Ein Heimatdichter liegt 1922 ermordet in einem Gebüsch in der Nähe des Pasinger Bahnhofs. Er wohnte in der damals neu errichteten Villenkolonie in Neu-Pasing.

Ein junger Schreiner aus dem Westend wird als Tatverdächtiger verhaftet. Seine Frau tut alles, um seine Unschuld zu beweisen. Auch der zuständige Kommissar hat Zweifel. Hat der Mord einen politischen Hintergrund?

Der Dichter sympathisierte scheinbar mit den neuen Rechten der NSDAP, verkehrte gleichzeitig in linken Künstlerkreisen. Der Mord in Pasing gibt viele Rätsel auf. Allerdings ist er nie so passiert, sondern ereignet sich in einem historischen Krimi der Pasingerin Lotte Kinskofer.

Es ist nicht ihr erstes Buch. Kinskofer war lange Journalistin, sei aber immer davor zurückgeschreckt, ein Buch zu schreiben. Bei einer Fortbildung zur Drehbuchschreiberin bemerkte sie dann, dass es gar nicht so schwierig ist. „Man braucht nur ein Handlungsgerüst und eine interessante Hauptfigur“, sagt die 61-Jährige.

Lotte Kinskofer ist die Autorin des historischen Krimis „Zum Sterben zu viel“.

Ihre ersten Krimis handeln in ihrer alten Heimat, der Oberpfalz. „Aber ich lebe seit 20 Jahren in Pasing und wollte deshalb mein nächstes Buch in München spielen lassen. Mein Verleger hat mich aber gewarnt, dass München ein schwieriges Pflaster ist, weil es schon viele Bücher gibt, die die Stadt als Handlungsort haben.“ Daher entschied sie sich, einen historischen Krimi zu schreiben.

Pasing hat sich dafür gut geeignet, weil die Vergangenheit gut erschlossen ist. Vereine wie das Kulturforum München-West und das Pasinger Archiv haben viel Material.“ Kinskofer durchforstete alte Zeitungen, besuchte die Ausstellung „Revolution und Räte­republik in Pasing“ im Pasinger Rathaus und recherchierte im Stadtmuseum.

„Ich habe auch viele Bücher aus der Zeit gelesen. Da erfährt man auch sehr viel, zum Beispiel, wie die Preise in der damaligen Zeit waren.“ Eineinhalb Jahre habe sie insgesamt für den Roman gebraucht.

Ein historischer Mord liege der Geschichte nicht zugrunde, auch wenn sich Kinskofer vom bislang nicht aufgeklärten Mehrfachmord in Hinterkaifeck (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) 1922 ein wenig inspirieren ließ.

„Ich wusste vorher, dass ich ein junges Paar im Mittelpunkt der Geschichte haben wollte, das vom Land nach München gezogen ist. Aber auch die Großkopferten der Stadt sollten eine Rolle spielen. Dann hat sich die Geschichte von selbst entwickelt.“

Das Buch „Zum Sterben zu viel“ von Lotte Kinskofer, Ars Vivendi Verlag, 350 Seiten, gibt es für 16 Euro im Buchhandel

Andreas Schwarzbauer

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