Sie kamen die Treppe nicht runter

Wegen defektem Lift von der Welt abgeschnitten ‒ Münchner Senioren sitzen drei Wochen in ihrer Wohnung fest

Diese Treppen können die Senioren in Pasing nicht mehr bewältigen.
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Diese Treppen können die Senioren in Pasing nicht mehr bewältigen.

„Wir Älteren werden nicht ernst genommen.“ Weil der Aufzug defekt war, saßen Senioren in ihren Wohnungen fest. Hallo München hat mit ihnen gesprochen.

Drei Wochen saß Ingeborg Weiß in ihrer Wohnung an der Fischer-von-Erlach-Straße in Pasing fest. Eigentlich ist die 85-Jährige noch sehr aktiv. Sie besucht regelmäßig den Mittagstisch im Alten- und Servicezentrum, spielt dort Rummikub, geht zur Senioren-Gymnastik oder macht kurze Spaziergänge.

Doch das war längere Zeit nicht mehr möglich, denn Weiß wohnt im sechsten Stock und der einzige Aufzug war kaputt. „Es ist eine Katastrophe. Ich bin jetzt wirklich abgeschnitten von draußen“, sagt Weiß im Gespräch mit Hallo, als der Lift noch außer Betrieb war.

Ingeborg Weiß in ihrer Wohnung an der Fischer-von-Erlach-Straße in Pasing.

So wie ihr ging es vielen der Bewohner, denn die meisten sind älter und nicht mehr so gut zu Fuß.

Auch die 87-jährige Stanislawa Galun kommt die Treppen nicht mehr herunter. „Ich bin immer mit dem Rollator spazieren gegangen. Jetzt kann ich nur noch auf meinen Balkon“, sagte sie.

Ein weiteres Problem war: Die meisten haben keine Waschmaschine in der Wohnung und müssen den Waschkeller nutzen.

Für Theresia Lämmchen ist noch dazugekommen, dass sie jeden Freitag eine Flasche Sauerstoff geliefert bekommt. Lämmchen wohnt allerdings im siebten Stock. Glücklicherweise kümmerte sich ein Aufzugmonteur um den Transport.

Seit kurzem ist der Lift nun wieder in Betrieb. Galun hat trotzdem das Gefühl: „Wir Älteren werden nicht ernst genommen.“

Senioren sitzen drei Wochen in ihrer Wohnung in Pasing fest - Weil der Lift defekt ist

Der Vermieter, die städtische Gewofag, verneint das. Man habe mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. „Leider sind solche Defekte trotz regelmäßiger Wartung nie ganz auszuschließen. Die Reparatur hat wegen eines Wechselspiels aus komplexer Fehlersuche, schleppender Ersatzteillieferung und Reparatur leider länger als vorgesehen gedauert“, so Sprecher Frank de Gasperi.

Der Gewofag sei die Situation der Bewohner bewusst. Deshalb habe sie einen kostenlosen Tragedienst angeboten. Doch dafür musste man sich mehrere Tage im Voraus anmelden. Spontane Spaziergänge seien so nicht möglich gewesen, so Galun.

Quartiersmanagerin Christine Thurner weiß zudem, dass es vielen Senioren unangenehm ist, sich heruntertragen zu lassen. Dennoch sei eine Mietminderung schwierig, so der Mieterverein. Zwar beeinträchtige ein kaputter Lift die Wohnqualität, aber durch den Tragedienst sorgte der Vermieter für eine Alternative.

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