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Zweitälteste Kulturverein in München: Kulturschmiede seit 45 Jahren in Sendling ‒ aus Bürgerprotest entstanden

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Das Straßenfest der Kulturschmiede, das seit Jahrzehnten in der Daiserstraße stattfindet, ist auch für das nächste Jahr eingeplant.
Das Straßenfest der Kulturschmiede, das seit Jahrzehnten in der Daiserstraße stattfindet, ist auch für das nächste Jahr eingeplant. © Rühl

Sie ist einer der ältesten Kulturvereine in München und aus einem Bürgerprotest entstanden. „Die Kulturschmiede“ in Sendling feiert 45. Geburtstag.

München/Sendling ‒ Entstanden aus einem Bürgerprotest, entwickelte sie sich zum Stadtteilkulturladen: Die Sendlinger Kulturschmiede an der Daiserstraße, der zweitälteste Verein seiner Art in München, feiert im Januar seinen 45. Geburtstag.

Laut dem damaligen Generalverkehrsplan sollte die künftige Lindauer Autobahn über die Stemmerwiese direkt in die Lindwurmstraße hineingeführt werden. Außerdem gab es das Vorhaben, die Stemmerwiese zu bebauen.

Einer der ältesten Kulturvereine in München - Kulturschmiede in Sendling aus Bürgerprotest entstanden

„Diese Planung gab einst den Anstoß, um eine Bürgerinitiative zu gründen, die sich dagegenstemmte“, erzählt Klaus Warnecke, der Mitbegründer des Vereins und ehemalige Landtagsabgeordnete. Die Wiese sei erhalten geblieben und diesen Erfolg könne man sich auf die Fahne schreiben, betont Gerlinde Schermer-Rauwolf, die seit zwei Jahren Vorstandsmitglied ist.

Vorstandsmitglied der „Kulturschmiede“ Franz Will und Gerlinde Schermer-Rauwolf.
Vorstandsmitglied der „Kulturschmiede“ Franz Will und Gerlinde Schermer-Rauwolf. © Rühl

Die Bürger, die sich damals zusammengetan hätten, wollten diesen Zusammenhalt weiterentwickeln. „Somit ist die Idee entstanden, einen Ort zu kreieren, an dem sich die Menschen ohne gastronomischen Zwang treffen können“, sagt Warnecke. Am 18. Januar 1978 haben 14 Sendlinger den Verein gegründet.

Die Organisation wurde auf den Namen „Kulturschmiede“ getauft, da die Mitglieder die Räumlichkeiten einer alten Schmiede an der Plinganserstraße für die Vereinstätigkeit mieten wollten. Obgleich es ihnen jedoch nicht gelungen ist, sei der Name unverändert geblieben, weil „er so passend war“, sagt der Mitbegründer.

„Rechtspopulismus“ und „Hohe Mieten“

Heute besteht die Kulturschmiede aus 48 Mitgliedern und wird vom Kulturreferat gefördert. Die Tätigkeit des Vereins beruht auf den damals formulierten Werten. „Die Kulturschmiede ist ein niederschwelliger Treffpunkt, wo Menschen zu einem Projekt oder Themenabend kommen, diskutieren und sich im Stadtteil vernetzen“, sagt Schermer-Rauwolf.

Darüber hinaus beschäftigten die Vereinsmitglieder Themen wie „Rechtspopulismus“ und „Hohe Mieten“, betont Vorstandsmitglied Franz Will. Bei den mehr als 30 Veranstaltungen, die bereits für 2023/24 geplant sind, werden diese Themen direkt aufgegriffen. Beispielhaft dafür ist der Film- und Diskussionsabend „Mietrebellen“, der am Montag, 10. Juli, stattfindet, oder die Ausstellung „Revolutionäre Frauen, ErstDemokratinnen“, die im März beginnt. Die sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Toni Pfülf war Urgroßtante von Florian von Brunn, dem Sendlinger SPD-Landtagsabgeordneten.

Außerdem wolle der Verein auch historische Aspekte der Entwicklung des Viertels beleuchten. In der für 2024 eingeplanten Ausstellung „Lokomotivbau“ werde ein verschwundenes Stück Sendling unter die Lupe genommen. An der Lindwurmstraße baute Georg Krauss einst Lokomotiven, und Arbeiter gründeten dort den ersten Konsumverein Münchens. Die „Landwührden“, die Premieren-Lok, die Krauss baute, wurde zu einem der ersten großen Exponate des Deutschen Museums. Auch die großen Veranstaltungen wie „der Sommerabend am Kirchplatz“ und das Straßenfest „Der Sommerfeierabend in der Daiserstraße“ finden 2023 wieder statt.

„Unserem ursprünglichen Motto ’Aus dem Viertel für das Viertel‘ sind wir treu geblieben. Wir schätzen unseren traditionsreichen Stadtteil, dessen Erhaltung und Entwicklung uns sehr wichtig sind“, unterstreicht Schermer-Rauwolf.

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