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Münchner Lehrer fordern: Grundschul-Übertrittszeugnis aussetzen und freie Schulwahl

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Von: Sabina Kläsener

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Ab Mitte der dritten Klasse nehme der Leistungsdruck zu, kritisiert der Lehrerverband.
Ab Mitte der dritten Klasse nehme der Leistungsdruck zu, kritisiert der Lehrerverband. © dpa/Frank Molter

Wegen zu viel Druck für die jungen Schüler und zu wenig Förderung während der Pandemie - Münchner Lehrerverband will Übertrittszeugnisse zwei Jahre aussetzen.

München - Hier prallen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite der Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverband (MLLV), auf der anderen das Kultusministerium. Ein Konfliktpunkt: der Übertritt von der Grundschule auf eine weiterführende Schule. Ein wichtiger Teil dabei ist das Übertrittszeugnis (siehe Kasten), auch Grundschulabitur genannt. Die Kritik ist nicht neu – wird aber jetzt schärfer und konkreter.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverband fordert Schulversuch: Übertrittszeugnisse aussetzen

Das Zeugnis bedeute zunehmend Stress für Kinder, Eltern und Lehrkräfte. Die vergangenen beiden Corona-Jahre haben das nicht besser gemacht. „Es widerspricht jeder professionellen Pädagogik, Kinder auf vorgeblich wesentliche Hundertstelnoten in Hauptfächern zu reduzieren“, sagt MLLV-Vorsitzender Martin Schmid. Dabei interessiere noch nicht einmal, mit welcher Hilfe und zu welchem Preis ein Kind seine Leistungen erbracht habe. Doch das Ministerium hält an dem Vorgehen fest, wie eine Sprecherin erklärt: „Der Übertritt dient dazu, Kinder vor Über- oder Unterforderung zu schützen und stellt Bildungsgerechtigkeit sicher.“

Martin Schmid, Vorsitzender des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbands sieht im Aussetzen der Übertrittszeugnisse eine Chance für die Grundschüler.
Martin Schmid, Vorsitzender des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbands sieht im Aussetzen der Übertrittszeugnisse eine Chance für die Grundschüler. © privat

Schmid hingegen bringt einen Schulversuch ins Spiel: „Ein bis zwei Jahre das Übertrittszeugnis auszusetzen, den Elternwillen zu stärken und die Zeit in die Kinder zu investieren.“ Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, da in der Pandemie beispielsweise Förderlehrkräfte beim Unterrichten einspringen mussten und so sozial benachteiligte Schüler nicht gefördert werden konnten. Nach dem Versuch müsse man evaluieren, welche Auswirkungen dieser hatte.

Schulversuche werden vom Kultusministerium initiiert. Sie dienen dem Ziel, neue Organisationsformen und wesentliche inhaltliche Änderungen zu erproben. Der Ausgangspunkt sei, „dass das Bestehende als verbesserungsbedürftig gesehen wird“.

Empfehlung durch Übertrittszeugnis: Kultusministerium hält an bisherigem Vorgehen fest

Doch aus Ministeriumssicht hat sich das bestehende Verfahren bewährt. „Ausschließlich den Elternwillen zu berücksichtigen, käme einer deutlichen Verkürzung des Verfahrens gleich.“ Zugleich verweist eine Sprecherin auf Baden-Württemberg, wo seit knapp zehn Jahren allein der Elternwille entscheidet. Dieses Prozedere sei aufgrund der Erfahrungen der ersten Jahre dann angepasst worden: Bei der Anmeldung an der weiterführenden Schule muss nun eine Schullaufbahnempfehlung vorgelegt werden.

Beim MLLV bleibt das große Ziel: statt kosmetischer Korrekturen eine grundlegende Reform – das Ende des dreigliedrigen Aussortierens.

Das Übertrittszeugnis

Alle Schüler der 4. Jahrgangsstufe erhalten am 2. Mai ein Übertrittszeugnis. Enthalten ist die für die Empfehlung entscheidende Gesamtdurchschnittsnote aus den Fächern Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht, die Noten in allen Fächern und eine Bewertung des Sozial- sowie des Lern- und Arbeitsverhaltens. Abgeschlossen wird das Zeugnis mit einer zusammenfassenden Schullaufbahnempfehlung. Entspricht diese nicht dem Wunsch, kann an einem Probeunterricht in Mathe und Deutsch teilgenommen werden. Wird dieser bestanden, kann die gewünschte Schule besucht werden. Wenn nicht, muss in beiden Fächern mindestens die Note 4 erreicht werden, damit Eltern trotzdem den Übertritt durchsetzen können.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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